Zerrbild der Männlichkeit

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„Wenn man heute im Hinblick auf die katastrophalen Auswirkungen der von uns mit dem Krebs verglichenen demographischen Erscheinungen immer mehr von einer «Geburtenkontrolle» spricht, wird damit sicherlich nicht das wesentliche Problem berührt, denn in keiner Art und Weise kommt ein Kriterium der Differenziertheit, des Qualitativen zum Tragen. Aber die Stumpfsinnigkeit ist noch größer bei denen, die auf Grund traditionalistischer und moralisierender Vorstellungen, die nunmehr wirklich nur noch Vorurteile sind, gegen diese Kontrolle auftreten. Wenn einem die Größe und die Macht eines Volkes am Herzen liegen, ist es sinnlos, sich mit der materiellen Eigenschaft des Vaterseins zu beschäftigen, wenn sie nicht von der spirituellen Tugend der Vaterschaft begleitet wird im Sinne von höheren Interessen, der richtigen Beziehung zwischen den Geschlechtern und vor allen Dingen dem, was wirklich Männlichkeit heißt, also dem, was sie auf einer anderen als der naturhaften Ebene bedeutet.

Wenn wir die moderne Frau des Niedergangs angeklagt haben, darf man keinesfalls vergessen, daß der Mann der erste Verantwortliche dieses Niedergangs ist. Wie die Masse nie in alle Bereiche des sozialen Lebens und der Gesellschaft hätte einbrechen können, wenn es echte Könige und echte Aristokraten gegeben hätte, so hätte in einer von wahren Männern aufrechterhaltenen Gesellschaft die Frau nie den Weg, den sie heute beschreitet, einschlagen wollen und können. Die Epochen, in denen die Frau eine Autonomie und eine Vorherrschaft erreicht hatte, waren fast immer mit Zeiträumen eines deutlichen Niedergangs älterer Kulturen zusammengefallen. Daher müßte sich die echte Reaktion gegen den Feminismus und gegen jede andere weibliche Entgleisung nicht gegen die Frau, sondern gegen den Mann wenden. Man kann von der Frau nicht verlangen, daß sie wieder eine solche wird, um die nötigen inneren und äußeren Bedingungen zu schaffen, damit ein Volk mit Blick auf das Höhere entstehen kann, solange der Mann nur von einem Zerrbild der Männlichkeit weiß.“
Quelle: Julius Evola; Revolte gegen die moderne Welt; 21; Niedergang der traditionstragenden Völker

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Manchmal hat man den Eindruck, als wäre der Feminismus vor allem eine unter Männern verbreitete Krankheit. Jedenfalls sind die es, die in einschlägigen Foren am aggressivsten Frauenrechte vertreten, während hartleibige Flintenweiber eine eher seltene Art ist, die sich zudem noch durch eine gewisse geistige Inflexibilität auszeichnet. Männer hingegen, die ihr Geschlechtsteil mit ihrem Geschlecht und Hirn verwechseln und die in einem ordentlich F*** die Lösung aller unserer, denn sie selber behaupten für gewöhnlich keine zu haben, Probleme sehen, treten häufiger und meist in kleinen Rudeln auf.

Das größte Manko der Männerbewegung ist, und hier greift Evolas früher Einwurf, dass sie immer noch eine Anti-Bewegung ist, die sich hauptsächlich gegen Emanzen profiliert und damit, unnötigerweise, die Solidarität ihrer, am Feminismus eigentlich uninteressierten, Geschlechtsgenossinnen provoziert. Bewegungen, die sich nur gegen etwas richten, reagieren zudem meist bloß, sind folglich defensiv und bemerken für sie ungünstige Entwicklungen immer erst, wenn es eigentlich schon zu spät ist, sie umzukehren oder gar zu verhindern.

Das Männerbild der Vergangenheit ist von der Gegenwart aus verschiedenen Gründen überholt, ein „Modernes“ hingegen existiert nur als Zerrbild, welches man vorzugsweise in der Werbung präsentiert bekommt: Der gestylte Schönling, der als dämlicher Konsumaffe vor allen „trendi“ sein muss und jeden Hype genauso hinterher hechelt, wie eine 12jährige Groupie ihren Popidol. Solange das so bleibt, wird der Feminismus, neuerdings in Gestalt des Genderismus, weiter drängen nach vorne drängen.

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5 Antworten to “Zerrbild der Männlichkeit”

  1. KJ Says:

    Mir ist allerdings schon der Begriff „Männerbewegung“ einigermaßen suspekt.
    In der Verunsicherung bezüglich der „geschlechtsspezifischen“ Rolle sehe ich in erster Linie ein Symptom, nämlich wieder mal, das große Gleichmachen, dass sich durch unsere Tage zieht.
    Der Mensche, jeder Mensch, wird praktisch zu einem fast abstrakten Punkt degradiert, ohne Eigenheiten oder Konkreta.
    Diese Masche machen sich dann einige Gruppen gekonnt zu nutze, etwa diejenigen, die vorgeben, dem „Wohl der Frau“ dienen zu wollen und die anzustrebende Gleichheit ihren eigenen Zielen gemäß definieren.

  2. Leser Says:

    Fast müsste man den Gründungs-„Müttern“ des Feminismus zu ihrer geradezu genialen Entdeckung gratulieren, wie die Männer in eine ausweglose Falle gelockt werden konnten.
    Mit unnachahmlicher Raffinnesse haben sie folgende biologische und kulturelle Gegebenheiten bzw. Trends zu ihrem Vorteil ausgenutzt:

    Da M. offenbar einen biologisch bedingten, stärkeren „Trieb“ haben, buhlen sie mehr um die Gunst der F. als umgekehrt.
    Biologisch und kulturell ist das Paradigma vom Schutz des Weiblichen immer noch fest verankert. Ebenso evolutionär stark geprägt ist die Ernährer- und Versorgungrolle der M.

    Das ermöglichte früher eine relativ ausgeglichene Beziehungskonstellation – „Nestbau und Versorgung“ der M. versus Zuneigung, Sex und Kinderaufzucht der F.

    In der heutigen Zeit ist die Versorgerrolle der M. obsolet. Ergo ist ihr Beitrag in dieser früheren Wechselwirkung nicht mehr gefragt.
    Folge: Männer sind noch mehr zu Bittstellern herabgesunken. Verschlimmernder Faktor: Der durch ausgebliebenen Krieg und Mu-Ku-Zuwanderung entstandene knüppeldicke Männerüberschuss in der sog. Reproduktionsaltersklasse.
    Unausbleiblich: Zunehmender weiblicher Hochmut, der die M. vor die Alternative stellt, ihnen entweder aus der Hand zu fressen oder verschmäht zu werden.
    Die feigen und unterwürfigen M. wählen die erste Alternative, was wiederum das Einfallstor für dreiste Forderungen nach Bevorzugung ist.

    Und da stehen wir heute: Von der Auschwitz-Keule ohnehin schon vorgeweicht ducken die M. nur noch vor der Macho-Keule und hoffen dass die Lichtgestalten Fs. bei subalternem Wohlverhalten eine paar Brosamen Zuneigung oder gar Sex abfallen lassen. Gewohnt draufzuzahlen sind die M. seit jeher schon. Nunmehr aber, da ihre Versorgungsleistung nicht mehr gefragt ist, müssen sie eben mit anderer Münze löhnen, und das heisst, sich übervorteilen lassen, verteufelt, geschmäht zu werden, die Jobs weg gequotet zu kriegen, später verrentet (bei kürzerer Lebenserwartung) zu werden, bei Scheidung abgezockt zu werden, usw. usw.

    Eine Männerbewegung kann also zunächst nur eine Anti-Haltung einnehmen. Aber ob sie die M. aus dieser Ausweglosigkeit holen kann ist fürwahr fraglich. Denn die meisten M. wollen gar nicht. Abhängig von den homöopathischen Dosen an weiblichen Gunstbezeugungen, fürchten sie nichts mehr als diese auch noch zu verlieren.

  3. Mcp Says:

    Ja Leser, gut beschrieben. Allerdings ist die Männerrolle, die Du beschreibst zu stark verkürzt. Es gab in der Vergangenheit mindestens zwei tragende Rollen des Mannes, für die weder „Beschützer“, noch „Ernährer“ zutreffend ist. Die eine Rolle war die des erobernden Entdeckers, die wird schon in der Ilias beschrieben, die andere die des frommen Mönches oder Priesters. Aus beiden bildete sich im Mittelalter der Ordensmönch heraus, der sich sowohl als Priester als auch als Krieger verstand. Dazwischen gab es noch jede Menge Schattierungen wie den Eremiten oder den Asketen, den Philosophen und Wissenschaftler. All diese Rollen brauchen die Frau zur Definition ihres Sinnes nicht, höchstens als zierende Staffage. Ich könnte ein Buch darüber schreiben, hätte ich mehr Zeit. Es gibt also mehr männliche Rollen, als die, welche man uns heute weismachen möchte.

    Der treusorgende Familienvater war in vergangen Kulturen eigentlich immer der Depp. Er ist wohl heute immer noch, wohl deshalb weil er zu Definition die Frau braucht.

    Ja KJ, der Begriff „Männerbewegung“ ist auch mir suspekt. Aber ich habe zur Zeit keinen anderen.

  4. Leser Says:

    Stimmt, in meinen Auslassungen ist doch der Sarkasmus stark mit mir durchgegangen.
    Indessen wird auch die Rolle des Entdeckers, Erfinders, des Neuerers, kurzum die männliche Kreativität und Schaffenskraft heutzutage in den Schmutz gezogen. Alles Expansive, Beschränkungen sprengende, Grenzen transzendierende wird mit dem übel beleumundeten „Männlichen“ identifiziert. Dem wird heuchlerisch das der „Guten Mutter Gaia“ anhaftende Weibliche, Bewahrende, Sanfte, Friedliche und Harmonische als etwas höherwertiges gegenübergestellt.
    D.h. all die geistigen (fast ausschl. männl.) Titanen, die seit Jahrtausenden Wissenschaft, Technik, Philosphie, Kunst, Literatur u. Musik vorangetrieben haben, werden ins Zwielicht gerückt.
    Solange da kein Paradigmenwechsel stattfindet, d. h. das „Männliche“ entstigmatisiert wird, wird das nix mit der Hoffnung das „Joch“ Feminismus abzuschütteln.

  5. Andreas K Says:

    … die Sozialwissenschaft spricht ja seit einigen Jahren in der Mehrzahl von MännlichkeitEN – und wer viel reist, weiß: ein Mann zu sein heißt in unterschiedlichen Kulturen oft recht unterschiedliches …. ein nettes Internet-Projekt dazu: http://www.masculinities.org .

    Sollte uns Männer erleichtern! (Wahlfreiheit)

    LG Andreas

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