Entropie und Sprache

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Begriffe werden als wichtige Werkzeuge unserer Welterkenntnis angesehen. Zugleich sind sie für einige Disziplinen ein zentraler Untersuchungsgegenstand. Begriffe spielen also in den Wissenschaften eine bedeutsame Rolle sowohl als Instrument als auch als Thema. Die Philosophie hat eine zentrale Aufgabe in der Analyse abstrakter Begriffe – paradigmatisch genannt sei die Analyse der Begriffe Wissen, Wahrheit, Sprache und Bedeutung, Gerechtigkeit oder Freiheit.

Quelle: idw; „Was sind Begriffe?“

Eine brotlose, wenngleich wohl notwendige Kunst. In der Praxis allerdings werden Begriffe nie so verwendet, wie sie die Wissenschaft definiert. Sie fransen zuerst an den Rändern aus und werden irgendwann nutzlos, weil sie das Objekt welches sie ursprünglich definieren, gar nicht mehr beschreiben. Der Begriff „Rassismus“, um ein Beispiel zu nennen, wird heute so inflationär gebraucht, dass er für Vorgänge verwendet wird, der er eigentlich gar nicht beschreiben kann. Die „politisch Korrekten“ sind in diesem Zusammenhang zwar nicht die einzigen Sprachverschmutzer, aber die Effektivsten.

Gut meinende Linguistiker nennen es die Entwicklung einer lebendigen Sprache, ich nenne es Entropie. Die Zunahme begrifflicher Unschärfe wird messbar an der Länge der Texte, weil man mehr Worte braucht, um einen Sachverhalt exakt zu beschreiben. Vergleichen sie einen beliebigen lateinischen Text mit seiner deutschen Übersetzung und sie werden feststellen, dass die tote Sprache deutlich weniger Zeichen braucht als ihre moderne Übersetzung. Mehr noch: Vergleicht man die mittelalterlichen deutschen Dialekte mit ihrer modernen Hochsprache, kommt man zu selbem Ergebnis.

Die „Entwicklung der Sprache“ entpuppet sich in Wahrheit als ein Prozess steter Informationsverluste und eine Zunahme der Informationsentropie. Dass die Sprache keinen informellen „Kältetod“ erleidet, ist dem Umstand zu verdanken, dass sie offen für äußere Einflüsse ist.

Buchempfehlung:
Georg Wilhelm Friedrich Hegel; Wissenschaft der Logik II. Die subjektive Logik oder die Lehre vom Begriff

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2 Antworten to “Entropie und Sprache”

  1. Don't care Says:

    Na ja, recht absunderliche Hypothese.
    Ihr zufolge müssten unsere Cro-Magnonischen-Altvorderen mit ein paar Silben ganze Romane abgelassen haben, extrapoliert man diese Annahme rückwärts in der Zeit. Unsere armen Nachfahren, so denn noch sprechfähig, werden ergo für jedes „Tach“ oder „Moinmoin“ ganze Arien daherblubbern müssen.

  2. novi Says:

    Sprachen die CM nicht eher sowaswie baskisch? Und von wo kommen Einflüssse, wenn der ganze Planet Englisch spricht?

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