Gottesbeweis? Gottesbeweis!

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Walter Brandmüller gibt der „Welt-online“ wieder einmal ein Interview über Gott, Vernunft und Beweise. Was für Atheisten ein rotes Tuch ist, erweist sich für Christen als eine Frage der Logik und Vernunft. Natürlich kann man den Weg zu Gott nur über die Vernunft finden, denn der Weg über Mystik und ihr nahe verwandte Formen erweist sich als Sackgasse. Mit anderen Worten: Es ist vernünftig, an Gott zu glauben.

„Hingegen gibt es philosophische Gründe für den Glauben an Gott. Thomas von Aquin hat die bekannten Fünf Wege zur Erkenntnis Gottes formuliert. Natürlich können diese hier zwar nicht dargestellt, wohl aber angedeutet werden. Der erste ist der kausale Gottesbeweis: Alles was ist, muss eine Ursache für seine Existenz haben. Am Ende muss aber dann eine selbst nicht mehr verursachte Ursache stehen. Schon Aristoteles hatte von dem „ersten unbewegten Bewegenden“ gesprochen. Auch die Tatsache, dass Welt und Mensch sinnvoll eingerichtet und der Vervollkommnung fähig sind, lässt auf ein intelligentes Wesen schließen, das an oberster Stelle stehend Plan und Ziel vorzugeben vermag. Eine moderne Variante: Die physikalischen Naturkonstanten sind dergestalt miteinander in Harmonie und aufeinander abgestimmt, dass Leben entstehen konnte. Würden diese Konstanten nur um geringe Promille abweichen, wäre Leben unmöglich. Auf diesen oder ähnlichen Wegen vermag man in der Tat – eine grundsätzliche Offenheit des Denkens einmal vorausgesetzt-, die Existenz Gottes einsichtig zu machen.“
Quelle: Welt-Online, Kann man mit Vernunft Gottes Existenz beweisen?

Mein Lieblingsbeweis, weil er so schön formal logisch ist, ist im Übrigen der des Mathematikers Gödel: Gödels-Beweis als PDF. Er ist, wie jeder mathematische Beweis, unwiderlegbar und zeigt die „Mächtigkeit der axiomatischen Methode“, wie Gödel einmal schelmisch bemerkte. Da aber ausnahmslos jede wissenschaftliche Theorie auf axiomatischen Annahmen beruht, ist die Theorie, welche von einem bewusstlosen Universum ausgeht, nicht besser und nicht schlechter als ihr axiomatisches Gegenteil. Beweisen oder widerlegen ließen sie sich nur in einer Metatheorie, die beide einschließt und die deshalb unmöglich ist, weil sie dann logisch nicht widerspruchsfrei wäre.
Möglicherweise hat Gödel selbst den mathematischen Beweis erbracht, dass axiomatische Systeme überhaupt nicht in der Lage sind, die Welt zu beschreiben. Seine Unvollständigsätze, sie gelten streng genommen nur für Peanoaxiome, spiegeln vielleicht ein fundamentales Naturprinzip: Jede Annahme über die Welt ist entweder widersprüchlich oder unvollständig. Eine Welt kann nicht zum Beweis ihrer eigenen Widerspruchsfreiheit verwendet werden. Beide Sätze hat Gödel bewiesen und für mich klingt das so, wie eine moderne Variante des biblischen Verdikts: Gottes Wege sind unerforschlich.

PS: Dem Autor sind alle Einwände gegen Vernunftbeweise bekannt und er würdigt sie in der im Text beschriebenen weise.

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