Hans Harmsen und Pro Familia

by

Wer im deutschsprachigen Internet nach Hans Harmsen sucht, wird enttäuscht. Nicht einmal auf den Seiten von „Pro Familia“ und ihrem Wikipedia-Eintrag wird man fündig. Was deshalb merkwürdig ist, weil besagter Hans Harmsen bis 1984 Ehrenpräsident von Pro Familiawar. Das schamhafte Verschweigen des „Pro Familia“ – Gründers hat indes gute Gründe.

„Harmsen wird 1925 Leiter der „Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundung“ (bis 1940 Geschäftsführer) und wird ferner 1926 leitender Arzt des Gesundheitswesens der evangelischen „Inneren Mission“ (heute Diakonisches Werk). Die Innere Mission war der wichtigste protestantische Träger von Einrichtungen für körperlich und geistig behinderte sowie alte Menschen. In der Situation der Weltwirtschaftskrise, die auch die Innere Mission finanziell vor Probleme stellte, prägte Harmsen 1931 den Begriff der „differenzierten Fürsorge“. Damit war praktisch der Schritt von der „quantitativen“ zur „qualitativen“ Bevölkerungspolitik getan. Fürsorgerische Leistungen sollten reserviert sein für diejenigen Personen, die auch im Wirtschaftsprozeß leistungsfähig waren, woraus sich der Wert des Menschen ergab. Darüber ließe sich dann auch eine „Höherentwicklung des Volkes“ erreichen. „Aufartung“ staatstragender, erblich wertvoller Familien durch die Beseitigung der „schädlichen Erbmasse“.“

Wie die Mehrheit im Zentralausschuß stimmte Harmsen dem Gesetzentwurf, der die Grundlage für das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ legte, zu (Harmsen, „Mitteilungen der Auskunftsstelle des Central-Ausschusses für Innere Mission“,1933). Eine eugenische Sterilisation wurde akzeptiert, Maßnahmen zur „Artreinigung“ bei geistig und körperlich behinderten Menschen – so einer der Vertreter der Inneren Mission – sollten sein:

1. die Verwahrung in Anstalten
2. die Sterilisation
3. Ehegesundheitszeugnisse
4. Meldepflicht bei Geschlechtskrankheiten
5. die Stärkung des „Erbgesundheitsgewissens“ der Bevölkerung.

Harmsen schickte Belegexemplare seiner Ansichten u. a. an Benito Mussolini und Adolf Hitler. Sein Schreiben an Hitler sprach eine eindeutige Sprache, wenn es hieß:

„Mit großem Interesse und aufrichtiger Freude habe ich im `Völkischen Beobachter´ die Berichte über die Tagung nationalsozialistischer Ärzte in Leipzig gelesen, die ein starkes Bekenntnis zur Notwendigkeit planmässiger bevölkerungspolitischer Maßnahmen enthielt.“

Das hat nach 1945 weder seiner Karriere geschadet, noch führte es zu einer Stellungnahme von kirchlicher Seite.

Quelle: SIMONE BARICH; Wer ist Pro Familia?; Hausarbeit im Fach Politikwissenschaften/Sozialpolitik an der Evangelischen Fachhochschule Rheinland-Westfalen-Lippe Bochum.

Interessant, wessen Geistes Kind eine Organisation ist, die nach eigenen Bekunden 77 Prozent aller Abtreibungsscheine in der Bundesrepublik ausstellt.

Advertisements

Schlagwörter: , , ,

5 Antworten to “Hans Harmsen und Pro Familia”

  1. Tiberius Says:

    Ein interessanter Hinweis. Pro Familia hat die eigene „Nazi-Vergangenheit“ also noch nicht „bewältigt“. Da ist es ja naheliegend, wenn sich eine Stiftung, die „Mut gegen Rechts“ fordert, mit einer solchen Organisation gemein macht. Verrückte Welt!

  2. Artur Says:

    Die massenhafte Ermordunng ungeborener Menschen konnte nur durch Einführung einer ganzen Palette von Euphemismen des Todes vorangetrieben werden: „Abtreibung“, „Schwangerschaftsabbruch“, „Fristenregelung“, „Pro Familia“, „unwertes Leben“, „Untermenschen und so weiter. Der Begriff Euphemismus entfaltet hier die gesamte Tragweite des vorsätzlichen „herbeilügens“ der Begriffsperversion. Das Unwort „Pro Familia“ wurde exakt aus dem Grund aufdiktiert, damit deren bestialischer Hintergrund verschleiert werden kann.

    Die Tätigkeit, „Erlaubnisscheine“ für die Ermordung von ungeborenen Menschen auszustellen entspricht exakt dem, wozu sie sich damals gegründet hatten, nämlich zur Durchsetzung „der Rassenhygiene“. Es ist erschreckend, wie dämlich die Damen sind, die deren Angebot nutzen. Es ist erschreckend, wievielen Vätern durch „Pro Familia“ die Kinder weggemordet werden.

    Unter http://euphemismen.de/ finden sich noch mehr dieser Euphemismen mit denen die Herrschenden nach dem Motto „teile und herrsche“ Keile in die Bevölkerung treiben und ihr übles Spiel fortsetzen. Es muss aber auch immer Dumme geben, die das Spiel mitmachen und die Begriffe allen Ernstes auch verwenden und somit etablieren helfen – folglich die barbarische Handlung dahinter unterstützen.

  3. Günter Annen Says:

    Der Abtreiber Fiala aus Wien ist offizieller Schreiber in Wikipedia.

    Dem dürfte es doch ohne große Mühen gelungen sein, alle diesbezüglichen Einträge über Harmsen und Pro Familia zu löschen.

    Überall findet Zensur statt…das müssen die Internetbenutzer einfach wissen!!!
    MfG
    GA

  4. Muttertag und Mutterkreuz « ThinkTankBoy Says:

    […] Wege der NS-Eugenik ablehnte, nicht aber das Ziel. Beispielsweise trat der Bevölkerungspolitiker Hans Harmsen, in der  Weimarer Republik Geschäftsführer der „Arbeitsgemeinschaft für […]

  5. Evergreens 2: Muttertag und Mutterkreuz « ThinkTankBoy Says:

    […] Wege der NS-Eugenik ablehnte, nicht aber das Ziel. Beispielsweise trat der Bevölkerungspolitiker Hans Harmsen, in der  Weimarer Republik Geschäftsführer der „Arbeitsgemeinschaft für […]

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: