Die Gene und ihre Interessen

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Der Mann dagegen hat kein Interesse, so ein Gen an seine Kinder weiterzugeben, da er mit der Gruppe ja nicht verwandt ist. Sein alleiniges Interesse sollte seinen Nachkommen gelten, denn die tragen die Hälfte seiner Gene in sich. Deswegen gibt ausgerechnet der Vater die Gene Peg1 und Peg3 weiter, die seine Töchter zu guten Müttern machen. Die Erbanlagen haben zum Beispiel einen Einfluss darauf, wie viel Zeit eine Maus in das Nestbauen investiert oder wie intensiv sie ihre Jungen wärmt. Es ist also ausgerechnet die väterliche Hälfte des Erbguts, die eine Maus zur Mutter macht.

Es ist ein wenig so, als seien zwei verschiedene Ichs in jeder Maus vorhanden. Eines, welches die Mutter angelegt hat und eines, welches vom Vater stammt. In seinen Vorträgen schlüpft Trivers in die Rolle der beiden Persönlichkeiten. „Ich liebe meine Schwestern und meine Tanten. Familie ist wichtig“, sagt das weibliche Ich der Maus mit zarter Stimme.

„Die Kinder sind das Wichtigste“, brummt der männliche Gegenpart – oder einfach „Ich habe Hunger“. Dass es beim Menschen ganz ähnliche Phänomene gibt, davon ist Trivers überzeugt: „Jeder von uns hat ein mütterliches und ein väterliches Ich, und die beiden kämpfen gegeneinander“, sagt er. „Wir sind schließlich auch Säugetiere.“
Quelle: Tagesspiegel; Geschlechterkampf im Erbgut.

Wenn der genetische Code des Menschen Produkt eines unbewussten Zufalles ist, Ergebnis der Anpassung an eine sich zufällig ändernde Umwelt, dann kann man ihm weder eine Ansicht, noch einen Willen oder irgendein Attribut dessen unterstellen, was wir als Bewusstsein begreifen.

Um so erstaunlicher ist es, dass Wissenschaftler, die einem Schöpfungsplan kritisch gegenüberstehen, genau dieses mit schönster Regelmäßigkeit tun. Nichts anderes tut Robert Trivers nämlich, wenn er einen intragenomischen „Geschlechterkampf“ postuliert, bei dem angeblich männliche gegen weibliche Gene „kämpfen“, die alle ein reges „Interesse“ daran hätten, sich gegenseitig zu „dominieren“. „Interesse“ bedeutet die Anwesenheit einer interessierten Bewusstheit. Ein unbewusstes „Interesse“ ist nicht weiter als eine, für einen Atheisten, recht dümmliche Metapher, die unbewussten Naturvorgängen eine untergründige Vernunft als Absicht unterstellt.

Es geht mir nicht um die Infragestellung wissenschaftlicher Ergebnisse, als vielmehr um ihre merkwürdigen, nein zeitgeistigen, Interpretationen.

Wenn ein Komet tatsächlich die Dinosaurier ausgelöscht hat, dann verdankt der Mensch seinen Aufstieg und seine „Evolution“ einem blinden Zufall. Genauso zufällig und willkürlich, wie sich die Umweltbedingungen auf diesen Planeten geändert haben, die jedes Mal, glaubt den Evolutionisten, einen Anpassungsdruck auf Flora und Fauna ausgeübt haben. Das wüten der Naturgewalten ist allenfalls durch die Chaostheorie beschreibar und die kennt nur Wahrscheinlichkeiten. Nur darüber lässt sich der Mechanismus erklären, der dafür sorgt, dass in der großen Zahl genau so viele Jungen wie Mädchen geboren werden. Mit einem „Geschlechterkampf“ hat dieser Umstand nichts zu tun.

Gene haben keine „Interessen“ und welches sich durchsetzt, lässt sich wissenschaftlich exakter durch eine Wahrscheinlichkeitsverteilung beschreiben als durch pseudofeministisches Theater mit quasifaschistischen Anleihen.

Man kann der Evolutionsbiologie nur raten sich endlich jener seriösen Sprache zu bedienen, die ohne solche Vokabeln auskommt: der Mathematik. Auch wenn es nur im populärwissenschaftlichen Teil einer Tageszeitung ist. Glaubwürdiger wird eine Theorie nicht dadurch, dass sie um Kredit beim Zeitgeist bettelt. Der verlangt gewöhnlich Wucherzinsen.

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