Die Aufklärung XCIX

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Hildegard stirbt nicht. Zumindest nicht, wenn Margarethe von Trotta ihr Leben verfilmt. In der letzten Einstellung dieser mit modernen Mitteln erzählten Heiligenlegende lässt sie ihre Heldin noch einmal ganz neuen Aufgaben entgegenreiten. Bruder Volmar, Hildegard von Bingens einziger, emanzipationsphilosophisch gesehen, vorbildlicher Streiter unter all den traurigen Exemplaren einer durch und durch verkommenen Männergesellschaft, folgt ihr dann wie ein getreuer Sancho Panza.

Quelle: nmz; Ohne weibliche Spiritualität geht nichts: Margarethe von Trottas Hildegard-Film „Vision“

Die Vereinnahmung katholischer Heiliger zur Durchsetzung profaner politischer Ziele mittels Legendenbildung durch Massenmedien. So wird aus der Heiligen Hildegard, in deren Lebensmittelpunkt die Verkündung der Frohen Botschaft stand, eine aufklärerische Frühemanze, wobei die historischen Tatsachen nur insofern von Interesse sind, sofern sie sich für diesen neuen „Mythos“ ausbeuten oder umdeuten lassen. Die ganze Menschheitsgeschichte erscheint in dieser Erzählweise als eine Geschichte der Emanzipation der Frau von der Vorherrschaft des Mannes. Die neue Variante des Historismus kopiert alte Vorbilder: Das Geschichtsbild des Marxismus war ein grandioses Schachtgemälde der Befreiung der unterdrückten Massen von der Herrschaft parasitärer Ausbeuter. Dieser Ölschinken steht, vom Zahn der Zeit besiegt, mittlerweile im Keller der Zeitgeschichte.

Erst die Rassen, dann die Klassen, nun die Geschlechter – man kommt sich vor wie in Hollywood. Dort werden „Blockbuster“ bis zum Erbrechen variiert. „Die Aufklärung XCIX“, lautet der Titel des neuen Aufgusses, den uns Frau von Trotha hier anbietet wie schal gewordenes Sauerbier. Es langweilt – und lassen sie mich raten, die Verluste für den Ladenhüter trägt die deutsche Filmförderung, mithin auch der katholische Steuerzahler.

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Eine Antwort to “Die Aufklärung XCIX”

  1. Don't care Says:

    Das brechreizende daran ist, die heutige Durchschnitts-Tussen, auch die nicht mehr ganz taufrischen, glauben felsenfest daran, die veritablen Sahnehäubchen der Evolution zu sein.
    Hatte kürzlich das „Vergnügen“ die Konversation zweier „Damen“ (Lehrerin und Ärztin) unfreiwillig teilweise mit verfolgen zu dürfen.
    Die blasierte Attitüde, die aus ihren Auslassungen herauszuhören war, war zum Kotzen. Gespreizte, affektierte Gestikuliererei und dann die Gesprächsinhalte, – würg.
    Immerfort selbstbeweihräuchernde, narzisstische Opferrollenphrasen. Untermischt mit Esoterikgessülze, z. B. wie toll die neu Chi-Gong-Lehrerin sei, und überhaupt, das können halt nur Frauen so richtig vermitteln, bla,bla bla.
    Dann kam man auf Hildegard v. Bingen zu sprechen. – Bald Ohnmachtsanfälle vor Bewunderung und Verehrung. Besonders ihre Kompositionen (lange von den „neidischen Patriarchen“ zurückgehalten), einfach überwätigend, so „sphärisch „, entrückt“, „spirituell“, und weiss nicht mehr genau, was noch alles.

    Das passt dann gut, dass die überheblichen Tussen ihre Feminismus-Religion mit neu geschnitzten Ikonen unterfüttern müssen. Da wird geklittert, dass sich die Balken biegen, nur damit eine Frühemanzen-Heroin zurechtgelogen wird. Damit sie in noch strahlenderem Glanz erscheint, müssen natürlich pöhse männliche Neider und Hintertreiber erdichtet werden.

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