Cavalcare la Tigre V

By Mcp

Der europäische Nihilismus
Der Nihilismus, schreibt Evola, der sich in der Gleichgültigkeit großer Teile der Jugend gegenüber sozialen Revolutionen zeigt, ist ein wirkungsmächtigeres Opiat als alle Religionen zusammen. Er fußt auf dem Mythos des wirtschaftlichen Wohlstandes, der alles philosophieren überflüssig mache. So wird die Sinnsuche gleich gänzlich eingestellt.

„Diese Basis ist für den westlichen wie für den kommunistischen Mythos im wesentlichen identisch.“
Quelle: Julius Evola; Cavalcare la Tigre V; 5. Die Tarnung des europäischen Nihilismus, der wirtschaftlich-soziale Mythos, die Protestbewegung

Der Satz ist für konservative Kommunismusfresser sicherlich schwer verdauliche Kost, doch aus Evolas Sicht nur folgerichtig, denn die Linke macht das menschliche Heil, die Erlösung vom bloßen Wechsel der ökonomischen Ordnung abhängig. Ihr revolutionärer Elan erlahmt folgerichtig, wenn der westliche Wohlstand auch jene Schichten der Bevölkerung erreicht, die die Linke für „revolutionär“ hält:

„Das wirtschaftlich-soziale Ideal für eine zukünftige proletarische Menschheit hat in Wirklichkeit intellektuell bereits eben in den westlichen Gesellschaften seinen Nimbus eingebüßt, wo zur Schande der Vorhersagen von Marx und Engels, sich ein Klima des Wohlstands in weiten sozialen Schichten ausgebreitet hat in Form einer satten, leichten und angenehmen Existenz und zwar in einer Form, die der Marxismus als solche im Grunde nicht verdammt, sondern nur in dem Maße, wie sie als Privileg einer Oberschicht kapitalistischer Ausbeuter bleibt und eben nicht ein Gemeineigentum des nivellierten Kollektivs ist.“
Quelle: ebenda

Das diese „ökonomische“ Bewegung ohne wesentliche inhaltliche Ziele und Sinn auskommt, beweist sich darin, dass sich die Linke in ihrer Verzweiflung über das Erlahmen des „revolutionären Elans“ der Massen und in Ermanglung anderer Ansprechpartner „an verlassene Minderheiten von Außenseitern, Ausgeschlossenen und Verstoßenen, bei Gelegenheit auch an die sogenannte »Dritte Welt« (in diesem Fall blühen die marxistischen Einbildungen wieder auf) oder an Neger“ wendet.

Die Linke teilt mit der westlich-bürgerlichen Vorstellung die Auffassung des wirtschaftlich-sozialen Mythos und beide versuchen „jede Denkart zu unterbinden, die sich nicht in wirtschaftlichen Begriffen ausdrückt oder die wirtschaftlich-sozialen Prozesse nicht berücksichtigt“, um „jede Form von Sensibilität und Interesse für Höheres von Kindheit an methodisch zu neutralisieren“.

Dabei gibt es, so Evola weiter, zwischen materieller Armut und geistigen Elend überhaupt keinen signifikanten Zusammenhang, so dass der sich der Wirtschaftsmytos schnell als „Irrtum und Illusionen“ entlarven lasse.

„Nur den untersten und stumpfsten Schichten der Gesellschaft kann man zu verstehen geben, daß die Formel aller menschlichen Glückseligkeit und Unversehrtheit diejenige sei, die man zu Recht das »Ideal Tier« nannte, quasi das Wohlergehen eines Viehbestandes. Nicht zu Unrecht hat Hegel geschrieben, daß die Epochen wirtschaftlichen Wohlergehens die weißen Blätter im Buch der Geschichte ausmachen. Und Toynbee hat bewiesen, daß in der Herausforderung harter und gefährlicher Bedingungen im Lebensraum und auf geistigem Gebiet für den Menschen häufig der Anstoß für das Erwachen der schöpferischen Kräfte der Kultur liegt. In manchen Fällen erscheint es in der Tat nicht paradox zu sagen, dass derjenige, der wirklich barmherzig ist, versuchen sollte, das Leben seines Nächsten möglichst hart zu gestalten.“
Quelle: ebenda

Auf der Insel der materiellen Zerstreuung mit „Frauen und Wisky“ kommt die pure Verzweiflung, dass Gefühl der „innerlichen Leere“ und geistiger Verarmung zurück. Dieser Verfall spiegelt sich auch in der Wissenschaft, der Kunst und Literatur wieder. So ist die Erfindung Psychologie durch Freud ein Versuch moralischen Werten jede höhere Würde dadurch zu nehmen, dass man sie auf den „Untergrund der Lebenstriebe“, auf die „Tiefenpsychologie“, dass „Un- und Unterbewusste“ zurückführen wolle. Dabei wird unterstellt, dass das moralische und soziale Gewissen nur ein „Gemisch von Lustprinzip und Todestrieb“ sei. Der typischste Vertreter der literarischen Richtung schließlich sei Kafka:

„Dort wird die »Gespenstigkeit des Daseins« in Verbindung gebracht mit einem düsteren, unverständlichen Schicksal, einem Fatum und einer absurden Verdammung, die über der ewigen Einsamkeit des Menschen und über der menschlichen Bestimmung ganz allgemein liegen. Es ist wie eine Vorahnung eines unerklärbaren Abgrundes im menschlichen Leben, das zunehmend in ein undurchdringliches Dunkel voller Ängste abstürzt.“
Quelle: ebenda

[wird fortgesetzt]

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Eine Antwort zu “Cavalcare la Tigre V”

  1. Chanan sagt:

    Vielen Dank für die Evola-Serie bis hierhin. Interessanter Blog ohnehin!

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