Mittel gegen die Wahrheit

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Wissenschaft ist ein Mittel gegen die Wahrheit. Wer Wissenschaft betreibt und nicht von ihr loskann, von dem kann man immer sagen, daß er sich vor einer anderen Erkenntnis wehrt. Die „voraussetzungslose Wissenschaft“ hat immer die eine Voraussetzung: daß ihre Gläubiger an einem andern Ende glatt belogen werden. Der gelehrte Menschentypus hat ja auch, zum Ersatz für den wohlgefühlten Mangel, eine Heldengeste für sich erfunden: die von der Sisyphusarbeit. Er klagt in gut gewählten Abständen seinen Hörern vor, daß alles Streben nach Erkenntnis imgrunde doch vergeblich sei, daß aber Er trotz allem treu und standhaft am Werke bleibe. Das ist die Psychologie der sogenannten „Geistesheroen“. Doch immerhin – muß man sagen – : für die äußerste Not hat die bürgerliche Gesellschaft beim Geistesheros gesorgt; schließlich kann er leben, gut leben, ist pensionsberechtigt, ist immer des Zurufs der Menge gewiß und sinkt schließlich belobt und gepriesen unter Hekatomben von Kränzen ins Grab. Denn ehe er Geistesheros wurde, hat er etwas getan, was ihn für immer band: er hat einen Pakt geschlossen mit den gerade gegenwärtigen Geschätztheiten.
Quelle: Hans Blüher; Ulrich von Wilamowitz und der deutsche Geist 1871/1915

Besser kann man den zeitgenössischen „Wissenschaftsbetrieb“ nicht demaskieren. Die Suche nach der „Wahrheit“ als Triebkraft menschlicher Neugier hat ausgedient. Die Spätfolgen der »Kopernikanischen Wendung«[1] Kants, der die Wissenschaft nicht mehr durch die Natur gegängelt wissen wollte, weil „die Vernunft nur das einsieht, was sie selbst nach ihrem Entwurfe hervorbringt“[2]. Spekulationen, vulgo Theorien, werden wichtiger als Fakten, mehr noch, sie gehen ihnen im zunehmenden Maße voraus oder ersetzen diese ganz. Der Ergebnisse der „Klimasimulationen“ werden längst wie harte empirische Fakten gehandelt, aus denen politische und ökonomische Machtansprüche generiert werden.

Selbst die „exakten Wissenschaften“, wie die Physik, vorkommen im zunehmenden Maße zur Unterhaltung, zu einer schrillen Mischung aus „Hip-Hop Kultur“ [3], Glamour und von Pseudowissen genähter „Glaube“, in denen es von Warpfelden‚ Wurmlöchern, „Dunkler Materie“ und „Aliens“ mit Superkräften nur so wimmelt. Der Unterschied zwischen einem durch die Luft fliegenden Supermann und mittelalterlichen Hexenritten – die UFO-Sichtungen im Mittelalter – besteht darin, dass sich Supermann auf „wissenschaftliche Theorien“ stützen kann, während der Hexenglaube von der seriösen Theologie immer als abergläubischer Unsinn abgetan wurde. Die Entartung der Theologie während der Hexenverfolgungen findet ihre neuzeitliche Entsprechung in Entartung der Wissenschaft zum Instrument des Politischen. Dort die Abwendung von Gott, hier die von der Wahrheit.

[1] Karl Popper; Immanuel Kant: Der Philosoph der Aufklärung (1954); Gedächtnisrede zu seinem hundertfünfzigsten Todestag
[2] Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, 2. Aufl. Riga 1787, aus der Vorrede (B X – B XVIII)
[3] Large Hadron Rap, CERN

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7 Antworten to “Mittel gegen die Wahrheit”

  1. Tiberius Says:

    Das ist ein interessantes Zitat. Danke!

  2. Don't care Says:

    Na ja, (räusper), als Achtel-, Viertel- bis Halb-Kenner der Materie muss ich doch eine kleines Länzchen für die Physikusse brechen. Denn das Problem der Teilchenphysik und der damit eng verbundenen Kosmologie ist, dass das theoretische Rüstzeug exorbitant, ja geradezu grotesk komplex geworden ist. Die Anschauung ist schon lange flöten gegangen, und die experimentelle Verifizierung der konkurrierenden Theorien (Strings, Super-Strings, Branen und und und) ist nahezu unmöglich oder sündhaft teuer (irrsinnige Teilchenbeschleunigungsenergien erforderlich). Da keine Sau mehr diese heutigen Theorieansätze verstehen kann , und deren phys. Aussagen bizarr klingen, sind sie von Science-Fiction-Halluzinationen kaum zu unterscheiden. Ergo werden sie vom Heer der Halbgebildeten gern in einen Topf mit humbugoidem Esoterik-Schnickschnack reingerührt.
    „Dunkle Materie“ und „Dunkle Energie“ sind durchaus phys. Realität und keine Ausdünstungen eines Gruselkabinettbetreibers, der ein paar neue Gänsehauterreger für seine Geisterbahn gesucht hat.

    • Mcp Says:

      Die Bezeichnung „Dunkle Materie“ rührt daher, dass man sie nicht beobachten kann, die Masse aber vorhanden sein muss, w e n n die Gesetzte der Physik richtig sind. Hier eben liegt das Problem, „Dunkle Materie“ ist eine seine vage Annahme über die spekuliert wird, nach der man sucht, aber von der man nur weiß, dass sie sehr ungewöhnliche Eigenschaften haben muss. Sie ist, so die Behauptung, deshalb so schwer nachweisbar, weil sie fast keine Wechselwirkung mit „heller Materie“ entwickelt. Das erinnert an den ominösen „Äther“ aus der vorrelativistischen Ära der Physik. Dunkle Materie ist eine theoretische Annahme, für die empirische Beweise fehlen. Immerhin sprechen wir von rund 80 Prozent der fehlender Masse des Universums, was doch zumindest ein kleiner Hinweis darauf sein sollte, dass unser physikalisches Weltbild auf äußert wackligen Füßen ruht.

      Am Beginn jeder Wissenschaft steht die Naturbeobachtung, das sammeln von Fakten und Erfahrungen. In einem zweiten Schritt versucht man die empirisch gesammelten Ergebnisse zu interpretieren, um hernach eine Theorie zu formulieren, die mit der Empire im Einklang steht. Die Natur „gängelt“ die Wissenschaft. Sie ist der Ausgangspunkt und alles kehrt zu ihr zurück. Zumindest sollte es so sein.

      Die theoretische Physik, aber nicht nur die, geht methodisch anders vor. Ihr Ausgangspunkt ist die Theorie, zum Beispiel die spekulative Annahme, dass es eine einheitliche Theorie geben müsse, die alle vier Grundkräfte der Physik beschreibt. Eine Annahme, die sich auf keine Naturbeobachtung zu stützen vermag. Die Idee ist eine reine Kopfgeburt, Spekulation, Glauben – nichts weiter. Um sie wissenschaftlich zu untermauern, braucht eine solche Theorie falsifizierbare Vorhersagen, die durch die experimentelle Physik entweder bestätigt oder verworfen werden. Gegen diesen deduktiven Ansatz kann man dieselben Einwände vorbringen, wie sie Kant gegen die Scholastik ins Feld führte. Das Problem sind die Grundannahmen, die sich auf nichts anders stützen‚ als das scheinbar Offensichtliche. Offensichtlich war einmal, dass die Sterne um die Erde kreisten. Dennoch kann oder muss man sich solcher Methoden bedienen, wir haben schlicht keine anderen. Es gibt keine voraussetzungslose Theorie. Entweder gibt einen oder es gibt keinen Gott. Eine Metatheorie, in der beide Annahmen gleichberechtigt existieren, scheitert am Satz vom ausgeschlossenen Dritten.

      Der Klamauk beginnt dort, wo solche Theorien entweder keine falsifizierbaren Aussagen liefern können oder die Theorien ohne experimentellen Nachweis zu wissenschaftlichen Wahrheiten erhoben werden. Zu Letzteren gehören Wurmlöcher, Warpblasen , Sub- und Hyperräume , sowie Zeitreisen, wobei die Wissenschaft nicht müde wird, diesen höchst fragwürdigen Behauptungen mit akademischen Weihen zu adeln, was bei „Anton Allgemeinbildung“ natürlich den Eindruck erweckt, er stünde ehrwürdigen wissenschaftlichen Wahrheiten gegenüber, während man auf der Area fifty one schon die Enterprise NX zusammenschraubt. Das der vermeintliche Fortschritt doch auf sich warten läßt, liegt dann an den Ungläubigen, denn ohne das abergläubische Mittelalter hätte man schon längst den Mars besiedelt.

      Ein wenig erinnert die Situation an die der mittelalterlichen Allgemeinchristen, der bei der Interpretation der Heiligen Schrift auf den lateinkundigen Priester angewiesen war. Ohne professorale Weißkittel, die durch die Beschwörung allerlei abstrakter Symbolik wahrlich fantastische Wunder versprechen, könnte unser Anton mit den wissenschaftlichen Theorien recht wenig anfangen. Er baucht die Übersetzer, die man früher Priester nannte.

      Ein Schelm, wer jetzt denkt, die Wissenschaft mutiere zum Religionsersatz. Ich stelle die These einfach in den Raum, weil die Tendenz in den pseudo-, respektive populärwissenschaftlichen Grenzbereichen erkennbar latent ist.

      Man muss aber gar nicht so weit gehen. Es gibt Wissenschaften, die deshalb keine falsifizierbaren Theorien hervorbringen können, weil sie experimentell gar nicht überprüfbar sind. Darunter fallen die „Was-wäre-wenn-Wissenschaften“. Was wäre geschehen, wenn Hitler Polen nicht überfallen hätte? Um das experimentell zu erfahren, müsste man sich einer anderen Pseudotheorie bedienen: die der Zeitreisen.

      Darunter fällt die Evolutionstheorie, deren Thesen zur Makroevolution experimentell bis heute unüberprüfbar sind. Selbst wenn es gelänge, die Makroevolution im Labor nachzuvollziehen, wäre das aufgrund unwägbarer historischer, nicht zufälliger Randbedingungen kein wirklicher Beweis.

      Dazu zählen schließlich auch jene, die ich deshalb delphische Wissenschaften nenne, weil sie Vorhersagen über der Zukunft wagen, wobei sie im Rückblick immer weit danebenlagen. Das Orakel von Delphi hatte bessere Trefferquoten. Nichtsdestotrotz werden die Prognosen mit so großem Ernst verkündet, dass „Anton Allgemeinbildung“ sie für bare Münze nimmt. Die Klimatheorie operiert nicht nur mit einer fragwürdigen und dünnen Datenbasis, sie kommt überdies auch nie die Verlegenheit überprüfbarer Prognosen, denn natürlich „entwickelt“ sich diese Wissenschaft weiter und im Lichte damaligen Kenntnisse…

      Darunter zählen schlussendlich, seit dem seligen Karl Popper, jene fantastischen Fragen, die die Menschen seit Herodot an die Natur stellen: Ist die Bidirektion, dass gleichzeitige Erscheinen einer Person an zwei unterschiedlichen Orten möglich? Solche Probleme löst man nicht durch Naturbeobachtung. Das führt dann dazu, dass man, noch bevor man die geringste Spur außerirdisches Leben entdeckt hat, bereits einen Lehrstuhl einrichtet, an dem man allen Ernstes über die Formen extraterrestrischen Lebens vorliest. Immerhin, die Theorien sind falsifizierbar, aber ist es noch Wissenschaft oder einfach nur Scharlatanerie?

      In der Physik mögen solche Ansätze amüsant und anregend sein, bei den anderen genannten – nicht exakten – Wissenschaften hört der Spaß dort auf, wo er die politische Bühne betritt und beginnt mir Vorschriften zu machen. Hier beginnt für mich die Klimakatastrophe.

      Ich behaupte keineswegs das alle Wissenschaft überflüssig und alle Wissenschaftler Scharlatane wären, aber ein kritischer Blick auf bestimmte Entwicklungen sollte man sich nicht verkneifen. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Ein fauler Apfel verdirbt den ganzen Korb.

      Ein schönes Wochende.

  3. Vinneuil Says:

    Blüher hat in diesem Zusammenhang auch gern die von Kurt Hiller geprägte Wendung „… unter Vorspiegelung wahrer Tatsachen“ benutzt.

  4. Germanist Says:

    Wunderbar, Mcp. Ich lese und genieße jeden Satz.

    Ja, aber die Wurmlöcher haben es bis jetzt noch nicht in den Bereich der „Realpolitik“ geschafft, oder ist mir da etwa etwas entgangen?

    Frage, weshalb werden Wurmlöcher bisher missachtet, während die Evolutionstheorie nunmehr die Position des „Alles-Erklärers“ eingenommen hat

    und die „Lehre vom Klimawandel“ (mein Ausdruck), geboren aus Computermodellen, nunmehr als Vorwand zur absichtlichen Vernichtung der Menschheit hergenommen wird? (Ist klar, was ich meine, ja? „Vernichtung der Menschheit“, in vielen Zwischenschritten.)

    Welche Schranken, Brücken, Interessen verhindern das eine und befördern das andere?

    Ich bin nicht davon überzeugt, dass es da eine ganz sichere Rationalität dahinter gibt.
    (Bitte entschuldigen Sie, falls meine Gedanken nur Blödsinn sind; ich lebe trotzdem fröhlich weiter, keine Sorge! Und vor allem, wie oben gesagt, ich genieße solche Texte.)

  5. Gerhard Mentzel Says:

    Besteht unser Problem im aufgeklärten Wissen, das uns durch den Schöpfer gegeben ist. Dem wir nicht nur die Bibel, sondern die gesamte Welt verdanken, deren logischer Werdensprozess seit dem angenommenen Urknall bzw. dem Sternenstaub weitgehend emprisch nachzuvollziehen ist, evolutonswissenschaftlich beschrieben wird?

    Oder sind es die selbst gedachten Gottes- und Glaubensbilder, die ständig das Wissen als unschöpferisch abdrängen, ausgrenzen in reinen Materialismus, Naturalismus, Atheismus… ?

    Wenn wir das Wissen auswerten, das uns über den Anfang des monotheistischen und dann christlichen Glaubens als eine antike Glaubensaufklärung, den Wandel vom vor-gesetzten Mythos zum lebendigen Logos, damals monistisch erfasster „schöpferischer Vernunft“ gegeben ist (was selbst Prof. Papst, wenn auch rein dogmatisch bestätigt), warum schließt es sich dann aus, in heutiger wissenschaftlicher Welterklärung das ewige Wort Gottes zu verstehen?

    Warum können wir das, was wir wissen, dass es für das Wohl der Zukunft tauglich, weltvernünftig: ökologisch, ökonomisch, sozial nachhaltig für die Weltgemeinschaft wie für unsere Enkel wäre, nicht auf kreative=schöpferische Weise als lebendiges Wort des Schöpfers verstehen, uns dafür im aufgeklärten Kult begeistern und dadurch danach leben?

    Warum erheben wir unsere Vernunft nicht nur in der Wissenschaft, sondern vorweg in der Glaubenslehre über die, der wir den natürlichen kreativen=schöpferischen Prozess des gesamten Kosmos verdanken?

    Warum hält man Buchstaben und persönliche Vorstellungen für das Wort Gottes und muss dann das Wissen verdammen?

    Keine Anschuldigung, sondern Anstöße zum kreativen=schöpferischen Querdenken.

    Gerhard Mentzel

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