Katholisch treu

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Die Raben krächzen um und um:
„Von Rom, von Habsburg los!“
Wir reihen uns ums Heiligtum
und ziehn die Waffen bloß.
Die Treu ist unser Schild im Streit,
nach altem deutschen Brauch:
Katholisch bleiben wir allzeit
und treu dem Kaiser auch!

Ein häßlich Sprüchlein krächzt die Brut,
das klingt uns wie Verrat.
Drum stehn wir für des Glaubens Gut
mit schneid’ger Mannestat!
Gott und dem Kaiser bleibt geweiht
der Lippe letzter Hauch:
Katholisch bleiben wir allzeit
Und treu dem Kaiser auch.

Uns dünkt es schändliche Musik,
wenn leis von Hand zu Hand
die Mark erklingt, um Stück für Stück
zu kaufen Volk und Land.
Verkaufen Treu und Seligkeit,
das nennt man deutschen Brauch?
Katholisch bleiben wir allzeit
und treu dem Kaiser auch.

Katholisch schlug der Väter Herz,
als Deutschlands Kraft geblüht,
als rein wie Gold und treu wie Erz
klang deutsches Wort und Lied;
Als Luthers Ruf das Land entzweit,
schwand deutscher Ruhm wie Hauch –
Katholisch bleiben wir allzeit
Und treu dem Kaiser auch.

Und Habsburg, das sich einst gestellt
als deutschen Volkes Schild,
daran der Türke sich zerschellt
den Kopf im Schlachtgefild,
dankt ihm der Deutsche mit Verrat
in bittrer Feindesnot?
Oh nein! Ob solcher Bubentat
wird selbst ein Judas rot!

Krächzt euer Sprüchlein tausendmal,
ihr Buben groß und klein,
ihr schweißt nur fester unsern Stahl
und fegt die Tenne rein!
Ihr wollt den Kampf, wir stehn bereit,
ihr Helden hinterm Strauch!
Katholisch bleiben wir allzeit
und treu dem Kaiser auch.

(Der Dichter wohl unbekannt, man korrigiere ich, und das Lied wohl entstanden um die Reformationszeit.)

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8 Antworten to “Katholisch treu”

  1. moise trumpeter Says:

    Also wenn das Gedicht aus der Reformationszeit ist, dann wurde es sprachlich modernisiert. Woher haben sie es, und wo ist dann das Orginal? Ich bin kein Experte aber die Eigenbezeichnungen ‚katholisch‘ und ‚evangelisch‘ waren in der Reformationszeit noch nicht gebräuchlich, da haben sich noch alle als Christen gesehen (eher waren die Bezeichnungen ’neuer‘ und ‚alter‘ Glauber üblich). Von der Machart und Stoßrichtung würde ich eher auf Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts als Entstehungszeit tippen.

    • Mcp Says:

      „Ich bin kein Experte aber die Eigenbezeichnungen ‘katholisch’ und ‘evangelisch’ waren in der Reformationszeit noch nicht gebräuchlich,…“

      Protestant war man spätestens seit dem Wormser Reichstag (1521) und Katholik seit dem Trienter Konzil. Schon im Dreißigjährigen Krieg waren die Bezeichnungen gebräuchlich.

      lm übrigen verlieh Papst Alexander VI. den Titel „Katholische Majestät“ an Ferdinand IV. nach seinem Sieg über die Mauren. Das war vor der Reformation. Spätere Könige trugen den Titel „Allerkatholischste Majestät“.

      Möglicherweise war die Bezeichnung „katholisch“ schon wesentlich früher gebräuchlich und sowohl als Abgrenzung, wie auch als Machtanspruch gedacht gegenüber Ostrom gedacht. Vermutlich wurde der Begriff im Zuge der Kirchenspaltung um 1054 gebräuchlich.

      Erstmals erwähnt wird die „katholische Kirche“ aber bereits gut 100 Jahre nach Christi Geburt in einem Brief Ignatius von Antiochien an die Smyrnäer .

      Von daher lässt sich über den Begriff „katholisch“ nicht auf des Alter des Liedes schließen.

      Die im Lied erwähnte Belagerung Wiens kann sich auf 1523 oder auf 1683 beziehen.

  2. Ghislieri Says:

    Interessantes Gedicht.
    Ich habe allerdings den Verdacht, dass das wesentlich später als vermutet entstanden ist. Grund: „Bubentat“ und „Buben“.
    Ich denke da an den Text des Liedes „Wenn alle untreu werden“, in dem auch die Rede ist „.. nicht Buben werden gleich“.
    Ist da vielleicht von JUDEN die Rede statt von BUBEN, nur halt politisch korrekt formuliert?

    • Mcp Says:

      Keine Ahnung. Ich konnte weder das Entstehungsjahr noch den Autor ermitteln. Allerdings macht der Text eigentlich nur in der Nähe der Reformationszeit wirklich Sinn. Möglich das es später überarbeitet wurde, etwa zur Zeit des Kirchenkampfes, aber nachvollziehbar ist das für mich derzeit nicht.
      Wenn man sich ähnliche Leider um 1500 anschaut, dann fällt die Diktion des Liedes allerdings nicht sonderlich ab.

  3. LePenseur Says:

    Google machts möglich:

    http://28875.forendienst.de/5837c418d2485258d66e8f37424e8cf4/show_messages.php?mid=4594633

    „Wir bleiben katholisch (An die österreichischen Abfallsapostel)
    von Franz Eichert“

    Eichert war einer der Herausgeber der Zeitschrift „Der Gral“.

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