Dekoration (Schluß)

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Die materielle Kultur ist, wo sie zur Vollkommenheit emporsteigt, wo sie bis in die kleinsten Dinge des Lebens vorgedrungen ist, durch das Weib bestimmt. Der Mann hat innerhalb dieser Kultur nur eine sekundäre Rolle. Er kann es zum repräsentativem Manne bringen, aber sobald es zur Entscheidung kommt, ordnet er sich der überlegenen Kultur, dem entscheidenderen Geschmack und dem stärkeren Willen des Weibes unter. Das Weib erreicht innerhalb dieses Systems seine Höhe als Verführerin und Beherrscherin des Mannes.

Wenn in diesem Systeme die Frau sich bemalt, sich schminkt, so tut sie das nicht aus irgendwelchen ästhetischen Tendenzen, sie hilft nicht nur der Natur etwas nach, sondern es ist von ihr symbolisch gemeint: Sie will aussehen wie eine Maske, ein Götzenbild. Das Weib erfüllt nur seine Pflicht, sagt Baudelaire, wenn es das Bestreben hat magisch und übernatürlich zu erscheinen; es soll erstaunlich sein und voller Reiz: als ein Götzenbild muß es sich mit Gold schmücken, damit es angebetet werde.

Alfred Bäumler, 1929

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2 Antworten to “Dekoration (Schluß)”

  1. Vinneuil Says:

    Und Du willst Dein Weib in Sack und Asche einherlaufen und möglichst grau, keusch und reizlos aussehen lassen?

    • Mcp Says:

      Gut, das wenigstens einer diese Frage stellt. Ich hatte schon erwartet, dass niemand über den offenbaren Widerspruch stolpert.

      Natürliche Schönheit bedarf keiner Tusche. Meine Frau muss mich nicht verführen, sie hat es bereits getan. Nach allen Regeln ihrer Kunst.

      Sie ist dennoch keine Dekoration, mit der ich mich schmücke. Wozu sollte sie oder ich mich noch auftakeln? Ich bin der Vater ihrer Kinder, ihr Gefährte und ihr Freund auf Lebenszeit. Mehr kann ihr niemand geben und mehr kann sie auch nicht erwarten. Ob es hält, bleibt abzuwarten, der Zeitgeist reitet in eine Richtung. Aber wenn ich ihn erwische, wird er mit einem zentimetergroßen Loch in seiner Hirnschale zur wohlverdienten Hölle fahren.

      Im Übrigen habe ich schon Frauen nach Hause geschickt, die mit gewagter Bekleidung zur Arbeit erschienen. Die Arbeit ist kein Balzplatz und ich brauche nüchterne Hirne, die effiziente Entscheidung fällen und keine durch erotische Fantasien lechzenden Männer. Selbst dies wird heute schon als eine Zumutung empfunden, die angeblich in die „Rechte der Frauen“ eingreift. Großer Quark.

      Die Fräuleins können ihre Verführungskünste in ihrer Freizeit erproben. Bei Frauen halte ich derartiges Gebaren sowieso für hoch unlauter, denn die wollen – was anderes? – ihren Männern Hörner aufsetzen.

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