Der Wille, die Wissenschaft und die Obrigkeit

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Doch kann man unter diesen Umständen einen Täter bestrafen, dessen Gewaltbereitschaft etwa durch einen angeborenen niedrigen Gehalt des Hirnenzyms MAO-A erhöht ist? Und der noch dazu von Kindesbeinen an mit Gewalt und schlechter Behandlung konfrontiert wurde, die sich in sein Gehirn „eingebrannt“ haben? Muss man nicht darüber hinaus grundsätzlich bezweifeln, dass je ein Mensch sich für ein Verbrechen „frei“ entschieden hat und deshalb Strafe „verdient“?

Quelle: tagesspiegel; Das trügerische Gefühl, frei zu entscheiden

Der Abschaffung der Willensfreiheit folgt die Abschaffung des Strafrechtes. Wer ein Verbrechen begeht, ist per Definition nicht mehr Täter sondern ein Kranker, der zur Zwangsbehandlung in die Psychiatrie eingeliefert wird. Dort wird sein Hirn solange malträtiert, bis eine „Sozialprognose“ harmlos ausfällt und er entlassen werden kann. Das kann im Zweifel sehr lange dauern, da sich solche „Krankheitsverläufe“ nicht vorhersehen lassen. Dadurch könnte es passieren, dass ein Mörder nach wenigen Monaten freikommt und ein Dieb bis an sein Lebensende sitzt, denn die Länge der „Behandlung“ liegt im alleinigen Ermessen des Arztes. Was ein Verbrechen ist bestimmt der Staat.

Aber nicht nur um die Verbrecher muss man sorgen, sondern auch der normale Bürger weiß gar nicht, was er eigentlich tut. Denn, wo kein Wille, da ist keine Wahl, dann muss man sich fürsorglich des Bürgers annehmen und ihm vorschreiben was genau er zu tun und was er zu lassen hat. Und wieder hat uns der Fortschritt das Leben erleichtert. Nicht wenigen Zeitgenossen dürften solche Aussichten nicht unangenehm sein: „Ich bin gar nicht faul, sondern krank. Die Gene. Da kann man nicht machen. Ich bin aber schon in Behandlung.“ Lachen sie nicht: Faulheit auf den Krankenschein ist die Konsequenz dieses Denkens, dass uns partout einreden will, wir hätten keinen freien Willen.

Den Faden soll der Leser weiterspinnen und sich überlegen in welcher Gesellschaft wir eines Tages aufwachen werden, wenn man die Abschaffung der Willensfreiheit postuliert und daraus eine „neue Ethik“ strikt. Ein freier Bürger kommt in dieser Lehre mit einiger Sicherheit nicht mehr vor. In Großbritannien, so las ich kürzlich, liefen Feldversuche in denen man dem Trinkwasser „gesundheitsfördernde Substanzen“ beimischte, wobei die Betroffenen davon nichts gewusst haben sollen. Wie fürsorglich und menschenfreundlich doch unsere Obrigkeit ist. Wer das nicht will – ach so, der Wille ist ja abgeschafft.

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Eine Antwort to “Der Wille, die Wissenschaft und die Obrigkeit”

  1. Janowitz Says:

    Thomas Metzinger mutet zunehmend wie ein gnostischer Hohepriester an. Ich kenn ihn als Mediziner, der selber neurobiologisch forschend tätig ist, von diversen Vorträgen her.
    Sein Kollege Wolf Singer kommt wie Metzinger von der naturalistischen Giordano-Bruno-Stiftung her (man denke dabei ironischerweise an Brunos esoterische „Theses de Magia“) und sieht sich an seinem leistungsstarken Magnetresonanz-Tomographen als Einäugiger unter blinden Probanden.

    Für mich ist das unaufgeklärte Aufklärung. Dringend notwendig wären Initiativen zur Trennung von Wissenschaft und Staat und gleichzeitig ein Gespür dafür, wie leicht sich Wissenschaft und Weltanschauung vermengen. Neurowissenschaften könnten so spannend sein.
    Metzinger ist selber nicht einmal Mediziner oder Biologe. Er erzeugt nur eine Art raunenden Grundton in der Debatte, den Geisteswissenschaftler, die von den Ideologien der letzten 30 Jahre desillusioniert sind, leider !! dankbar aufnehmen, ohne die notwendigen wissenschaftstheoretischen Grundfragen zu stellen. Das kann die Medizin alleine nicht leisten.
    Thomas Fuchs, Psychiatrieprofessor aus Heidelberg, der schon mit Spaemann geschrieben hat, leistet diesbezüglich im Moment Herausragendes. Sehr empfehlenswert.

    Sie haben m.E. das Problem hervorragend in aller Kürze dargestellt. Erst heute morgen hatte ich einen Patienten, der mir sagte, seine momentane Neurotransmitterzusammensetzung im Frontalhirn mache einen Verrentungsantrag unumgänglich. Das ist noch lustig, aber das,was in vielen Bereichen gesellschaftspolitisch auf uns zu kommt, weniger.
    Gnade uns Gott.

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