Cavalcare la Tigre II

By Mcp

2. Das Ende eines Zyklus – »Den Tiger reiten«

„Der Ausdruck, den wir als Titel für dieses Buch gewählt haben (»Den Tiger reiten«), kann als Hinfuhrung gelten zu der entsprechenden Doktrin, ausgehend von dem, was wir gesagt haben. Dieser Ausdruck, der einem fernöstlichen Sprichwort entnommen wurde, drückt die Einsicht aus, daß derjenige, der es versteht, einen Tiger zu reiten, nicht nur verhindert, dass dieses Tier über ihn herfallt, vielmehr kann er, wenn er nicht absteigt und das Tier im Griff behält, den Tiger am Ende vielleicht überwältigen.“

„Geht ein Zyklus einer Zivilisation auf sein Ende zu, so ist es schwierig, durch Widerstand oder offene Opposition zu den herrschenden Kräften irgend etwas zu erreichen. Der Strom ist zu stark, man würde mitgerissen werden. Wesentlich ist aber, sich von der vermeintlichen Allmacht und dem vermeintlichen Triumph der Kräfte der Zeit nicht beeindrucken zu lassen.“

Es bleibt das Problem der Kontinuität zwischen dem sich vollendenden und den beginnenden Kreislauf, der absolut unvorhersehbar ist.

„Daher muß den Lebensregeln für die derzeitige Epoche ein selbständiger Charakter und ein ihnen selbst immanenter Wert beigemessen werden. Wir wollen damit sagen, daß die Anziehungskraft, die von einer positiven, aber mehr oder weniger kurzfristigen Entwicklung ausgeht, keine bedeutende Rolle spielen darf. Denn diese könnte ganz zunichte werden, ehe der Kreis seinen Lauf vollendet hat.“

Evola weist an dieser Stelle noch auf einen besonderen Punkt hin. Viele, die sich von der modernen Welt abgewendet haben, suchen in östlichen und fernöstlichen Kulturen die Traditionen, die man im Westen längst verloren glaubt. Aber sowohl der Orient, wie auch der Ferne Osten folgen längst dem europäischen Weg und sie sind dabei den Western einzuholen.

„Die Abschaffung des »Kolonialismus« und die materielle Unabhängigkeit, die die östlichen Völker gegenüber Europa gerade erlangen, ist eng mit einer immer deutlicher werdenden Unterwerfung unter die Ideen, Gebräuche und die Fortschrittsmentalität des Westens verbunden.“

„Der »Mythos des Ostens« ist somit trügerisch, ausgenommen in Kreisen der Gelehrten und Spezialisten der metaphysischen Wissenschaften. »Die Wüste wächst« — es gibt keine andere Zivilisation, die uns stützen könnte, und wir müssen unsere Probleme selbst zu lösen versuchen.“

Man muss, schreibt Evola weiter, daher eine autonome Stellung beziehen, unabhängig davon, “was in der Zukunft sein oder nicht sein könnte“.

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Eine Antwort zu “Cavalcare la Tigre II”

  1. KJ sagt:

    „Die Abschaffung des »Kolonialismus« und die materielle Unabhängigkeit, die die östlichen Völker gegenüber Europa gerade erlangen, ist eng mit einer immer deutlicher werdenden Unterwerfung unter die Ideen, Gebräuche und die Fortschrittsmentalität des Westens verbunden.“

    Da sist tatsächlich ein sehr interessantes Phänomen. In Afrika meine ich stärkere Beharrungskräfte zu sehen – aber dort kommt man (daher) auch nichts (siehe auch Südafrika, oben).

    “Man muss, schreibt Evola weiter, daher eine autonome Stellung beziehen, unabhängig davon, ‘was in der Zukunft sein oder nicht sein könnte’.”
    Das kann nur die Position der Wahrheit sein, die ihren Wert eben nicht aus dem kontingenten, immanenten erhält, sondern diesem seinen Wert erst verleiht.

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