Cavalcare la Tigre III

By Mcp

II. In der Welt, in der Gott tot ist

3. Der europäische Nihilismus

Evola beginnt seine Ausführungen zum Nihilismus, wie könnte es anders sein, bei Nietzsche und seinem wohl berühmtesten Satz von Tod Gottes. Er interpretiert ihn als Metapher für die Irreligiosität, die Entheiligung des Lebens und den völligen, so tiefen Bruch mit der Tradition, dass eine Umkehr nicht mehr möglich erscheint.

Der Nihilismus hat die Moral von der Theologie und der Metaphysik entkoppelt, sie auf einen ethischen Rationalismus, autonome Moral reduziert, ihn somit jeder wirksamen Verbindung mit einer höheren Welt beraubt und ihr damit jede unanfechtbare Grundlage genommen.

„Es gibt keinen Halt mehr für den, der bis zu Ende denken kann.“

Die neue Ethik verzichtet, im Zuge ihrer Auflösung, auf die Unterscheidung von gut und böse. Fortan ist jedes Verhalten erlaubt, das dem Einzelnen zum Vorteil gereicht, solange nur ein juristischer oder sozialer Konflikt vermieden kann.

„Nichts mehr hat aus sich heraus verbindlichen oder bestimmenden Charakter. Es handelt sich nur noch darum, seine Rechnung mit den gesellschaftlichen Regeln zu machen, die die Stelle des zerbrochenen religiösen Gesetzes eingenommen haben. Nach dem Puritanismus und dem ethischen Rigorismus ist die bürgerliche Welt nur noch ausgerichtet auf Idole im Bereich des Sozialen und einem Konformismus, der sich auf Vorteile, Feigheit, Hypokrisie oder Tatenlosigkeit stützt.“

Der sich in Nietzsche manifestierende europäische Nihilismus zersetzt aber nicht nur die ethischen Werte der menschlichen Gesellschaft, sondern befällt alle ihre Glieder, die Wahrheit, die Weltanschauung und die Zielsetzungen.

„Der Tod Gottes trug bei zum Verlust jeglichen Lebenssinns, jeder höheren Rechtfertigung der Existenz.“

Dieser Nihilismus begnügt sich nicht zu sagen, dass Gott tot ist, er geht darüber hinaus und sagt, dass selbst, wenn er existierte, sich nichts an der Sinnloskeit menschlichen Dasein ändern würde.

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2 Antworten zu “Cavalcare la Tigre III”

  1. KJ sagt:

    Schön Reihe über Evola, mich hat nach zwei Beiträgen bei mir da der Elan verlassen. Er war mir dann irgwendwie auch zu heidnisch. Aber ich finde es gut, wenn jemand ihn auf “das gute” hin abklopft, das man – frei nach Paulus – behalten soll.

    Was die Ethik angeht… Mich wundert grundsätzlich, dass doch noch alles in allem soviel glatt läuft, eben ohne ausdrückliches ethisches Fundament. Andererseits ist das m.E. auch ein Zeichen dafür das Nietzsche nicht recht hatte. Wir sagen Gott vielleicht tot, aber er ist es nicht. Die Unterscheidung zwischen gut und böse ist noch da, man kann sie verzerren oder verdunkeln, aber man kann sie nicht auslöschen.

  2. Mcp sagt:

    Ja, der Evola ist ein Heide. Er bezweifelt auch die Kraft der Tradition innerhalb des Katholizismus und man muss ihn, wenn auch zähneknirschend, zustimmen. Was ich an Evola sehr schätze, ist einerseits die Kraft mit der er die Symbolik erklärt und seine völlige andere historische Perspektive, die erstaunliche historische Einblicke bereithält. Aber ich gebe gerne zu, man muss sich auf ihn einlassen wollen, was nicht immer leicht ist. Dann aber ist er ein absoluter Hochgenuss.

    Gut und Böse ist im Übrigen ein besonderes Thema. Ich glaube das man dabei ist, gerade diese Begrifflichkeit abzuschaffen. Auf jeden Fall sind wir mitten in einem tiefgreifenden Paradigmawechsel. Das Thema hängt sehr an den “wissenschaftlichen” Angriffen gegen den freien Willen. Sobald ich Zeit finde, werde ich mich dazu äußern.

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