Das Wissen und Glauben feindliche Brüder wären, ist eine Legende, auf der vor allem die Atheistenmafia Attacken gegen die Christenheit reitet. Wollen wir sehen, ob wir die Ungläubigen ein wenig ärgern können und erzählen, bevor wir wissenschaftlich werden, zunächst eine eigene, kleine Moritat:
Es war einmal ein Mann, der seit Jahren, tagaus und tagein, den immer gleichen Weg zu seiner Arbeit ging. Er kannte jeden Stein, jedes Schlagloch, jeden Strauch und jeden Baum, der den Wegrand säumte. Er hätte den Weg mit geschlossenen Augen gehen können und wäre sicher zum Ziel gekommen, so vertraut war ihm sein Pfad. Der Weg führte über eine Kreuzung, an der vier Hauptstrassen aufeinander stießen und an der ein Gewirr von Ampeln den Fluss des Verkehrs ordnete. Sie folgten einem immer gleichen Takt, einem Rhythmus den unser Mann so sehr aufgesogen hatte, dass er blind wusste, welche Farbe seine Ampel zeigte, wenn der Verkehr auf den Kreuzungen in einem bestimmten Muster rauschte.
Jener Morgen war nass und kalt. Das Sonnenlicht hatte es schwer sich seinen Weg zur Erde zu bahnen. Aus tiefhängenden, dunklen Wolken nieselte ein feiner Regen herab und als unser Mann die Strasse betrat, da schlug er seinen Mantelkragen hoch, zog den Nacken fröstelnd zusammen und seinen Hut tief ins Gesicht. Leicht nach vorn gebeugt, dem peitschenden Wind trotzend, ging er los. Blind, mechanisch.
Er blickte nicht einmal auf, als er die Kreuzung betrat, denn am Rauschen der Reifen erkannte er die Farbe, welche seine Ampel zeigte.
„Wieso …?“ waren die letzten Gedanken, bevor ihn ein Achttonner, der auf pitschnasser Fahrbahn mit quietschenden Bremsen herandonnerte, erfasste. Unser Mann war sofort tot. Seine Ampel strahlte im tiefen rot, wo sie doch hätte grün leuchten müssen. So wie sie immer getan hatte, seit vielen, sehr vielen Jahren.
Das „Ampelamt“ hatte in den Nacht den Rhythmus der Schaltungen geändert, um ihn den veränderten Verkehrsfluss anzupassen.
Und? Die Wissenschaft?
Die Geschichte behandelt den Unterschied vom Wissen und vom Glauben. Hätte unser Mann an diesem Tage aufgeschaut, hätte er gewusst, welche Farbe die Ampel wirklich zeigte, dass es nicht die war, an die er glaubte.
Er starb, weil er ein Problem der Erkenntnistheorie unterschätze, es vielleicht nicht einmal kannte. David Hume formulierte im Jahre 1740 das so genannte „Induktionsproblem“, die schlichte Festestellung, dass man aus einer einzelnen oder vielen reproduzierbaren Beobachtung nicht auf ein allgemeines Gesetz schließen kann. Die Induktion, eine Methode der mathematischen Logik, ist als wissenschaftliche Arbeitsweise zur Wahrheitsfindung, obwohl heute immer noch Königsweg aller empirischen Wissenschaft, mithin unbrauchbar. Wem Hume zu „unmodern“ ist, der kann sich auch bei Karl Popper und seiner Wissenschaftstheorie Bestätigung für dieser Behauptung einholen.
Unser „Wissen“ ist auf den unmittelbaren Augenblick, auf ein bestimmtes Ereignis beschränkt, bei dem wir uns vergewissern, ob wir das, was wir erwarten – an was wir glauben – auch tatsächlich eintritt. Im Augenblick des Ereignisses wissen wir um die Wahrheit, aber schon im Nächsten sind wir wieder auf unseren Glauben angewiesen, sowohl bei dem was wird, als auch bei dem was war. Denn so wie Zukunft noch nicht vorhanden ist, so entropiert die Vergangenheit ins Nichts. Es gibt keinen Informationserhaltungssatz. Unser Glaube ist nichts anderes als die Summe unserer erfahrenen Gewissheiten. Der Glaube, nicht das Wissen, ist die Grundlage jeder Wissenschaft.
Schlagworte: David Hume, Erkenntnistheorie, Glauben, Induktionsproblem, Karl Popper, Wissen, Wissenschaft, Wissenschaftstheorie
Juli 31, 2008 um 8:30 |
In ähnliche Richtugn argumentiert ja, ich habe aber nur flüchtig reingeschaut, auch J.H.Newman in seinem berühmten „Entwurf einer Zustimmungslehre“. Entscheidungen werden nie aufgrund von absoluter Sicherheit, sondern überwiegender Wahrscheinlichkeit getroffen.