Die Päpstin – ein Legende

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Der Trailer seines Historienepos zeigen, was Kino-Fans erwartet: gewaltige Heere, die sich zur Schlacht bereit machen, intrigante Hintergrundgespräche von gekrönten Häuptern und Kardinalen sowie die unerfüllte Liebesgeschichte der Hauptfigur Johanna von Ingelheim.

Diese wurde einer Legende nach vor rund 1000 Jahren zur Päpstin gekürt. Donna Woolfolk Cross (62) verarbeitete die mittelalterliche Sage in einem Buch, das zum Welterfolg wurde.

Quelle: Bild.de;  „Die Päpstin“: Film-Trailer des neuen Werks von Sönke Wortmann mit Johanna Wokalek

Seufz! Nach Illuminati kommt nun der nächste Film über die bösen Verschwörer im Vatikan in die Kinos: die Legende von der Päpstin Johanna. Der Film beruht auf einem Roman der amerikanischen Radikalfeministin Donna Woolfolk Cross und die behauptet natürlich, wie könnte es auch anderes sein, das ihr Buch „Die Päpstin“ auf historischen Tatsachen beruht.

Um es vorwegzunehmen: Es gibt keinen einzigen historischen Beweis für die Existenz eines weiblichen Papstes. In dem Zeitraum, in dem Johanna ihr Unwesen hätte treiben sollen, saß ein Namensvetter unseres heutigen Papstes auf Petris Thron: Benedikt III. Seine Existenz bezeugen nicht nur mit seinem Antlitz geprägte Münzen und umfängliche, in den vatikanischen Archiven schlummernde Korrespondenz, sondern auch der exkommunizierte byzantinische Gegner des römischen Papstes, der Patriarch Photios, in dessen Aufzählungen weder eine Johanna, noch ein Johann vorkommen.

Päpstin Johanna mit Tiara reitet auf dem siebenköpfigen Tier der Apokalypse

Päpstin Johanna mit Tiara reitet auf dem siebenköpfigen Tier der Apokalypse

So weit, so gut. Es gibt sie dennoch. In zahlreichen kirchlichen Dokumenten wird eine Päpstin Johanna erwähnt. Allerdings beginnt ihr Dasein in den Archiven erst satte 250 Jahre nach ihrem angeblichen Ableben. Ein weiblicher Papst wird erstmals von dem Dominikanermönch Jan de Mailly erwähnt. Allerdings kann dies nicht die Johanna aus Ingelheim gewesen sein, denn die zeitlichen Angaben passen nicht zusammen. Nach dieser Legende wurde die Päpstin schwanger und verlor auf einen Ausritt ihr Kind. Sie soll darauf hin an dem Schweif ihres Pferdes gebunden, zu Tode geschleift wurden sein. Etienne du Bourbone zitiert Maillys Behauptung in seinem Buch „Die sieben Gaben des Heiligen Geistes“ und datiert die Geschichte auf die Zeit „1100“ herum. Besagte Johanna aber soll aber nach dem Ableben von Leo IV. bereits im Jahre 855 die Kirche regiert haben.

Eine zweite Version dieser Geschichte erzählt erstmals Martin von Troppau (gest. 1278). Von ihm haben vermutlich alle anderen abgeschrieben. Demnach soll nach Leo IV. der Engländer Johannes von Mainz auf dem Thron gestiegen haben. Wörtlich heißt es an dieser Stelle weiter: „Er soll, so wird behauptet, eine Frau gewesen sein.“

Fest steht, das man seit dem 13. Jahrhundert an die Geschichte der Päpstin Johanna glaubte und sie seitdem in vielen Dokumenten Erwähnung findet, sogar Bildnisse von ihr gefertigt wurden.

Erst im 15. Jahrhundert erklären Kirchhistoriker die Geschichte für unhaltbar. Nicht, weil es sich um frühe „Antifeministen“ handelte, sondern weil die Aktenlage einen Beweis nicht zulässt.

Nichtsdestotrotz wurde die Geschichte immer wieder aufgegriffen und musste für allerlei antikirchliche Propaganda herhalten. Luther hat die imaginäre Dame für seine drastischen antirömischen Ausfälle des öfteren missbraucht. Unter seiner Herrschaft wäre die heutige Bischöfin Käßmann mit Sicherheit auf dem Scheiterhaufen gelandet.

Eine „echte“ Päpstin gab es dennoch. Im 13. Jahrhundert predigte ein gewisser Wilhelm von Böhmen den Weltuntergang, der sich dadurch ankündigen sollte, dass weibliche Päpste den Thron Petri bestiegen. Nach seinem Tode im Jahre 1281 wählten seine Anhänger eine Gräfin Visconti zu ihrem Papst. Allerdings war sie es nicht lange. 1300 wurde sie als Ketzerin auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Quellen:
[1] Ignaz von Döllinger; Papst-Fabeln; München 1863
[2] Michael Hesemann; Die Dunkelmänner; Mythen, Lügen und Legenden; Augsburg 2007

4 Antworten to “Die Päpstin – ein Legende”

  1. Don't care Says:

    Das ist wieder so ein „Nachtijall ick hör dir Trapsen“-Phänomen, das meilenweit gegen den Wind nach feministischer Geschichtsklitterung stinkt.
    Gelle liebes Femi-Inquisitorium, da habt ihr ein wunderhübsches Leckerli patriarchalischer Unterdrückerei, mit dem ihr ein dickes Plus auf unser Macho-Schuldkonto buchen könnt. Schämen und grämen sollen wir Malefize uns über die infamen Intrigen des männerbündelenden Klerus, wie er den einzigen femininen Lichtblick in seiner sonst so blutigen Horrorgeschichte leugnet. Ach, ich zerfliesse geradezu for Reue und Anteilnahme !

  2. Elsa Says:

    Also, ich stehe hoffentlich nicht unter Feminismus-Verdacht bei dir, hoffentlich auch dann nicht, wenn ich zugebe, den Roman wirklich gerne gelesen zu haben, meine evangelische Mamma hat ihn auch grad wieder gelesen und findet ihn sehr gut. Nun kennst du ja meine Affinität zu fiktionaler Literatur, und die muss ja nicht immer der reinen Lehre oder den Fakten entsprechen (auch wenn ihre Autoren dass dann für sich in Anspruch nehmen wollten).
    Das heißt, ich kann diese Geschichte als kulturhistorisches Phänomen entsprechend werten und deiner Widerlegung mit Interesse und auch Zustimmung folgen.
    Was da auf dem Tier reitet, scheint mir aber nicht Päpstin Johanna, sondern die Hure Babylon im purpurroten Gewand zu sein?

    • Mcp Says:

      Nein! Unter Feminismus-Verdacht stehst Du nicht. Es ist nur so, dass ich mir manchmal das Heilige Officium zurückwünsche.

      Im Ernst. Literatur hat seit Homer einen geschichtsbildenten Charakter. Ein Beispiel ist Hochhuths Verleumdung von Pius XII. Der Literatur wird „künstlerische Freiheit“ zugestanden, die der Mob dann für die Wahrheit nimmt. Meinen Seufzer schicke ich in diese Richtung. Die Päpstin Johanna ist nur ein Beispiel dafür, was Geschichte in Wahrheit ist: ein Märchen. Aber spannend erzählt. Die Kinder lieben meine allabendlichen Schauergeschichten.

      Ach so. Die Johanna vermischt sich in der antikatholischen Propaganda mit der Hure und der Päpstin. Für Luther war alles eins. Die Abbildung stammt von einer Tarot-Karte. Dieses Kartenspiel steht wohl historisch im Zusammenhang mit dem feurigen Ableben der zur Päpstin gewählten Gräfin Visconti. Jedenfalls taucht sie dort zum ersten Mal auf. Sie hat den Scheiterhaufen ganz offenbar überlebt. Ein Thema für das nächste Märchen.

  3. Elsa Says:

    Hochhuth ist doch kein Literat ;-).
    Aber ich weiß, was du meinst. Die Wirkung der Lektüre von Der Stellvertreter damals in der Schule (Mittelstufe, Alt 68er Deutschlehrer, mein Oberstufenlehrer hätte uns dieses Machwerk nicht zugemutet), war nachhaltig und hat meine Sicht auf Pius XII. bedauerlicherweise viel zu lange geprägt.

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