Die Ursachen der Homophobie

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Der religiöse Hintergrund scheint eine besonders große Rolle zu spielen: So hat der Kieler Psychologe Bernd Simon bei jungen Männern türkischer Herkunft besonders häufig antihomosexuelles Gedankengut beobachtet. In einer Umfrage lehnten 38 Prozent eine rechtliche Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften ab, während es bei gleichaltrigen Schülern mit deutschstämmigen Eltern 74 Prozent waren.

Quelle: wissenschaft.de; Der Ekel vor dem Anderen

Habe ich diesen Satz nicht verstanden oder wird hier wieder großer Unsinn geschwatzt? Abgesehen von der Eingangsthese, die durch die nachfolgende Aussage widerlegt wird: Was hat die Religion mit der Abstammung zu tun? Um wirklich signifikante Aussagen zu erhalten, müsste man tiefgläubige Menschen mit bekennenden Atheisten vergleichen und die dabei keine Fragebogen ausfüllen lassen, sondern unter einen MRT-Scanner stecken. Alles andere ist Quacksalberei.

Im übrigen: Wenn Homophile eine angeborene und nicht zu therapierende Eigenschaft des Individuums ist, warum sollte sich dann ausgerechnet Homophobie aus politischen oder religiösen Verhalten ableiten lassen? Oder vertauscht man hier einfach Ursache und Wirkung. Geborene Homophobe finden ihre politische Heimat am wahrscheinlichsten dort, wo Homophobie politisch formuliert wird. Umgekehrt ist es ja ähnlich.

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2 Antworten to “Die Ursachen der Homophobie”

  1. Vinneuil Says:

    „Homophobie“ ist ein völlig mißbrauchter Begriff. Was ursprünglich eine pathologische Angst bezeichnet, wird heute schon appliziert, wenn es sich um bloße Ekel- oder Abstossungsgefühle handelt. So gesehen sind alle heterosexuellen Männer bis zu einem gewissen Grad „homophob“, rein aufgrund dieser polaren Abstossung, dem unvermeidlichen Gegenstück zur polaren Anziehung (zu Frauen). Der Ekel ist also quasi naturgesetzlich bestimmt. Kein Mann der ehrlich ist, wird das leugnen. Das ist simpelster common sense und alltägliche Erfahrung. Das ist das Problem mit diesen Leuten: es reicht ihnen nicht, toleriert zu werden, wir sollen sie auch noch lieben und begeistert sein von ihren Praktiken, wir sollen überhaupt gezwungen werden, anders zu fühlen à la „Heterosexualität ist heilbar“…

  2. Sven Says:

    Wie (schränken wir minimal ein: beinahe) alle Phobien ist auch die Homophobie eine kulturell erlernte Angst. Der Begriff wird – und da schließe ich mich Vinneuil an – inzwischen inflationär gebraucht.
    Die Angst vor Spinnen, Hunden, großer Höhe, etc ist eine Angst, die Kindern schon sehr früh eingepflanzt wird. Daher hat die Studie in ihrer Fragestellung, soweit ich das aus dem oben zitierten Auszug beurteilen kann, recht.
    Auch wenn homosexuelle Tendenzen eine angeborene Eigenschaft sind, so muss eine Angst vor solchen Tendenzen und Individuen dies nicht sein. Damit wird ein kausaler Zusammenhang hergestellt, der aus Sicht einer Entwicklungspsychologie nicht haltbar ist.
    Das sich Menschen mit einer Einstellung, die sich gegen Homosexualität richtet in Systemen wohlfühlen, die eine solche Abneigung/Ablehnung propagieren ist nur natürlich und hat mit der Fragestellung nicht zwangsläufig etwas zu tun.
    Die Fragestellung dreht sich um kulturellen (dazu gehört die Religion) Einfluss auf die Abneigung gegen Homosexuelles Verhalten/Homosexualität.

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