Porträtist des Bösen

by
Hieronymus Bosch

Hieronymus Bosch: Das Jüngste Gericht

Hieronymus Bosch ist einer meine Lieblingsmaler. Man kann seine Bilder stundenlang betrachten und wird immer wieder neue, winzige Details entdecken, die einer bestimmten Szene eine neue Bedeutung geben. Bosch malte in Symbolen, die Todsünden und Tugenden repräsentieren, deren wirkliche Bedeutung aber nur im Kontext ihrer bildlichen Ordnung zu verstehen ist. Oder auch nicht. Vieles ist widersprüchlich und unscharf, aber gerade das macht den eigentümlichen Reiz seiner Bilder aus. Man kann in ihnen lesen wie in einem Buch.

Bosch malte das Böse: die Wollust, die Völlerei, die Habgier, den Zorn, den Hass, die Ohrenbläserei und die Verderbtheit der Charaktere. Die meisten seiner Bilder wirken düster, zuweilen grausam und es ist ihre magische Macht, die unser Bild vom angeblichen „finsteren“ Mittelalter bis heute prägt.

Aber Bosch malt nicht das zu Ende gehende Mittelalter, er malt seine düsteren Vorahnungen auf jene Epoche, die sich gerade ankündigt: die Renaissance und die Reformation. Sein Werk ist nicht Kritik der Vergangenheit, sondern eine Warnung an die Zukunft. Er stirbt 1516. Ein Jahr später nagelte Luther seine Thesen an das Hauptportal der Schlosskirche zu Wittenberg. Das Mittelalter war zu Ende, eine neue, unheilschwangere Zeit zog herauf.

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Eine Antwort to “Porträtist des Bösen”

  1. Michael Hutter auf www.kunstkrake.de | Bobby Fletcher Says:

    […] Bilder von H. R. Giger, Hieronymus Bosch oder Surrealismus allgemein gefallen, sollte auf jeden Fall mal einen Blick auf die Bilder des […]

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