Küngs Bocksgesang

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er Weltethiker Hans Küng hat das Angebot des Vatikan an übertrittswillige Anglikaner als «Tragödie» und «unökumenische Piraterie» bezeichnet. «Dieser Papst fischt in rechten Gewässern», schreibt Küng in einem Beitrag der italienischen Tageszeitung ‚La Repubblica‘ (Mittwoch). Der Vatikan wies die Kritik zurück. Mit Bitterkeit und ohne Fundament kritisiere Küng das historische Einigungsbemühen des Papstes, schreibt der ‚Osservatore Romano'(Donnerstagsausgabe).

Quelle: KATH.NET; Katholischer Nachrichtendienst

Das Gläubige den Glauben ihrer Väter bewahren wollen und sich nicht den Einflüsterungen des Zeitgeistes ergeben, bezeichnet Küng als Tragödie und die Gläubigen als „Rechte“.

Das wirft die Frage auf, wem Küng die Rolle des Ödipus zugedacht hat: Der Papst kann es nicht sein, aus dem Vatikan ist kein Bocksgesang zu hören.

Bliebe noch Primas Rowan Williams übrig. Bei dem könnte man sich einen schicksalhaften Konflikt schon eher vorstellen, denn seine Schafe verlassen aufgrund seiner liberalen Entscheidungen die Herde und kehren zur Kirche Jesu zurück, die sie wegen der Laune eines liebestollen Königs vor 480 Jahren verlassen mussten. Ja, das ist der Stoff, aus dem Tragödien gemacht werden.

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9 Antworten to “Küngs Bocksgesang”

  1. LePenseur Says:

    Nun, „Tragödie“ ist es sicher keine, wenn die anglokatholisierende „smells & bells“-Fraktion der Anglikaner sich Rom unterwirft und „heimkehrt“ (Menschen nach 20 Generationen als „Heimkehrer“ zu bezeichnen, entbehrt natürlich auch nich einer gewissen Komik). Eher eine Travestie. Dem Primas von All England bleiben die offen Homosexuellen und sonstigen Gutmenschen (was eine nicht unoriginelle debatting society, aber keine Kirche bedeutet), der nicht-mehr Patriarch des Abendlandes zu Rom erhält hingegen die versteckten Homophilen …

    Was die Küng’sche Bezeichnung „Rechte“ betrifft: nun, wie würden Sie im „kirchenpolitischen Spektrum“ die Anglokatholiken denn sonst bezeichnen? Als die „Linken“ wohl sicher nicht! Wenn man derlei immer etwas hinkende Analogisierungen anwendet, so sind die Strömungen im Anglikanismus etwa so ins politische umzusetzen:
    1.) „Linke“ — progressistische Anglikaner (v.a. in der US-„Episcopal Church“ )mit Beziehungen zu „liberalen“ Gemeinschaften à la Unitariern & Co.
    2.) „Mitte“ — die Rste der alten „broad church“, 08/15-Land- und Stadtpfarren, die sich ökumenisch am ehesten mit Mainstream-Methodisten & Co. verstehen
    3.) „Rechts“ — zerfällt analog zum politischen Spektrum in zwei, an sich nicht wirklich vergleichbare Richtungen:
    a) „konservativ-nostalgische Legitimisten“ — das wäre also so ca. die Anglokatholen-Fraktion
    b) „national-chauvinistische Law&Order-Typen“ — das wären so ca. die betont evangelikalen Anglikaner, z.B. der „Reformed Episcopal Church“ oder „Free Church of England“.

    „Rechts“ ist also etwas pauschal, aber nicht unzutreffend charakterisiert.

    • Mcp Says:

      Sie sind kein gläubiger Katholik, sonst fänden sie den Begriff „Heimkehr“ nicht komisch.

      Für einen Katholiken gibt es nur eine Kirche. Nämlich jene, welche in der direkten apostolischen Nachfolge zu Jesus Christus steht. Welche existentielle Bedeutung dieser Glaube hat, wird durch den Satz „Extra ecclesiam nulla salus“ unterstrichen. Was heißt, dass jeder, der außerhalb dieser einen Kirche steht, – eben auch jeder Anglikaner – kein Heil erlangen kann. Das ist nicht komisch.

      Die Freude der „tiefgläubigen“ Katholiken über die Entscheidung des Papstes hat keine weltlichen Ursachen. Katholiken freuen sich über jede Seele, die den rettenden Hafen wieder erreicht, auch wenn es Ihnen – verständlicherweise – absonderlich erscheinen mag. Das ist keine Kritik an ihrer Bemerkung, sondern eine Erklärung meines Textes.

      Rechts – das müsste Theologe Küng wissen – ist ein politischer Begriff aus den Zeiten der Französischen Revolution. Damit haben Katholiken nichts zu tun, denn sie gehörten damals nicht zu einer politischen Partei sondern waren deren Opfer. Ein Nachhall dieser Christenverfolgung, die sich in Größe und Ausmaß sehr wohl mit der antiken römischen Hatz vergleichen lässt, ist die FSSPX, die, wie andere Katholiken, ihren Frieden mit den „Errungenschaften“ der Moderne noch längst nicht gemacht haben.

      Hätte Küng uns „Reaktionäre“ genannt, dann wäre kein Wort des Widerspruchs durch meine Feder geflossen, aber uns zu unseren eigenen Henkern machen zu wollen, ist schon eine perfide Argumentation.

      Es mag heute Katholiken geben, die sich verschiedenen weltlichen Lagern angeschlossen haben, aber dann sind ihre Äußerungen politisch und eben nicht religiös zu nehmen. Im Falle der Anglikaner fischt Benedikt eben nicht in „rechten“ Gewässern, sondern holt verloren geglaubte Söhne mitsamt ihren Vätern heim. Ein Katholik denkt in langen Traditionslinien, denn für ihn ist das Leben mit dem Tod nicht zu Ende. Ich selber bete auch an den Gräbern und Grüften meiner Väter und Mütter und gedenke selbst jener, die ich nur noch aus der Familienchronik kenne.

      Damit keine Missverständnisse aufkommen, dieses Blog hat einen katholischen Betreiber, äußert sich aber nur dort zu religiösen Fragen, wo sie sich Politik und Glauben kreuzen. Das hier ist ein politisches Blog, mit konservativ-reaktionärer Ausrichtung, das mit den „Rechten“ deshalb ein Problem hat, weil es in diesen Kreisen von Katholikenfressern wimmelt.

  2. LePenseur Says:

    @Mcp:
    Nun, ich wollte Ihnen mit meinem Posting keineswegs zu nahe treten. Natürlich sind die politischen Kategorisierungen „rechts“ und „links“ so nicht auf die Kirche anwendbar (was ich aber auch oben erwähnt habe!). Dennoch: wenn man sie mutatis mutandis doch analog anwendet, dann sind wohl die „Anglokatholiken“ eher „rechts“ i.S.v. „3. lit. a“ meines Vorpostings anzusiedeln.

    Ich denke nicht, daß Küng jetzt „rechts“ in einem parteipolitischen Sinne gebraucht hat, oder gar im Sinne des unsäglichen „Kampf gegen Rechts“, der die Hirne linker Berufsantifanten vernebelt …

    Was heißt, dass jeder, der außerhalb dieser einen Kirche steht, – eben auch jeder Anglikaner – kein Heil erlangen kann. Das ist nicht komisch.

    Naja, schon irgendwie! Denn es hieße ja, daß nach Ihrer Ansicht fünf Sechstel der Weltbevölkerung kein Heil erlangen können (was in dieser Härte nicht einmal die Lehre der RKK ist — schon ein Father Feeney wurde dafür unter Pius XII exkommuniziert), und das entbehrt angesichts eines gleichzeit vertretenen Dogmas vom allgemeinen Heilwillen Gottes doch nicht einer gewissen ironischen Spannung — aber lassen wir das, das ist nun wirklich zu sehr ins religiöse abschweifend …

    • Mcp Says:

      Sie sind mir nicht zu nahe getreten.

    • Mcp Says:

      Die „ironische Spannung“ ist beiderseitig.

      Denn sicher fühlen Sie sich als libertärer Denker im Besitze einer exklusiven Wahrheit, die die Masse unwissender Idioten aufgrund fehlender Bildung nicht zu fassen vermag. Warum sonst Ihr Blog? Sie sind mit lhren Überzeugungen sogar noch einsamer als ich, denn die überwiegende Masse der Menschheit teilt ihren „Glauben“ mit Sicherheit nicht.

      Aber natürlich sind Sie trotzdem ein Auserwählter, der vom missionarischen Eifer deshalb angetrieben wird, weil er von der Richtigkeit seiner universalen Ideen überzeugt ist.

      Ich mag Libertäre. Sie sind uns so ähnlich.

  3. LePenseur Says:

    @Mcp:

    Denn sicher fühlen Sie sich als libertärer Denker im Besitze einer exklusiven Wahrheit, die die Masse unwissender Idioten aufgrund fehlender Bildung nicht zu fassen vermag.

    „Libertär“ und „exklusive Wahrheit“ — das paßt einfach nicht zusammen. „Libertär“ und „umfassende Skepsis“ schon eher. Daß auch letztere der Masse ungebildeter Idioten (und daß diese existiert, werden Sie doch nicht ernstlich bestreiten wollen) fremd ist, ist freilich nicht zu bestreiten.

    Warum sonst Ihr Blog? Sie sind mit lhren Überzeugungen sogar noch einsamer als ich, denn die überwiegende Masse der Menschheit teilt ihren „Glauben“ mit Sicherheit nicht.

    Mein Blog ist einfach das Medium meiner Selbstreflexion. Sie glauben gar nicht, wie interessant es für mich (sic!) ist, ältere Postings aus heutiger Sicht wiederzulesen. Nicht, daß ich meinen Blog für andere als so besonders bedeutsam erachten würde … wenn ihn jemand beachtet, freut es mich natürlich — und die Tatsache, daß immerhin ein FDP-Generalsekretär für eine Presseaussendung vor zwei Jahren von mir abgeschrieben hat, erfüllte mich durchaus mit — selbstironisch abgetönter — Genugtuung. Aber es ist letztlich nicht der Grund, warum ich ihn schreibe.

    Und Einsamkeit, ach Gott, die bin ich seit meiner Jugend gewohnt. Nonkonformisten haben es selten leicht, die Zuneigung einer Gruppe zu finden (selbst schuld — sie legen es auch nicht besonders darauf an). Falls Sie sich für Enneagramme interessieren: ich würde mich da eher als Typ 5 mit leichter Tendenz zu Typ 6 einordnen. Das sagt eigentlich schon alles.

    Aber natürlich sind Sie trotzdem ein Auserwählter, der vom missionarischen Eifer deshalb angetrieben wird, weil er von der Richtigkeit seiner universalen Ideen überzeugt ist.

    Ich glaube, sie schätzen mich da ein bisserl falsch ein. „Missionarisch“ bin ich eher gar nicht. „Missionarische Skeptiker“ sind ja auch schwer vorstellbar (d.i. so ca. „gegrillte Eislutscher“). Daß ich ad hoc von der Richtigkeit meiner derzeitigen Ideen überzeugt bin — no na! Sonst verträte ich sie ja nicht …

    Wer wie ich nach vielen Wandlungen ( zu denen auch eine recht intensive „tradi“-katholische zählte!) seines Weltbildes schließlich wieder bei dem Skeptizismus seiner Jugend- und Studentenjahre gelandet ist und nun sieht, daß das alles doch „irgendwie zusammenpaßt“, daß es darin eben gewisse Konstanten gibt, wie eben den Konservativismus und Nonkonformismus, der kann darauf vertrauen, daß das Leben, hoffentlich, auch weiterhin spannend und nach vorne offen ist.

    Einer der Vorteile des zunehmenden Alters ist, wie ich in einer lockeren Runde einmal eher deftig formulierte: „Man scheißt sich zunehmend weniger darum, was andere denken“. Man hat seine Standpunkte, ohne sie deshalb absolut setzen zu wollen. Sie sind für mich (sic!) richtig, ob andere ihnen zustimmen, ist mir nur in zweiter Linie wichtig. Wenn ich z.B. Frauen als „Priesterinnen“ nicht ausstehen kann, muß ich nicht unbedingt argumentieren, warum. Und wenn mir jemand dabei allzu sehr auf die Pelle rückt, werde ich ihn vermutlich zynisch fragen, ob ich mir in Zukunft wenigstens noch aussuchen darf, ob ich lieber mit einer Blondine ins Bett gehe, oder ob’s an und ab nach Quote auch ein farbenblinder schwuler Negerboy*) sein muß …

    Ich mag Libertäre. Sie sind uns so ähnlich.

    Für alle „Libertären“ kann ich zwar nicht sprechen, dazu kenne ich zu wenige. Aber wenn Sie mich als ähnlich empfinden — nun, da wird schon was dran sein. Wieso hätte ich Ihren Blog sonst auf meinen verlinkt …

    *) Um Behinderten-, Sexualorientierungs- und Rassendiskriminierungsfaktor gleichermaßen zu egalisieren

    • Mcp Says:

      Wenn ich Sie falsch eingeschätzt habe, dann bitte ich höflich um Verzeihung. Die Personalisierung meiner Aussage war ein Fehler.

      Es geht mir vielmehr um eine Antwort zu der Frage, ob ich glaube, dass nur meine Religion das Heil bringen kann und ob sich alle anderen Menschen irren. Selbstverständlich glaube ich daran, denn wenn es andere Heilswege gäbe, warum dann die Dogmen meiner Religion? Was dabei herauskäme, wäre die esoterische Beliebigkeit eines küngschen Weltethos, der sich in allgemeiner Menschenliebe und bedrückender Gefühlsduselei erschöpfen würde. Eine Welt in alle Menschen allzeit mir nur „Gutes“ tun wollen, ist kein Heilsversprechen sondern ein böser Alptraum, den sich nur Satan höchstpersönlich ausgedacht haben kann.

      Der Glaube an die Universalität seines Glaubens ist eine existentielle Grundfrage jeder Religion und die aktuelle Schwäche des Christentums hängt genau mit Relativierung dieses Dogmas zusammen.

      Sogar außerhalb der Religion finden sie solche universalistischen Ansichten. Der aufgeklärte Westler glaubt an den universalen Charakter der Menschenrechte. Er muss das tun, weil er, wenn er andere Normen als gleichberechtigt anerkennt, seine eignen Ansichten hinterfragen muss. Deshalb sind für ihn die Mädchenschulen in Afghanistan so ungeheuer wichtig, weil er – aus seiner Sicht – anderen nicht die „Rechte“ verweigern kann, die er sich selber zugesteht.

      (Über das angeblich allgemeine Heilsversprechen Gottes wird viel diskutiert und es hängt damit zusammen ob man ein Wort mit „für viele“ oder „für alle“ übersetzt. Fakt ist, dass ein allgemeines Heilsversprechen Gottes unwahrscheinlich ist. Aber ich bin kein Theologe und meine Kenntnisse halten sich in engen Grenzen, so dass ich es vorziehe, zu schweigen und mein Urteil für mich zu behalten.)

    • Mcp Says:

      Im übrigen habe ich Sie jetzt auf meinen Blog verlinkt.

  4. LePenseur Says:

    Danke für die Verlinkung. Was Ihre anderen Ausführungen betrifft, würde ich sagen: „We agree to disagree“.

    Denn ich halte vom Dogmenglauben mittlerweile herzlich wenig: irgendwie kommen mir all diese Lehrformeln eher wie Leerformeln vor — unbeweisbar, fast beliebig (um)interpretierbar, und letztlich für das tatsächliche Leben — also das, „worauf’s ankommt“ — faktisch irrelevant.

    Die tiefsinnigsten Kenntnisse bezüglich gratia efficax, oder die hypostatische Union und die Idiomenkommunikation machen mich nicht zu einem besseren Menschen. Da sind die m.E. Ratschläge von Psalm 14 — „Domine, quis habitabit“, meine ich. als alter Konservativer verwende ich die Vulgata-Zählung 😉 — weitaus nützlicher! Wer dies beherzigt, „non movebitur in aeternum“ — bin ich mir durchaus sicher …

    Womit wir also religionsgeschichtlich so ca. bei einem theistisch-deistischen Rationalismus/Unitarismus à la spätes 18. bis mittleres 19. Jh. angelangt wären (auch schon recht weit zurück, wie sich’s für einen Konservativen gehört). Nicht imposant elaboriert, zugegeben, aber dafür praktisch verwendbar. Oder bei einem richtig verstandenen Epikur (den ich auch sehr schätze!), z.B. bei seinem Brief an Menoikeus, den ich aber nicht wegen seiner m.E. etwas platten Aussagen über den Tod, sondern wegen der sehr klaren Definition von „Lust“ (Kap. 5 letzter Abs.).

    Aber ich fürchte, bei dieser Frage werden wir auf keinen grünen Zweig kommen. also belassen wir’s besser bei dem Seufzer des weisen alten Michel de Montaigne: „Que sais-je?“ — denn Hand aufs Herz: was wissen wir denn schon …

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