Narzissmus oder Größenwahn?

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Das Theater Mülheim/Ruhr will am 1. Oktober Fassbinders Stück „Der Müll, die Stadt und der Tod“ wieder aufführen. 1985 wurde die Aufführung spektakulär verhindert und seitdem nie wieder auf eine deutsche Bühne gebracht:

Damals hatte der früherer Präsident, Ignatz Bubis, die deutschsprachige Uraufführung in Frankfurt am Main verhindert. Mitglieder der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt stürmten seinerzeit in Kostümen von KZ-Häftlingen die Bühne des Theaters am Turm. Sie wehrten sich gegen die Fassbindersche Inszenierung, in der ein Jude als Mörder dargestellt wird. Eine Vorstellung, die nicht in die Gedankenwelt vieler Juden passte, rund vier Jahrzehnte nach dem Ende der Naziherrschaft.
Quelle: Deutsche Welle; Grenzen testen

Abgesehen von der recht anrüchigen Verfahrensweise, mit der Theaterstücke, respektive ihre künstlerische Interpretationen, vorab begutachtet, ja mehr noch, öffentlich bewertet werden, fragt man sich allerdings schon, wo die jüdischen Proteste gegen „Inglorious Bastards“ geblieben sind, schließlich werden dort Juden als entmenschte Mörder dargestellt, die ganz gewiss nicht von humanistischen Bedenken angekränkelt sind.

Da bleibt mehr als ein schaler Geschmack zurück.

Ich kann mir kein Urteil darüber erlauben, was dem Regisseur gelungen oder nicht. Ich habe das Stück nicht gesehen. Aber genauso wenig kann man erwarten, dass ich mit dem Urteil eines Herrn Kramers konform gehe. Den habe ich auch noch nie gesehen. Er kann seine Meinung gerne äußern, von mir aus auch vorab. Aber zu verlangen das Stück abzusetzen, weil ihm die Aussage nicht gefällt – ja, wer ist er denn? Glaubt der tatsächlich, dass sein Urteil über dem aller anderen Zeitgenossen stünde und man das Stück deshalb nicht aufführen dürfe, weil „jedermann“ zu anderen Folgerungen kommen könnte, als von ihm gewünscht. Ist das nun Narzissmus oder Größenwahn?

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3 Antworten to “Narzissmus oder Größenwahn?”

  1. Don't care Says:

    Wieso N. ODER G. ?

  2. Vinneuil Says:

    Davon abgesehen gibt es weißgott wichtigere Stücke als die alten Kamellen von Fassbinder… dergleichen haben die Macher vorprogrammiert, warum auch immer.

    • Mcp Says:

      Das stimmt zwar, ändert aber nichts den Umständen. Die ehemaligen ostdeutschen Kabarettisten werden beim Lesen sicherlich ein Dejavu erleben. Das Zentralkomitee hat damals selten verboten, aber öfter zum Gespräch gebeten, weil die „künstlerische Umsetzung“ des Stückes nach Ansicht der Genossen, zu wünschen übrigließ.

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