Der Stellvertreter und sein Denunziant

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Denn bekannt ist im Vatikan ja auch jene Szene, wo Rabbi Lau bei einer Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht vom November 1938 vorwurfsvoll ausrief: „Pius XII, wo warst du damals!?“ Die Antwort ist einfach: nirgendwo! – 1938 gab es Pius XII. nicht.

Quelle: WELT ONLINE; „Benedikt XVI. wird in nächster Zeit darüber entscheiden“

Seit Hochhuths „Der Stellvertreter“ ist Pius XII. umstritten. Hochhuths Thesen sind längst widerlegt. Merkwürdigerweise bleibt das öffentliche Urteil davon unberührt. Selbst der begründete Verdacht, das sich der KGB des Dramatikers bedient hat, kann daran nichts ändern. Ein Beweis dafür, dass die seit Aufklärung geherzte „öffentliche Meinung“ nicht der Weisheit letzter Schluss ist, sondern sich oft genug in bigotten, wie hartleibigen Vorurteilen suhlt.

Pius XII. mag hier oder da einen Fehler begangen haben, ihm aber zu unterstellen er trüge eine schweigende Mitschuld am Holocaust ist schlichtweg infam, nicht nur weil es von den wahren Verantwortlichen für dieses Verbrechen ablenkt, sondern weil es auch den historischen Tatsachen widerspricht. Nachweislich hat Pius XII. Tausenden von Juden das Leben gerettet, weshalb man ihn von jüdischer Seite noch unmittelbar nach dem Kriege als Gerechten bezeichnet hat.

Das der Vatikan nun offensichtlich den Mut findet in deutlicher Form gegen diese Vorurteile anzukämpfen, gibt Hoffnung, dass die Seligsprechung des denunzierten „Stellvertreters“ noch in diesem Pontifikat gelingen wird. Der Debatte danach kann man mit einiger Freude entgegenblicken. Vielleicht bringt sie in neue Erkenntnisse zu Hochhuths Geheimdienstverwicklungen. Es wird hohe Zeit den moralischen Fundamentalismus der Spätgeborenen an Hand ihrer eigenen Lebensleistungen etwas genauer zu hinterfragen. Da wird, neben Grass, noch manche Ikone ihres Heiligenscheins verlustig gehen.

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2 Antworten to “Der Stellvertreter und sein Denunziant”

  1. Benedikt Says:

    Das schöne an der Kirche ist ja, dass sie einen langen Atem hat. Die Wahrheit kommt ans Licht – und wird sich ausbreiten. Selbst wenn die Seligsprechung in diesem Pontifikat aus Opportunitätsgründen (die ja auch berücksichtigt werden – das gebietet die Klugheit) nicht vorgenommen wird, besteht kein Grund anzunehmen, dass auf lange Sicht das Ansehen Pius XII. so beschmutzt bleiben wird, wie das heute der Fall ist.

    Beim Fall Galilei erleben wir ja momentan, wie sich die Wahrheit immer mehr durchsetzt.

    • Mcp Says:

      Hochhuth hat, im Gegensatz zu Pius XII., nicht einen einzigen Juden gerettet. Er ist kein Gerechter, sondern ein großes und selbstgefälliges Arschloch, so wie fast alle diese Nachgeburten, die sich im Lichte der späten Geburt sonnen. Letzteres ist auch schon ihre einzige auffällige Lebensleistung: der pubertäre Hass gegen ihre im Weltkrieg geprüften Väter.

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