Die vergessene Kultur

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Luther beim verbrennen einer Papstbulle. In jedem Kulturkampf waren Bücherverbrennungen und Verbotsorgien nichts ungewöhnliches. Auch die Reformation war eine Kulturrevolution, die zu solchen Mitteln griff.  Das moralische Urteil indes, fällt immer der Sieger.

Luther beim verbrennen einer Papstbulle. In jedem Kulturkampf waren Bücherverbrennungen und Verbotsorgien nichts ungewöhnliches. Auch die Reformation war eine Kulturrevolution, die zu solchen Mitteln griff. Das moralische Urteil indes, fällt immer der Sieger.

Warum ist die Lücke in der deutschen Literatur eigentlich bis zum heutigen Tage nicht geschlossen? Die Lücke, die in jener Nacht, heute vor sechsundsiebzig Jahren gerissen wurde, als in Deutschland die Bücher brannten? Die Lücke ist da; wenn man durch die Regale deutscher Universitätsbibliotheken geht, kann man sie sehen: Viele Bücher, viele Namen fehlen bis heute.

Die Namen der Autoren, deren Bücher damals im Feuer landeten, sollten für alle Zeiten aus dem Gedächtnis gelöscht werden. Das war der Plan. Die tausend Jahre waren nach zwölf Jahren vorbei. Trotzdem reichte es, um einen Faden abreißen und viele Autoren in Vergessenheit geraten zu lassen.

Quelle: FAZ.NET; Standardwerk mit Lücken: Ein grotesker Kanon

Sicherlich, die Klage ist berechtigt, sofern sie die verschwundenen Namen und Werke betrifft. Doch die Tendenz, im Kulturkampf zum Mittel des Verschweigens zu greifen, ist auch heute noch ungebrochen. Werke antisemitischer Autoren sucht man bei „Google Books“ vergeblich. Obwohl solche Publizisten in der Vergangenheit eine tragende Säule europäischer Kultur waren, ohne die Geschichte so unbegreifbar wie der Holocaust bleibt. Der Idee die hinter dem „Index Librorum Prohibitorum“ stand, feiert auch heute noch fröhliche Urständ. Die nur mühsam unterdrückte Empörung ist Weidermann anzumerken, wenn er die antisemitischen Passagen bei Frenzel zitiert. Auch Lücken gehören zur Kulturgeschichte.

Bücherverbrennungen und Verbotsorgien haben eine lange Tradition. Die braue Kulturrevolution ist nicht die Jüngste in der deutschen Geschichte. Tiefer greifend, weil dauerhaft, ist jener Kulturbruch, den die Alliierten im besiegten Deutschland organisierten. Den systematischen Säuberungen in Bibliotheken und Privathaushalten fielen beileibe nicht nur nationalsozialistische Autoren zum Opfer. Ganz unverhohlen wollten die Siegermächte nach der systematischen Zerstörung der städtischen Kulturlandschaften, wozu sonst Dresden, auch das geistige Erbe der Deutschen vernichten. In welchem Ausmaß ihnen das gelungen ist, zeigt ein Blick auf eine annotierte Bibliografie von Arnim Mohler und Karlheinz Weißmann, die unter dem Titel „Die konservative Revolution in Deutschland“ eine beeindruckende Anzahl deutscher Publizisten ausweist, deren Werke nach 1945 gar nicht oder kaum noch verlegt worden sind. Wer sich heute fragt, was Deutsch sei, der findet die Antwort in jenen vergessenen Werken.

Glaube keiner, dass man hier wieder anknüpfen könne. Es gibt die Kontinuitäten, deren Bruch nicht mehr zu heilen ist. 1933 gehört ebenso dazu, wie das Jahr 1945. Das Deutschland von heute ist amerikanisiert bis in die letzte Verästelung der Gesellschaft. Die deutsche Kultur liegt unter den Trümmern von Dresden begraben und für den neuen deutschen Mob ist der 8. Mai ein Feiertag.

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2 Antworten to “Die vergessene Kultur”

  1. Bauer Gerhard Says:

    Stimmt, es fehlen tatsächlich Bücher in den Regalen. In Deutschland sind ca. 20 000 Schriften und Bücher verboten. Wohlgemerkt, im freiesten Deutschland aller Zeiten.
    Stimmt, Deutschland ist amerikanisiert, wir leben in einem bikulturellen Land, die deutsche Kultur wird vollkommen durch die US-amerikanische ersetzt. Wir bekommen alles, bis hin zu den Amokläufen, was auch in den USA an Zuständen herrscht. Nur unser Geld, die Früchte unserer Arbeit, die bekommen die USA und noch ein paar andere.

  2. Land der Duckmäuser und Denunzianten « Mit elektrischer Feder Says:

    […] Holla, das ging schnell. Der Artikel in der FAS vom 10. Mai hat seine Mission schon erfüllt. Die Antisemitin ist erkannt, Gefahr gebannt. Die “Daten deutscher Dichtung” sind aus dem Rennen. Ob die monierten Lücken damit geschlossen werden, darf indes getrost bezweifelt werden. Von denen, die 1945 gerissen wurden, ganz zu schweigen: Die vergessene Kultur. […]

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