Wirtschaftsweise und Wetterfrösche

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Ökonomen arbeiten mit mathematischen Modellen. Wenn Volkswirte untersuchen, welche Wirkung Steuern auf Investitionen haben oder ob Mütter durch das neue Elterngeld schneller in den Beruf zurückkehren, dann fußt ihre Arbeit stark auf solchen Modellen, heute noch mehr als vor zwanzig, dreißig Jahren.

Quelle: sueddeutsche.de; Deutschland und seine Wirtschaftsprognosen: Eine kleine Reise durch die Fachgebiete Mathematik, Medien und Massenpsychologie

Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie ist. Mit dieser Bauernregel verspottete man früher diejenigen, die sich anmaßten, das Wetter vorherzusagen. Wetterfrösche waren der Inbegriff des Unzuverlässigen und ihre Trefferquote lag immer bei fünfzig Prozent.

Das hat sich dramatisch geändert. Die heutigen Meteorologen arbeiten mit mathematischen Modellen, die ihnen eine Vorhersagequote von deutlich über fünfzig Prozent ermöglicht. Das ist für chaotische Systeme wie das Wetter schon eine erstaunliche Leistung, auch wenn die Fehlerquote nicht vernachlässigbar ist. Ereignisse treten in solchen Systemen nur mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit ein. Klassischer Determinismus ist hier unbekannt.

Mathematische Modelle werden überall in der Naturwissenschaft sehr erfolgreich angewendet und liefern meistens, innerhalb erprobter Parameter, verlässliche Lösungen. Eine Ausnahme ist die Klimaforschung, aber das liegt an der schmalen Datenbasis, den langen Zeiträumen und an jenen Menschen, die selbstverliebt Modell mit Wirklichkeit verwechseln. Wenn die Messreihen nicht zum Modell passen, wird nicht das heilige Modell verändert, sondern die Daten neu interpretiert.

Überall dort, wo der Mensch zum Parameter gerät, kann man die Mathematik vergessen. In der Ökonomie handeln Menschen und wer vorhersagen wollte, wie die sich verhalten, ist nichts weiter als ein Scharlatan. Wo Menschen handeln, hört die exakte Wissenschaft auf. Auch deshalb werden „Wirtschaftsexperten“ eher als antike Orakel wahrgenommen, denn als seröse Wissenschaftler. Allerdings haben sich die meisten diesen Ruf auch redlich verdient. Wirtschaftsweise sind heute das, was die Wetterfrösche gestern waren.

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4 Antworten to “Wirtschaftsweise und Wetterfrösche”

  1. Friederich Says:

    So ein Job als Orakel kann ja auch ganz attraktiv sein. Beim Orakel von Delphi waren die Opfergaben so umfangreich, daß dafür entlang der Straße zum Tempel Schatzhäuser errichtet werden mußten.

    • Mcp Says:

      Schönes Forum. 🙂

      Das orakeln reich macht stimmt. „Wirtschaftswissenschafter“ werden in Regel, im Gegensatz zu Mathematikern, recht fürstlich entlohnt. Ausnahmen sind die Mathematiker, die für Banken oder Versicherungen arbeiten. Aber wer will das schon. 🙂

  2. Friederich Says:

    Schönes Forum.

    Leider geschlossen. Nur der Geier schreibt noch unverdrossen seine Notizen.

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