Anthropologischer Selbstzweck

By Mcp

Karlheinz Weissmann beschreibt in seinem Buch „Männerbund“ die obligatorischen Maidemonstrationen als bloße Dynamik von Männergruppen, bei denen politische Motive im engeren Sinne zurücktreten. Insofern sind auch die am 20. Juli zu erwartenden Demonstrationen gegen das Bundeswehrgelöbnis am Reichstag, in Wahrheit nur Teil einer eigentlich apolitischen Jungmännerkultur, die ihr biologisch vererbtes Programm abspult.

„Die Aktionen eines solchen Mobs, seine spontanen und dennoch präzisen Angriffe und Fluchten erfordern ein Maß an emotionaler Kollektivierung, das dem Alltag fremd ist. Sein Hang zur Körperverletzung, zuletzt zur rauschhaften Zerstörung ganzer Nachbarschaften, macht eine Bereitschaft zum Irrationalen nötig … Von Anfang an hat der harte Kern der Demonstranten diese Metamorphose wissend oder unwissend unterstützt. Seine Kleidung, die Accessoires betonen schon in der Versammlungsphase das primitivistisch-emotionale. Symbole tribalistischer Irrationalität, der Irokesenschnitt, die Tätowierung, werden zur Schau gestellt. Systematisch berauscht man sich an Bier. Märtyrerbilder – Che auf der Fahne, Che auf dem T-Shirt, Che auf dem Anstecker – lassen das Haßmotiv der Rache anklingen. Dunkle Brillen und Kapuzen verdecken das Gesicht, militärische Uniformteile und Kampfstiefel strahlen Aggression ab. Sobald sich die Marschkolonne in Bewegung setzt, beschleunigt sich die Entwicklung zur Masse. Alle körperliche Distanz ist jetzt aufgehoben, man geht eng unter- gehakt. Manche Demonstranten umwickeln sich truppweise mit Transparenten. Das individuelle Gespräch erstirbt in der dröhnenden Punk-Beschallung der Lautsprecherwagen. Als einzig mögliche Äußerungsform bleibt die gemeinsam gebrüllte Parole. Da die Sprüche (,Hoch- die – Internationale – Solidarität!’) seit Jahren feststehen, verblassen die Inhalte, es kommt nur noch auf Rhythmus und Emotion an. Manche Texte (,First of May – judgement day() suggerieren einen quasireligiösen Zustand der großen Endschlacht. Der Marsch auf der Fahrbahn, die Außerkraftsetzung der Straßenverkehrsordnung suggeriert das Ende aller Regeln. Die Detonation kommt mit der Dunkelheit. Vom Kollektivgefühl berauscht, duldet die Menge jetzt nichts mehr, was sich ihr entgegenstellt.

Die bloße Existenz der Polizei provoziert sie. Alles, was an Staat und Regeln erinnert, Telefonhäuschen, Bushaltestellen, entfacht ihre Wut. Alles Private, Autos, Trödlerläden, Bäckereien, verschlossene Türen, wird zum Ziel ihres Zorns. Das Feuer, das wie sie keine Grenzen kennt, wird ihr zum alter ego. In Kreuzberg gehen sie an diesem ersten Mai bis an die Grenze des letzten Tabus, die Grenze des Lebens. Ein Trüppchen Polizei ist am Mariannenplatz in die Enge getrieben, umkeilt von der Menge. Zusammengekauert wie Kinder im Gewitter, haben sie, Männer und Frauen, sich hinter eine Mülltonne geschmiegt. Die Geschosse gehen auf sie nieder. Die Steinigung ist eröffnet. Gejohle und Flammenschein füllen die Luft. Erst nach Minuten entschließen sich die bedrängten, verängstigten Beamten zum Gegenangriff.“
Quelle: Karlheinz Weissmann ; Männerbund; Edition Antaios ; ISBN 3-935063-20-2

Der Selbstzweck ist vielleicht keine paradoxe Form der Zweckursache, sondern einzige Möglichkeitsform menschlichen Handelns und das politische und kulturelle Gedöns nur Fassade, hinter der sich die Sinnlosigkeit archaischer Instinkte, die ihre ursprünglicher biologischen Funktionen längst beraubt sind, verbirgt. Die Antifa ist so vielleicht nichts anderes als der ferne Nachklang einer Homo erectus Horde, die ihr Territorium gegen das Eindringen fremder Fressfeinde lautstark und randalierend verteidigt.

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