Cancrins Schicksal

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Am 17. Juni 1953 kommt es überall in der sowjetisch besetzten Zone, die seit dem 7. Oktober 1949 „DDR“ nennen darf, zu Unruhen. So auch in der SAG Brikettfabrik Espenhain, obwohl hier schon russische Truppen die Zugänge bewachen und auf dem Gelände patrouillieren. Es kommt in der SAG aus Furcht vor russischen Repressionen zwar nicht zum Streik, doch auf einer Gewerkschaftsversammlung wird eine Resolution verabschiedet, in der die Forderungen des Tages erhoben werden: Solidarität mit den Streikenden, Sturz der Regierung und freie Wahlen, Freilassung der aus politischen Gründen Inhaftierten, Senkung der HO-Preise.

In dieser Versammlung ergreift auch ein Mühlenwärter das Wort, den das MfS später als „Wortführer“ denunzieren wird: Eberhard von Cancrin. Was er sagte, ist nicht überliefert, aber es war die erste politische Rede seines Lebens und es sollte seine Letzte sein. Den Russen war soviel Renitenz zu viel, sie verhafteten Cancrin und führten in mit sieben anderen „Rädelsführern“ ab. Die sieben Mithäftlinge kamen Anfang Juni frei, Cancrin blieb zunächst verschollen.

Selbst seiner Frau wurde jede Auskunft über den Verbleib ihres Gatten verwehrt. Am 8. August teilte man der Familie mit, dass der Vater zweier Töchter am 18. Juni verstorben sei und die Urne mit seiner Asche abgeholt werden könne.

Lange Zeit blieb unklar, was genau geschehen war. Erst nach dem Sturz des SED-Regimes im Jahre 1989, begann sich das Dunkel um Cancrins Schicksal zu lichten. Danach saß Cancrin zunächst in der MfS-Kreisleitung Borna ein und wurde dort „wegen Aufwiegelung und Aufruhr den sowjetischen Dienststellen übergeben“. Von den Russen wurde er vermutlich am 18. Juni 1953 auf der Müllkippe Möbis bei Espenhain erschossen.

Anzunehmen ist, das Cancrin deshalb erschossen wurde, weil er dem deutschen Adel angehörte und sein Name den Russen nicht unbekannt war. Verschiedene Vorfahren des ermordeten Widerständlers hatten russischen Zaren treue Dienste geleistet. So war ein Georg Graf von Cancrin 1844 Finanzminister des russischen Zaren Nikolaus I.

Quelle: bpb; Eberhard von Cancrin

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