Am Tor der Hölle

by

Nicht die Verurteilung Galileis ist der Kirche anzulasten, wohl aber die Milde des Urteils; auf das sie, die Heilige Mutter Kirche, sich nicht konsequenter gegen das heraufziehende Unheil, dessen Symbol Galilei war und ist, gestemmt und es verhindert hat*).

Der Dreißigjährige Krieg, Verdun, Auschwitz, Hiroshima – das sich stetig steigernde Staccato des Schreckens – ausgelöst durch eine entfesselte Wissenschaft, die mit vollmundigen Worten das Paradies vom Himmel auf die Erde zu holen versprach – nimmt seinen Ausgang in jenen Tagen, als die Kirche Milde vor Recht ergehen ließ.

Im Zeitalter anthropogener Erderwärmung**) geht es längst nicht mehr um die müßige Frage nach der Verantwortung der Wissenschaft, sondern um die Frage nach ihrem Sinn.

Man kann sarkastisch behaupten, dass uns Menschen viel erspart geblieben wäre, dürften wir noch daran glauben, dass die Erde eine Scheibe wäre. Die Wissenschaft hat damals begonnen, oft höhnisch oder herablassend, den Sinn des Glaubens in Frage zu stellen, ihn mit der vermeintlichen Wahrheit konfrontiert. Es wird Zeit, dass der Glaube zurückfragt und die Wissenschaft mit ihren Heilsversprechen konfrontiert und diese an der Wirklichkeit prüft.

Gertrud von le Fort ist wohl die bedeutendste deutsche Schriftstellerin der Gegenaufklärung. In ihrer Novelle „Am Tor des Himmels“ nimmt sie sich des oben skizzierten Themas an und konfrontiert den römischen Inquisitionsprozess gegen Galilei im 17. Jahrhundert mit den Folgen der damals ausgelösten naturwissenschaftlich-technischen Entwicklung im 20. Jahrhundert. Mehr dazu auf den Seiten der „Konservativen Bibliothek“: „Am Tor der Hölle.“

~~~

*) Man kann das Thema hier nur streifen, ohne in die Tiefe zu gehen. Es gibt aber mindestens drei hochblühende Kulturen, die über sehr lange Zeiträume existierten, ohne sich – im westlichen Verständnis des Wortes – „zu entwickeln“; die über Tausende Jahre hinweg mehr oder minder stabile Gesellschaften hervorbrachten: Ägypten, Indien und China wären an prominenter Stelle zu nennen. In diesem Sinne kann man die europäische Entwicklung als eine verhängnisvolle Anomalie auffassen.

**) Ich will hier keine Diskussion über Sinn oder Unsinn wissenschaftlicher Thesen führen. Diese Debatten führen zu nichts. Fakt ist, das Wissenschaftler den anthropogenen Einfluss des Menschen auf das Klima – und zwar als unmittelbare Folge des wissenschaftlich-technischen Fortschrittes – postulieren und man dann, ob dieser ungeheuerlichen Behauptung, sehr wohl den Sinn einer Entwicklung hinterfragen muss, die vollkommen unabsehbare und existenzbedrohende Folgen für die gesamte menschliche Art nach sich zieht.

Advertisements

Schlagwörter: , , ,

3 Antworten to “Am Tor der Hölle”

  1. LePenseur Says:

    Man kann sarkastisch behaupten, dass uns Menschen viel erspart geblieben wäre, dürften wir noch daran glauben, dass die Erde eine Scheibe wäre.

    In diesem Fall frage ich, ganz ohne Sarkasmus, zurück, ob Sie etwas gegen Wettersatelliten haben (die es diesfalls nicht gebe), oder ob Ihnen die Telekommunikation generell ein Greuel ist (in Teilbereichen stimme ich dem ja zu, aber z.B. kein Internet — Ihr Blog sähe recht alt aus …). Wettersatelliten können z.B. vor Tornados warnen. Wenn die Erde eine Scheibe wäre, dann ist eben Ihr Haus eine Ruine und Sie sind tot. Blöd gelaufen, halt …

    Es wird Zeit, dass der Glaube zurückfragt und die Wissenschaft mit ihren Heilsversprechen konfrontiert und diese an der Wirklichkeit prüft.

    Das ist, mit Verlaub, Unsinn! Keine seriöse Wissenschaft gibt Heilsversprechen! Glaube tut das hingegen permanent. Im Glauben wird uns z.B. ein Leben in Gottes Herrlichkeit verheißen, wenn wir dies und jenes tun und anderes hingegen unterlassen. Über die Nachprüfbarkeit dieser Verheißungen möchte ich mich nicht weiter verbreitern …

    Die Wissenschaft hingegen ist an der Wirklichkeit prüfbar (wenigstens prinzipiell). Daß auch sie von Menschen — mit Fehlern, Mängeln und Lastern — betrieben wird, darf als bekannt vorausgesetzt werden. Daß sie daher jede Menge an Verstößen gegen das ihr zugrundeliegende Ethos ausweist, wundert nur den Naiven. Aber dennoch: sie brachte und bringt an der Wirklichkeit nachporüfbare Ergebnisse — gute und schlechte, je nach ethischem Standard derer, die sie einsetzen.

    Wer die Medizin zur Behandlung von Zahnfisteln, zur Impfung gegen Infektionskrankheiten, zur Operation von entzündeten Blinddärmen etc. einsetzt, bringt gute Wirkungen hervor (und ich möchte Ihnen nicht wünschen, diese missen zu müssen!). Wer das Röntgenbild zur effizienten Abtreibung benutzt, zum Schade des Kriegsgegners biologische Waffen einsetzt, oder am Genom des Menschen nach Gusto rumschnipselt, bringt schlechte Wirkungen hervor.

    Nur: kann die Medizin etwas dafür? Ist Dr. Röntgen ein Verbrecher, weil man durch seine Entdeckung besser abtreiben kann?

    Im Falle Galilei der Kirche zu große Milde vorzuwerfen — was im Klartext heißt: sie hätte ihn besser verbrennen sollen, und alle kritischen Wissenschaftler, die sich mit den naiven Theorien eines Aristoteles nicht mehr zufriedengeben wollten, gleich dazu! — halte ich, gelinde gesagt, für unüberlegtes Geplapper (to put it mildly!), wenn nicht für Phantasien totalitär-psychopathischer Art.

    Konservativismus schön und gut! Aber die planmäßige Unterdrückung menschlichen Geistes auch noch als „Recht“ zu feiern, ist m.E. nicht konservativ, sondern krank.

    • Mcp Says:

      Eine sehr heftige Reaktion, die wohl zeigt, dass ich irgendeinen Nerv getroffen haben muss. Ich weiß sogar welchen, denn ich bin, besser war, sozusagen ein universitärer Insider. Ich kenne den Betrieb und ich kenne vor allem die Eitelkeiten meiner Ex-Kollegen.

      Insofern, mein lieber Freund, „unüberlegtes Geplapper“, wie Sie sich auszudrücken belieben, ist es mitnichten. Und krank bin ich auch nicht, sagt zumindest mein Arzt und der sollte mich besser kennen als Sie. Aber das nur am Rande.

      Ich nehme es Ihnen nicht übel, denn solche Reaktionen – und noch viel heftigere – bin ich gewohnt, wenn ich meine Thesen vortrage. Aber irgendwie schade, dass auch Sie nicht zwischen „ad rem“ und „ad hominem“ zu unterscheiden wissen. Warum muss man eigentlich immer persönlich werden? Oder hat sie mein Text persönlich getroffen? Habe ich Sie damit persönlich beleidigt?

      Ein Blog ist leider ein schlechtes Medium um solche Themen in angemessener Weise abzuhandeln. Indes, ich habe damit angefangen und werde es auch fortsetzen. Eine wirklich kritische, ja elementare Auseinandersetzung mit der sogenannten „Moderne“ bekommen sie nur hier zu lesen. Nirgendwo sonst.

  2. LePenseur Says:

    Heftige Reaktion? Nun, dann kennen Sie meine Reaktionen nicht, wenn sie mal heftig ausfallen …

    Nur erfüllt es mich halt mit einer gewissen … sagen wir mal: Ungeduld, wenn irgendwelche 150%-Konservative sich seeehr cool vorkommen, weil sie die Tatsache, daß die Kirche Galilei zu lebenslänglichem Hausarrest samt Publikationsverbot belegte, nicht als Schandtat ebendieser Kirche empfinden, sondern gleich noch einen draufsetzen und es bedauern, daß die Kirche Galilei damals nicht einfach abgefackelt und Descartes & Co. gleich hinterher auf den Scheiterhaufen geworfen hat. „Mann-o-Mann …“, kann ich da nur seufzen!

    Übrigens: das mit dem „universitären Insider“ ist eine Fehlinterpretation. Ich bin — Gott sei Dank! — kein Universitätslehrer, sondern berufsbedingt streitbarer Freiberufler mit eigenem Unternehmen. Bloß aus der Tatsache, daß ich mich halt neben meiner Brotdisziplin in ca. einem Dutzend anderer Fächer hinreichend auskenne, um einem Jungschnösel von Assistenten sehr lästige Fragen zu stellen — tja, das macht mich noch lange nicht zu einem Mitschwimmer im Universitäts- und Wissenschaftsbetrieb!

    Na vielleicht mache ich noch das eine oder andere Doktorat hinzu, wenn mir in der Pension fad ist (und ich lange genug lebe) — angefangene Studienruinen hätte ich zur Genüge, um daran weiterzubauen — ein Dr. theol. und/oder ein Dr. phil. wäre da schon drinnen mit etwas Sitzfleisch. Aber wenn ich meine Dissertation dann p.c.-konform mit Gender-Aspelten anreichern muß, dann huste ich vermutlich drauf und grabe lieber meinen Garten um — ich muß mir da nix mehr „beweisen“ …

    Ihren Vorwurf, zwischen „ad rem“ und „ad hominem“ nicht unterscheiden zu können, muß ich freilich zurückweisen. Kann ich sehr wohl und tue es auch in der Regel. Nur wenn jemand recht krause Ansichten (und ich halte Ihre obigen dafür) recht naßforsch vorzutragen beliebt, ist eine Trennung halt schwer möglich.

    Oder hat sie mein Text persönlich getroffen? Habe ich Sie damit persönlich beleidigt?

    … schreiben Sie mit der gleißnerischen Milde eines altgedienten Psychiaters.

    Nun, wie man’s nimmt: beleidigt sicher nicht (wie denn auch?). „Getroffen“ — ja, aber eben in dem Sinn, daß es mich trifft, wenn jemand, dem ich durchaus einige Intelligenz und Formulierungsgabe zubillige, sich einfach unter Wert verkauft!

    Ich weiß nicht, ob Sie sich auf »eigentümlich frei« rumtreiben (m.E. recht lesenswert), aber auch dort habe ich regelmäßig meine Infights mit der reaktionären Monarchisten- & Tradi-Christen-Fraktion, die sich am liebsten im Lamento über die pöhse Französische Revolution ergeht und am liebsten das Heilige Römische Reich des Hochmittelalters restauriert sähe … auch dort bin ich einige Male etwas in Saft geraten, weil ich die von diesen Herrschaften intendierte Kombination von Internet, Autobahn, Klospülung sowie Lokalanästhesie beim Zahnarzt einerseits und Gottesgnadentum, Ständeverfassung und kirchlicher Inquisition andererseits als anachronistischen Aberwitz empfinde. Sorry: Französische Revolution war vor 220 Jahren! Das ist, ob wir’s nun mögen oder nicht, gegessen. Da rumzumäkeln ist m.E. etwa so sinnhaft, wie Einwände gegen die schiefe Erdachse vorzubringen …

    Dieses Hineinträumen in eine idealisierte Vergangenheit — das ich Ihnen ja von Herzen gönnen würde, wäre es ungefährlich! — führt dazu, daß man in fruchtlosen Ressentiments mit der Gegenwart hadert, sich bei allen, die nicht ebenso auf dem Nostalgie-Dampfer sitzen, lächerlich macht (nun gut, das kann man verschmerzen!) — vorallem aber: niemanden, der nicht schon total von der „Heiligen Sache“ überzeugt ist, überzeugen kann.

    Und genau das ist es, was ich auch in vielen religionslastigen Blogs schon geäußert habe: hier werden mit viel Aplomb und Einsatz „Überzeugte überzeugt“ — und Nicht-Überzeugte eben keineswegs überzeugt, sondern durch pentrantes 150%-Gehabe einfach in die Flucht geschlagen … bringt’s das wirklich? Ist das nicht einfach eine Verschwndung von Zeit und Mühe?

    Symptomatisch dafür ist Ihr obiger Schlußabsatz:

    Eine wirklich kritische, ja elementare Auseinandersetzung mit der sogenannten „Moderne“ bekommen sie nur hier zu lesen. Nirgendwo sonst.

    Das meinen Sie doch nicht ernst, oder? Mit ein bisserl Suchen finden sich in der Blogosphäre mindestens ein Dutzend Blogs ähnlicher Ausrichtung, wie der Ihre. Und da böten nur Sie „eine wirklich kritische Auseinandersetzung“ mit der Moderne? Alles andere nur halbgare Schwätzer? Also ich weiß nicht …

    Wie Sie auf meiner Blogroll auf „LePenseur“ ersehen haben, schätze ich Ihren Blog, sonst hätte ich ihn ja nicht verlinkt (wobei, das möchte ich sicherheitshalber erwähnen, die verlinkten Blogs alle paar Monate teilweise wechseln, ohne daß dies allein schon bedeutet, ein Blog wäre bei mir „in Ungnade gefallen“, wenn er ausscheidet — ich mag nur keine Blogrolls von Telefonbuchlänge!). Und natürlich vertrete ich in meinem Blog meine Ansichten (dazu schreibe ich in ja!). Aber es käme mir nicht in den Sinn, jetzt quasi einen Alleinvertretungsanspruch auf „libertär-konservatives Bloggen“ zu postulieren.

    Anyway. Vielleicht war meine vorige Reaktion für Sie nicht ganz nachvollziehbar (so zwischen einigen geschäftlichen Telefonaten schreibt man u.U. etwas zu pointiert was hin, mag sein …). Sollte es Sie persönlich getroffen (i.S.v. beleidigt) haben, stehe ich nicht an, mich ggf. zu entschuldigen. „Treffen“ im Sinne von „einen Anstoß geben, etwas lieber nochmals zu überdenken“ — ja, das wäre durchaus beabsichtigt!

    Ich hielte es nämlich für sehr bedauerlich, wenn Sie sich in einem reaktionären Elfenbeinturm einschließen wollten!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: