Gewalt und Ehre

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Ist dieser Sport ein untrügliches Zeichen für den Niedergang der Zivilisation? In Amerika ist der brutale Kampfsport Ultimate Fighting ein Millionengeschäft. Eingesperrt hinter einem Maschendrahtzaun prügeln die Athleten so lange aufeinander ein, bis einer nicht mehr kann. Jetzt kommt das Gewaltspektakel nach Deutschland.

Quelle: WELT ONLINE; Gesellschaft: Ultimate Fighting – Oder der Kampf der Barbaren?

Wenn sich in einem Wald an der deutsch-polnischen Grenze 500 junge Männer heimlich verabreden, um aufeinander einzuprügeln, regiert die „moderne“ Gesellschaft für gewöhnlich verständnislos. Aber diese Gewalt gehört, ob man es wahrhaben will oder nicht, zum anthropologischen Erbe junger Männer.

Wer auch nur einmal in einer solchen Gruppe eine solche Auseinandersetzung miterlebt hat, der kennt das berauschende, ja süchtig machende Gefühl nach Kampf, Schmerz und Sieg. Der Gegner ist kein Feind, den man vernichten will, sondern ein Unbekannter, der der gleichen Leidenschaft frönt.

Man kann diese uralten Triebe weder unterdrücken, noch wegtherapieren. Man muss sie kultivieren und ritualisieren, damit niemand ernsthaft Schaden nimmt. Zur Zivilisation der gewalttätigen Instinkte benutzte man in der Vergangenheit Ehrenkodexe, deren Verletzung mit sozialer Ächtung bestraft wurde. Nicht selten ging die Ausgrenzung soweit, dass der Ausgegrenzte den Selbstmord einem Leben in Schande verzog.

Die moderne Gesellschaft hat die „Ehre“ in den Untergrund abgedrängt, dem Begriff haftet, nicht zuletzt durch die in die Schlagzeilen geratenen „Ehrenmorde“, heute etwas Schmuddeliges an. Der verweichlichte westeuropäische Feigling hat keine Ehre. Genau der Typ Mensch also, der sich als Zuschauer beim „Ultimate Fighting“ an den Brutalitäten anderer ergötzt, solange er dabei unbehelligt bleibt.

Während man die Gewalt junger Männer kriminalisiert und verfolgt, wird eine Körperverletzung dann nicht geahndet, wenn man die Brutalität zur spektakulären Geschäftsidee macht, mit der sich Millionen scheffeln lassen. Nicht die Gewalt ist dekadent, sondern die bigotte Doppelmoral des feigen und voyeuristischen Bürgertums.

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