Niedergang der Weiblichkeit

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Ana Tajder, die mit „Von der Barbie zum Vibrator“ ihr erstes Buch vorlegt, wurde 1974 in Zagreb geboren. Seit 1991, seit dem Ausbruch des Kroatienkriegs, lebt sie in Wien und berichtet auf ihrer Homepage unter anderem, sie habe in einem Modemagazin gelesen, das Brazilian Waxing sei für Frauen nicht unbedingt verpflichtend: Die britische Modezeitschrift „Grazia“ habe es für statthaft erklärt, dass Frauen einen kleinen Streifen Schamhaars – auch Landing Strip genannt – auf der Schamspalte stehenlassen. Frau Tajder entrüstet sich: Niemand sei befugt, ihr vorzuschreiben, wie sie zwischen den Beinen auszusehen habe!

„Das Buch hat das Potenzial eines Hits. Guter Rhythmus, gute Pointen – und ein Universitätsabschluss. Das Recht, seine Meinung zu äußern, das Recht auf Verhütung und auf Abtreibung, eine gute Ausbildung abzuschließen, gutes Geld zu verdienen und gute Chancen im Leben geboten zu bekommen, gute Schuhe zu tragen und gutaussehende Männer zu vögeln, das ist gelebter, angewandter Feminismus.“

Quelle: literaturkritik.de;Desperater Hedonismus der Geldelite – Ana Tajder gewährt in „Von der Barbie zum Vibrator“ Einblicke in herrschende Hohlheiten

Vor allem das „Recht auf gute Schuhe“ sollten sich Frauen erstreiten. „Herrschende Hohlheiten“, Franz Sippe bringt es auf den Punkt. Erst Aristokratin, dann Dame, jetzt Frau – Niedergang der Weiblichkeit. Zum Schluss wird das Geschlecht wohl ganz verschwinden: „wegemanzipiert“. Ich würde es bedauern.

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15 Antworten to “Niedergang der Weiblichkeit”

  1. Bauer Gerhard Says:

    Frau war ja auch noch eine Bezeichnung die etwas ausdrückte, Frau des Hauses, Hausfrau etc. und einen gehobenen Status hervorhob. Das andere waren Weiber, heute wird jedes Weib zur Frau gemacht, was sie beileibe nicht ist. Ob sie Frauen oder Weiber sind entscheiden sie selbst.

    „Eine Frau (von ahd. frouwa: „hohe Frau“, „Herrin“, über mhd. frouwe) ist ein weiblicher, erwachsener Mensch..“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Frau

    So wird die Frau vom Sockel gestoßen.

    • Mcp Says:

      Nun, ich meinte das mehr kulturgeschichtlich. Also Weibsbilder, die zu ihrer Zeit den Ton angaben. Die entstammten verschiedenen gesellschaftlichen Schichten. Die Aristokratin aus Aristokratie, die Dame aus dem Großbürgertum und die Frau halt aus dem gemeinen Volke. Das Bild vom Weibe oder das Weibsbild proletarisiert sich in diesen Stufen. Zum Schluss wird vom typisch Weiblichen nicht mehr viel übrigbleiben. Vielleicht nicht einmal mehr das biologische Geschlecht, denn „Geschlechtsumwandlungen“ werden heute schon durch die Krankenkassen finanziert. Bei den Psychopaten der Zukunft könnte der Geschlechtswechsel genauso selbstverständlich sein, wie das wechseln der Unterwäsche.

    • Mcp Says:

      Ich will es noch ergänzen, damit es noch deutlicher wird, was ich meine. Die Aristokratin war ein Vollweib, wer die haben wollte – und ich meine die Jungfrauenschaft – der musste noch richtig buhlen, mit Minne und in Turnieren. Oft Jahre lang. Sogar auf Kriegszug gehen für die Angebetete, Heldentaten vollbringen, sein leben riskieren unter den Farben der Liebsten. Das steigerte die Leidenschaft und festigte schon vor der Ehe die Bindungskräfte, denn man hatte ja schon eine gemeinsam durchlittene Erlebnisgeschichte, ein gemeinsames schmachten auf Erfüllung des heißesten Wunsches. Die Liebenden litten. Gemeinsames Leid schweißt zusammen und dieses Leid zu erzeugen, war der Sinn solcher Moral. Denn das Fräulein durfte ohne Anstandsdame nirgendwo hin und der Mann durfte sich nur in ihrer Begleitung seiner Holden nähern.
      Bei der Dame war das schon einfacher, man feierte Verlobung, wartete eine Weile und heiratete dann. Der mittelalterlichen Burg waren die Burgmauern geschliffen, es war nicht ganz so schwierig das Weibsbild zu erobern. Immerhin, Sex vor der Ehe war ziemlich „uncool“.
      Aber heute? Musst man nicht mehr erobern. Ein „Quickie“ – das war es. Man kennt sich nicht einmal mit Namen. Allenfalls kommt eine „Beziehung“ auf Zeit dabei heraus. Kein Feuer, keine Leidenschaft, keine Bindung, keine Kultur. Zustände wie in einer Bonobo-Herde, die uns ja auch ständig als Vorbild hingestellt wird. Jeder mit jeden. Das entspannt angeblich. Was für ein Schmarrn. Manchen gefällt es – ich finde es abscheulich. Die einen nennen es Emanzipation – ich nenne es Verwahrlosung.

  2. Don't care Says:

    Schliesst sich an den Kommentar zum vorigen Beitrag an. Narzisstischer Grössenwahn ist die heutige, weitverbreitete Befindlichkeit der „Weiblichkeit“. Feminismus und Gender-Gekrampfe sind deutliche Manifestationen. Teils irre Paradoxien sind ebenfalls seine Symptome, nämlich gleichzeitig die Apotheose des Weiblichen und Abschaffung der Geschlechter zu betreiben. Heraus kommen dabei im Alltag grossmaulige launische, querulante, verwöhnte, giftige, grantige, larmoyante, überhebliche, blasierte, arrogante, arglistige, verschlagene und fiese Zicken.

  3. LePenseur Says:

    @Mcp:

    … wer die haben wollte – und ich meine die Jungfrauenschaft – der musste noch richtig buhlen, mit Minne und in Turnieren

    Immerhin, Sex vor der Ehe war ziemlich „uncool“.

    Irgendwie habe ich den Eindruck daß Sie hier das postulierte Ideal für die Realität nehmen! Wenn ich mir die ritualisierten Ringelreia-Vögeleien der Troubadour-Zeit so ansehe, oder die Position einer „maitresse en titre“ an absolutistischen Fürstenhöfen, oder wenn ich Romane wie Fontanes „Irrungen, Wirrungen“ oder Schnitzler-Dramen lese, so ergibt sich mir ein ganz anderes Bild der Realität gegenüber der als Ideal postulierten züchtigen Jungfrau, die keusch errötend auf ihre Defloration (nach bürgerlich angemessener Brautzeit oder altadeligem Kreuzzug/Tournier) in der Hochzeitsnacht wartet …

    Und, wenn ich das mal so ketzerisch sagen darf: daß das heute längst nicht mehr die Norm ist, halte ich für einen durchaus geringen Verlust. Die ängstliche Geschlechtertrennung vor der Ehe führte zu jeder Menge an verkorksten und verklemmten Existenzen, förderte Heuchelei, Frömmelei und Prostitution — und da bin ich mir dann nicht so sicher, ob der „Verfall der Moral“ wirklich so schrecklich ist.

    Denn auch heute — versuchen Sie’s doch nur in der nächsten Disco auszuprobieren! — ist der Quickie, wo die beiden wechselseitig die Namen nicht kennen, wohl die äußerst seltene Ausnahme. Und die (jetzt halt p.c.-feministisch angehauchte) Verklemmtheit heutiger Mädchen ist vielleicht im Grund (und letztlich vielleicht nicht mal darin!) anders, jedoch kaum in den Auswirkungen, als die konventionelle „Moral“ früherer Jahrhunderte …

    • Mcp Says:

      Aber selbstverständlich lege ich das kulturgeschichtliche weibliche Ideal der jeweiligen Epoche zugrunde, so wie es sich in der Literatur widerspiegelt. Meine Intention ist nicht der Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit, den Sie hier aufzeigen wollen, sondern der Vergleich weiblicher Leitbilder in unterschiedlichen Epochen. Hier, so meine These, kann man einen schleichenden Verlust weiblicher Attribute beobachten. Frühere Epochen haben die Unterschiede zwischen den Geschlechtern betont, heute betont man die Gleichheit. Das hat mit Moral recht wenig zu tun und ist auch keine Verwechslung.

      Und bitte, um auf Ihr Thema zu antworten, ob es heute wegen der vorherrschenden Sexualmoral weniger „verkorkste und verklemmte Existenzen“ gibt und weniger „Heuchelei, Frömmelei und Prostitution“, wage ich doch sehr zu bezweifeln.

      Wenn das zuträfe, lebten wir in glücklichen Zeiten.

      „Irgendwie habe ich den Eindruck, dass Sie hier das postulierte Ideal (der Gegenwart) für die Realität nehmen“. Wenn ich Ihren „Vorwurf“ einmal augenzwinkernd zurückgeben darf.

      • LePenseur Says:

        Also: was Prostitution betrifft, stimmt das zweifellos! In wien gab es nach Polizeischätzungen um 1900 ca. 100.000 Prostituierte. Heute sind’s inkl. illegaler Neger-Asylantinnen und Ostblock-„Touristinnen“ wohl kaum mehr als 10.000. Und auch heute sind in jenen Ländern, in denen das Ideal vorehelicher Enthaltsamkeit via Ehrenmord hochgehalten wird, die Zahl der Zugriffe auf Pornoseiten und die Prostitution besonders verbreitet.

        Frömmelei ist, Gott sei Dank, auch deutlich am zurückgehen. Die Heuchelei ist dafür, da gebe ich Ihnen recht, einfach auf andere Gebiete ausgewichen. Früher sagte die Jungfrau errötend „huch“, heute entsetzt man sich darüber, wenn jemand das Wort „Neger“ verwendet und siedelt ihn deshalb in der Nähe von Auschwitz an.

        Zurück zum Thema: wenn Sie auf die Nivellierung der Frauenideale verweisen, gebe ich Ihnen durchaus recht. Nur fand und findet das in der Realität weniger Niederschlag, als man vermuten würde. Wer sich ein bisserl mit Sozial- und Wirtschaftsgeschichte befaßt (statt sich nur mit Heldentaten auf dem Schlachtfeld zu beschäftigen), wird mir zustimmen.

      • Mcp Says:

        Wie gesagt, mein Thema ist nicht die Realität – in dem Dreck mögen sich die „Historiker“ suhlen – sondern die Ideengeschichte.

        Zum Niederschlag der Ideen in der Realität finden sie Antwort in im lohen der Scheiterhaufen, im Geräusch, das brechende Knochen beim Rädern machen oder bein durchschneidender menschlicher Sehnen wenn ans Vierteilen ging. Viele der Delinquenten nahmen es mit den damals herrschenden Ideen nicht so genau. Die meisten werden es bitter bereut haben.

        Aber glauben Sie nicht, diese Zeiten wären längst vorbei. Abu Ghuraib beweist, dass dem nicht so ist.

  4. Don't care Says:

    Um 1900 soll Wien ca. 1 Mio Einwohner gehabt haben. Demnach wäre von den (statistisch) rund 500000 Frauen jede fünfte eine Prostituierte gewesen. Schwer zu glauben.

    • LePenseur Says:

      Um 1900 war Wien mit ca. 2,1 Mio. um ein Eck größer als heute (ca 1,7 Mio.). Und die Schätzung las ich in einem artikel über die Sozialgeschichte der Stadt, in welchem auf eine Aussage des damaligen Polizeichefs (und späteren Bundeskanzlers der 1. Republik) Dr. Schober Bezug genommen wurde. Beweisen kann ich’s natürlich nicht 1ich bin zwar nicht der Jüngste, aber so alt bin ich nun auch wieder nicht 😉

  5. Don't care Says:

    Hm, selbst wenn dann sag mer mal, jede 8-te bis 10-te eine Pr. gewesen sein soll, hiesse das, das jede Menge von ihnen von woanders zugezogen war. Denn andernfalls hätte es bei 10-12 % dem Heiratsmarkt entzogener „indigener“ Frauen, massive Heiratsengpässe für Männer gegeben. Das wäre nicht ohne Verwerfungen geblieben. Andererseits ist eine sehr hohe Zahl von Pr. schon verständlich, zieht man die extreme Prüderie dieser Zeit in Betracht. Da dürften viele frustrierte Zeitgenossen, so sie etwas liquide waren, den Gang ins Bordell gewählt haben.

  6. LePenseur Says:

    @Don’t care:
    Ganz genau. Wien wuchs ja in der 2. Hälfte des 19. Jh. dramatisch an, v.a. durch Zuzug aus Böhmen*), Mähren und Galizien. Wien war damals natürlich auch ungleich mehr Garnisonsstadt als heute 1 und kasernierte Soldaten haben eben gewisse Bedürfnisse …

    Aber daß die Prostitution v.a. infolge der „gelockerten“ Sexualmoral bei uns im Westen stark zurückgegangen ist, das ist, glaube ich, kaum anzweifelbar.

    *) deshalb wimmelt es auch heute im Wiener Telefonbuch nur so von Svobodas, Nowaks u. dergl. Der alte Scherz: „Ein Wiener ist ein Raunzer, zwei Wiener – eine Heurigenpartie, drei Wiener – gibt’s net, denn jeder dritte is a Behm‘ (Tscheche)“ hat halt schon seine Gründe …

  7. Don't care Says:

    Es gibt auch Stimmen, die behaupten, die sog. sexuelle Revolution im Zuge der 68-er Revolte habe nie stattgefunden. Im Sinne einer Auswrikung auf die „breite Bevölkerung“ gewisslich nicht.
    Persönliche glaube ich, dass es in gewissem Sinn noch restriktiver geworden ist. –
    Das Weib ist biologisch darauf geprägt Sex als Bestechungs-/Erpressungs-Instrument zu gebrauchen. Durch den heutigen Feminismus ist es zudem randvoll mit Männerverachtung abgefüllt, mit der Konsequenz Sex, der mit maskuliner Begierde asoziiert wird, noch stärker zu „rationieren“. Ergebnis: Prostitution ist nach wie vor gängiges Ventil für die einschlägigen Bedürfnisse. Da zudem Sex gegen Geld schon immer eine weibliche Grundmaxime war, dürften viele „Damen“ diese Einkommensquelle bedenkenlos anbohren.

  8. LePenseur Says:

    Naja, das ist jetzt aber auch ein bisserl sehr negativ gesehen. Sie sind vermutlich nicht verheiratet und noch eher jung (<30), stimmt's?

    Oder haben Sie gerade Ihre Scheidung im Laufen, daß Sie so schwarzgallig unterwegs sind?

  9. Don't care Says:

    Annahmen nicht zutreffend 😦

    Meine Attitüde gegenüber den XX-ChromosomlerInnen habe ich allerdings en passant et en PENSENT erworben. Weniger eigene Erfahrung, dafür mehr Beobachtung und Schlussfolgerungen.

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