Holocaust 2.0

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Ich habe mir im Urlaub den Film „Inglourious Basterds“ angeschaut und war entsetzt. Er zeichnet sich durch eine, fast nicht mehr zu übertreffende Brutalität und eine durch und durch inhumane Grundhaltung der Charaktere aus, die im Film als Nazis jagende Juden dargestellt werden. Freigegeben ist der Film ab 16 Jahre, unglaublich deshalb, weil wesentlich harmlosere Filme schon auf den „jugendgefährdenden“ Index gelandet sind. Sei’s drum. Viel gefährlicher als die Bestialität, ist die dem Film zugrunde liegende Botschaft: Nazis sind keine Menschen.

Der Film beschreibt, wie eine Gruppe bewaffneter Juden in Frankreich Nazis mit ungewöhnlicher Brutalität jagt und ermordet. Dieselben Methoden, die man bisher mit Nazis assoziierte, werden nun den Juden unterstellt. So, als ob Juden mit ihren Feinden genauso umgehen, wie die, die sie aus genau diesem Grunde bekämpfen. Dass die Handlung nicht auf historischen Tatsachen ruht, sondern frei erfunden ist, macht die Motive dieser Darstellung noch infamer, weil sie unterstellt, dass sich im Zweiten Weltkrieg zwei bestialische Gegner bekämpfen. Der fiktive Abschied von der Opferrolle der Juden ist eine Neuerfindung der Geschichte des Holocaust. Holocaust 2.0.

Die Tendenz den politischen oder militärischen Gegner zu dämonisieren, ihm jede Menschlichkeit abzusprechen und sie damit außerhalb jedes menschlichen Rechtes zu stellen, war für mich bisher ein uniques Merkmal nationalsozialistischer Ideologien. Warum sollte man etwas bekämpfen, was man selber praktiziert? Auch Nazis sind Menschen, auch Nazis haben Rechte. Das Naturrecht kennt keine Ausnahme, selbst dann nicht, wenn der Gegner solche macht. Der Film macht Juden zu Nazis. Das Schweigen, gar der Jubel der Berufsbetroffenen spricht Bände darüber, wie sehr manche von denen die Botschaft Tarantinos schon verinnerlicht haben. Niemand sollte mehr die Frage stellen, wie es 1933 dazu kommen konnte. Man muss kein Nazi sein, um wie sie zu denken. Aber nicht einmal die Nazis haben einen derart inhumanen Film zustande gebracht.

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11 Antworten to “Holocaust 2.0”

  1. Bauer Gerhard Says:

    Der Film zeigt wahrscheinlich mehr Wahrheiten als uns lieb ist.
    Ich werde mir diese Hetzpropaganda nicht antun.

    Wenn man sieht mit welcher Brutalität die Israelis heute gegen ihre semitischen Brüder von der anderen Fraktion vorgehen, wundert mich nichts mehr.
    http://www.radioislam.org/jewish-photos/index.htm
    Nichts für schwache Nerven.
    Ich weiß es gibt auch entsprechende Photos von der Gegenseite, nur die obigen werden uns nicht gezeigt.
    Wir werden manipuliert und falsch informiert. Was können wir schon wirklich überprüfen. Solche Filme wie dieses obige Machwerk zeigt mehr als viele Nachrichtensendungen, auch über die beteiligten Schauspieler, vor allem die deutschen. Kein Franzose würde für sich so etwas hergeben, ein Film dieser Art von Deutschland über Franzosen gemacht, könnte in Frankreich sicher nicht aufgeführt werden und schon gar nicht französischen Schauspielern, die wären erledigt, wenn sich denn einer finden würde diesen Schmutz mitzumachen.

    Allerdings habe ich einige Filme aus den verbotenen Jahren gesehen, hergestellt von den angeblichen Verbrechern und ich war überrascht, wie wenig Wirklichkeit und heutige Darstellung übereinstimmen. Dies ist auch der Grund wieso die meisten dieser Filme unter Verschluss bleiben und nicht gezeigt werden (dürfen), ebenso wie viele Veröffentlichungen und Bücher aus dieser Zeit.

    • Mcp Says:

      Ich kenne fast alle „Nazifilme“. Sie sind deshalb verboten, weil sie die Propaganda ad absurdum führen. Ob „Jud Süß“ oder „Der Ewige Jude“ keiner von denen erreicht die inhumane Qualität von „Inglourious Basterds“. Nirgendwo in Nazifilmen wird die Botschaft herübergebracht: Tötet Juden, weil sie Juden sind. Man muss sie hineininterpretieren.

      „Inglourious Basterds“ macht solche Umwege nicht: Tötet Nazis, weil sie Nazis sind.

      Wer Nazi ist, entscheidet wer?

      Man sollte allerdings auch „Paliwood“ mit gehöriger Vorsicht begegnen. Auch das ist größtenteils schamlose Propaganda einer korrupten oder fanatischen Führungsqulice, die bei der EU damit um Millionen bettelt. Kriegsgewinnler, die ihr eigenes Volk ausbluten. Mach Dir nichts vor.

  2. Don't care Says:

    Mit so einem Machwerk entlarven sich die Amerikanereigentlich nur selbst, mögen sie auch glauben einen zusammenhalluzinierten diabolischen Antagonisten den Garaus zu machen. Und zwar als Schrittmacher einer Verrohung und Bestialisierung menschlicher Affekte, die ihresgleichen in der Geschichte sucht. Diesem Volk(?) ohne Seele, ohne Gemüt und Tiefe und ohne Empfinden für das Sublime und Heilige ist die Nacktheit und Schamlosigkeit, mit der sich Brachialität, Ruchlosigkeit und bodenlose Anstandslosigkeit geriert, noch nicht einmal bewusst. Prostitution greller,schriller Phantasien endloser Gewaltorgien, das ist amerikanische „Folklore“.

    Solch Habitus breitet sich mit galoppierender Schnelligkeit aus. Besonders unsere westeuropäischen Heloten kopieren und plagi ieren ihn mit einer subalternen Verve, dass einem sämtliche Rindermägen Purzelbaum schlagen könnten.

    Meinem Vorredner glaubeich durchaus, dass die Vielgeschmähten des damaligen „Braunen Kosmos“ durchaus noch gemütvollere und menschlichere Regungen hatten, als ihre heutigen Verteufler. Denn den obszönen Brutalismus hollywood’scher Provenienz gab es damals noch gar nicht. Er wird von den heutigen Protagonisten dieser Verrohung einfach in die Geschichte rückprojiziert.

  3. Vinneuil Says:

    @ Mcp

    Was den „Ewigen Juden“ angeht, so muß ich Dir widersprechen: da werden die Juden immerhin mittels Kommentar und Bildmontagen mit Ratten und Ungeziefer verglichen. Die Szene mit der geschächteten Kuh war so ziemlich das Härteste, was man einem Publikum von 1940 vorsetzen konnte. Es gibt kaum einen Hetzfilm, der es an bösartiger Niedertracht mit dem „Ewigen Juden“ aufnehmen kann.

    Wahr ist allerdings, daß die Kriegsfilme der Nazizeit („Kampfgeschwader Lützow“ etc) sich eher auf die Heldentaten der eigenen Soldaten als auf das Ausmalen Feindbilder konzentrieren. Da waren die anti-japanischen Filme der Amerikaner viel fieser und „rassistischer“. Graphisches Abschlachten in der Form, wie man es heute sieht, gab es in den vierziger Jahren generell in Kino nicht, egal wo.

    • Mcp Says:

      Ja doch. Ich will den „Ewigen Juden“ nicht verharmlosen. Er ist ein subtiles Machwerk. Noch heute sind Bilder einer geschächteten Kuh nicht das, was man dem urbanen Publikum ohne Proteste zumuten kann.

      Dennoch, es war eine subtile Botschaft. Die Grenze zur offenen Aufforderung wurde nie überschritten. Man muss es interpretieren.

      Was ist eine geschächtete Kuh gegen einen erschlagenen Menschen?

      Nochmal: „Inglourious Basterds“ macht solche Umwege nicht. Schlagt alle Nazis tot. Denn Nazis sind keine Menschen. Sie sind weniger Wert, als geschächtete Kühe. Dort macht man sich nicht die Mühe „humaner“ Metaphern, dort wird Mensch zur Kakerlake.

  4. noriba Says:

    Ich werde mir diesen Film nicht ansehen, oder besser gesagt: ich werde kein Geld für diesen Film ausgeben.

    Für mich besteht das verwerfliche nicht darin, dass es so einen Film gibt. Tarentino kann machen, was er will. Er hat absolute Narrenfreiheit und darf von mir aus auch „Nazis“ abschlachten.
    Das perverse ist doch, wie dieser Film hierzulande hochgejubelt wird. Alles scheint erlaubt zu sein, solange es gegen „Nazis“ geht. Das gilt nicht nur für die Leinwand.
    Ich wünsche diesem Machwerk den totalen finanziellen Flop in Deutschland.

    Dies hier ist übrigens die beste Rezension, die ich bisher gelesen habe.

  5. Vinneuil Says:

    >“Er ist ein subtiles Machwerk.

    Also Mcp, jetzt komm mal bitte wieder auf den Boden. Reden wir über denselben Film? „Der ewige Jude“ kommt mit den dicksten Holzhämmern daher, die ein Propagandaarsenal nur haben kann, dagegen ist der „Jud Süß“ von Harlan geradezu filigran …

    >Dennoch, es war eine subtile Botschaft.

    Die Juden mit Ratten zu vergleichen, sie explizit als „Untermenschen“ und „Parasiten“ zu titulieren oder sonstwie zu beschimpfen, nennst Du „subtil“ ?

    >Was ist eine geschächtete Kuh gegen einen erschlagenen Menschen?

    Es geht ja nicht gegen die Kuh, sondern um den Haß gegen den Menschen, der sie quält.

    Übrigens gab es, was die Wegräumabsicht betrifft, einige recht explizite Filme über Erb- und Geisteskranke. Die rechnen gut sozialistisch vor, was das unwerte Leben die Volksgemeinschaft kostet, und plädieren dann offen fürs Wegräumen. Zwar auch nur konklusiv, aber ungefähr so „subtil“, wenn ich Dich bitten würde, folgendes Wort zu ergänzen: H-I-T-L-E-???

    >Ich wünsche diesem Machwerk den totalen finanziellen Flop in >Deutschland.

    Keine Chance, hier in Berlin sind die Kinos gerammelt voll…

    • Mcp Says:

      „Übrigens gab es, was die Wegräumabsicht betrifft, einige recht explizite Filme über Erb- und Geisteskranke. Die rechnen gut sozialistisch vor, was das unwerte Leben die Volksgemeinschaft kostet, und plädieren dann offen fürs Wegräumen.“
      Das stimmt. Die allerdings stießen auf öffentliche Proteste.

      Du drängst mich in die Rolle eines „Nazi-Verteidigers“. Das bin ich nicht. Ich will mich auch nicht über die Bewertung nationalsozialistischer Propaganda streiten.

      Mein Anliegen richtet sich gegen die Botschaft des Tarantinos-Filmes. Denn die kommt mit dem „Holzhammer“ ohne humanistisch verbrämte Schnörkel. Und es erschreckt mich, wie begeistert diese Botschaft aufgenommen wird.

  6. Don't care Says:

    Auf ein bizarr lächerliche Weise sind die Jubelrezipienten des Machwerks größenwahnsinnig. Nach 6 Jahrzehnten Gehirnwäsche ist in ihrem armseligen Spatzenhirn ihre noch armselige Persönlichkeit in zwei Fraktionen dissoziiert. Die bis zur Raserei verteufelte und gehasste Nazi-Identität, die ja laut Lehrmeinung genetisch eingeprägt ist, wird abgespalten. Aufs hohe Ross der strahlenden Sieger und Drachentöter wird sichs mit der anderen Hälfte gelogen, damit die geprügelte Hanswurst-Seele auch am Triumph der Show-Downer partizipieren kann. In megalomanischer Überhebung brechen sich Rachegelüste und Frust-Mega-Überdruck bahn und lassen der Hass-Eruption gegen die „Fascho-Hälfte“ freien Lauf. Dass das zu zertretende Gwürm man selbst ist, wird nicht mal mehr gemerkt, oder ignoriert.
    So ein Film legt wie mit dem Skalpell die Befindlichkeit „unserer Nation“ frei und zeigt auf das dezidierteste das Psychogramm einer armen Null, mit anderen Worten, des „Bundesdeutschen“.
    f

  7. SP Says:

    @mcp

    Nazis (solche mit völliger überzeugung, nicht die Mitläufer) gehören alle abgeschlachtet.

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