Ernst Jünger zur Nation

By Mcp

Wer Jünger als Nationalist wahrnimmt, geht in die Irre, zu dezitiert sind seine Äußerungen zum Thema Nation, der Deutschen allemal. Die Sentenz von Johann Nepomuk Nestroy: “Die beste Nation ist die Resignation.”, hat er mindestens einmal recht wohlwollend, z. B. in Heliopolis, kommentiert. Für den Autor war die Nation, der Nationalstaat der bloße Begriff einer normalen politischen Entität, von Struktur und Wesen identisch mit politischen Begriffen wie Partei, Rasse, Klasse.

„Klasse, Rasse, Partei, Nation, jede Gemeinschaft ist ein Land für sich, mit Wällen umzogen und dicht verdrahtet. Dazwischen Wüste. Überläufer werden erschossen. Zuweilen macht man einen Ausfall und schlägt sich die Schädel ein.“
Quelle: Ernst Jünger; Der Kampf als inneres Erlebnis; Kap.11; Untereinander

Diese Gleichheit im Begrifflichen findet ihre Entsprechung im Politischen, denn gleichwohl werden alle diese bürgerlichen Wesenheiten nicht nur diskreditiert, sondern auch entschieden von denen bekämpft, die man traditionell als Linke bezeichnet. Unter dem jakobinischen Banner der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wurde nicht die vormoderne Reaktion physisch vernichtet und bekämpft, sondern sofort und konsequent auch diejenigen, welche die revolutionären Wirren an die Macht spülte: das Bürgertum und die ihm gemäße politische Lebensweise, die durch die Begriffe Klasse, Rasse und Nation repräsentiert wird.

„Der Angriff, der innerhalb der Nationen gegen die Klassen und Stände, gegen die Massen und Individuen gerichtet ist, wird auch gegen die Nationen selbst geführt, insofern sie nach individuellen, nach »bürgerlichen«, nach »französischen« Mustern gebildet sind.“
Quelle: Ernst Jürger ; Der Arbeiter; Kap. 76

Für Jünger trug der Nationalstaat und seine, über die unmittelbaren Bedürfnisse der Nation hinausgehenden, Anstrengungen schon den Keim seiner Überwindung dadurch in sich, dass er versuchte über seine natürlichen – also ethnischen, kulturellen und sittlichen – Grenzen hinauszugehen. Der Versuch Kolonialreiche oder Imperien zu errichten, ist schon Negation der emanzipatorischen Versprechungen der Nation.

„Die riesenhaften Anstrengungen der Nationalstaaten laufen im Ergebnis auf die fragwürdige Angliederung von Provinzen hinaus; und dort, wo imperiale Ansätze zu beobachten sind, handelt es sich um einen Kolonialimperialismus, der der Fiktion bedarf, daß es Völker gibt, die, wie etwa Deutschland, noch der Erziehung bedürftig sind. Die Nation findet ihre Grenzen in sich selbst, und jeder Schritt, der sie darüber hinausführt, ist durchaus zweifelhaft. Der Gewinn eines schmalen Grenzstreifens auf Grund des Nationalitätenprinzips ist weit weniger legitim als der eines ganzen Reiches durch Heirat im dynastischen Kräftesystem.“
Quelle: Ernst Jünger; Der Arbeiter; Kap. 54

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