Wissenschaftlicher Atheismus – ein Oxymoron

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„Die Kirche wird das Osterhalleluja noch singen, wenn der wissenschaftliche Atheismus vielleicht nur noch in den Geschichtsbüchern als Relikt menschlicher Verirrung vermerkt wird“, sagte Kardinal Meisner.

Quelle: KATH.NET – Katholischer Nachrichtendienst

Der „wissenschaftliche Atheismus“ ist ein wissenschaftstheoretisches Oxymoron, weil er unbeweisbar ist. Es gibt keine einzige wissenschaftliche Theorie, die ohne grundlegende – meist stillschweigende – Annahmen auskommt, die sich allein auf den „gesunden Menschenverstand“ stützen. Diese Annahmen sind innerhalb der Theorie, in der sie als Randbedingungen fungieren, unbeweisbar, weil eine Theorie, welche die Richtigkeit ihrer eigenen Voraussetzung prüfen will, nichts anderes wäre, als ein logischer Zirkelschluss.

Um ein gottloses Universum zu beweisen, bräuchte man eine „Metatheorie“, in der die Existenz eines Schöpfergottes nicht ausgeschlossen werden kann. Nur innerhalb einer solchen Theorie wäre durch Deduktion oder Induktion zu beweisen, ob es einen Gott gibt oder nicht. Eine solche Metatheorie wäre allerdings schon deshalb widersprüchlich, weil sich beide Annahmen – Gott oder nicht Gott – nach dem Satz vom ausgeschlossenen Dritten – in diesem Fall die Metatheorie – nicht vereinen lassen.

Mit anderen Worten: Entweder wäre eine solche „Metatheorie“ vollständig, dann wäre sie widersprüchlich oder sie ist widerspruchsfrei, dann ist sie nicht vollständig.

Diese Überlegungen sind weder ein Beweis für oder gegen Gott, sondern zeigen das logische Dilemma beider Annahmen. Beide sind unbeweisbar. Genau aus diesem Grunde spielt der Glaube in jeder Hochreligion eine zentrale Rolle.

Hinzufügen will ich noch, dass der Atheismus als geistige Strömung vermutlich um einige tausend Jahre älter ist als das moderne Christentum. Dass er sich nie durchgesetzt hat, liegt wohl hauptsächlich daran, dass jeder Atheismus mit dem „Sinnlosigkeitsverdacht“ des Daseins schwanger geht und tendenziell zum Nihilismus neigt, um den sich prinzipiell nur Gesellschaften bilden können, die sich irgendwann im Suff und im Drogenrausch auflösen.

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9 Antworten to “Wissenschaftlicher Atheismus – ein Oxymoron”

  1. LePenseur Says:

    Hinzufügen will ich noch, dass der Atheismus als geistige Strömung vermutlich um einige tausend Jahre älter ist als das moderne Christentum. Dass er sich nie durchgesetzt hat, liegt wohl hauptsächlich daran, dass jeder Atheismus mit dem „Sinnlosigkeitsverdacht“ des Daseins schwanger geht und tendenziell zum Nihilismus neigt, um den sich prinzipiell nur Gesellschaften bilden können, die sich irgendwann im Suff und im Drogenrausch auflösen.

    Naja, stimmt so nicht wirklich. Der Buddhismus ist z.B. seit jeher atheistisch, aber Suff und Drogenrausch gelten dort alles andere als achtbar und kommen im buddhistischen Bereich sicher nicht sogäufig vor wie z.B. im hardcorekatholischen Irland vor dem V2.

    Auch Epikur und seine Schule waren Atheisten, und sind — im Gegensatz zu allen andern Philosophenschulen Athens — ohne Unterbrechung und praktisch ohne Degeneration über Jahrhunderte (!) bis in die Zeit des Christentums blühend geblieben. Epikurs schlechter Ruf resultiert v.a. aus den gehässigen Fehldeutungen seiner Lehre durch christliche Kirchenväter (was angesichts des höchst humanistischen, aber eben rein diesseitsbezogenen Gehalts seiner Lehren auch nicht verwundert).

    Was nun die Frage nach einem „wissenschaftlichen Atheismus“ betrifft — mag schon sein, daß er nicht wissenschaftlich beweisbar ist, bloß: das Gegenteil ist es letztlich ebensowenig. Am ehesten überzeugt mich noch ein onthologischer Gottesbeweis eines „schlechterdings notwendigen Wesens“ — aber damit kommt man eben in der direttissima zum „Gott der PHilosophen“ — und der wird Sie im Gegensatz zu mir wohl nur schaumgebremst begeistern 😉

    Lesefutter für weiteres Nachdenken über Atheismus finden Sie beim Baron Spreter von Kreudenstein, dessen wirklich hübsches Familienwappen man hier bewundern kann — für katholische Verschwörungstheoretiker ist naütrlich signifikant, daß ein schwarzer Bock mit feuerroter Zunge darin zu sehen ist … 😉

    • Mcp Says:

      Man muss halt überspitzen, um den Gegner zu demoralisieren. Das ist ein legitimes Mittel. 🙂

      Im Grunde ist damit auch gemeint, das Hochkulturen, die ihrem Ende entgegengehen auch zum Atheismus (Abkehr von den alten Göttern) neigen, in Dekadenz und Völlerei verfallen.

      In Griechenland nannte man diese Phase „dionysische Raserei“. Sie war durch das Aufkommen verschiedener Bacchus Kulte gekennzeichnet und einer bis dahin unbekannten Verehrung alles Weiblichen. Die „Röcke“ wurden kürzer, die Sitten loser. (Merken Sie was? 🙂 )

      Rom hatte, bis zum Aufkommen des Christentums mit ähnlichen Erscheinungen zu kämpfen. China hatte gegen Ende des Kaiserreiches ein massives Drogenproblem, was sogar zwei Kriege auslöste. Die Briten waren nicht die Auslöser, sie waren nur die Dealer.

      Der Buddhismus ist nicht wirklich atheistisch, auch wenn er einen Schöpfergott ablehnt, so sind ihm Götter nicht unbekannt. Es gibt oder gab einige Strömungen, die sich zum Atheismus bekannten. Die Beschäftigung mit diesem Thema liegt aber schon eine Zeit zurück und ich müsste meine Kenntnisse erst auffrischen.

      Mir gefällt der Gottesbeweis von Gödel am besten, weil er durch und durch mathematisch ist. Er enthält kein einziges geschriebenes Wort, sondern nur logische Sätze.

      Ich nehme, wir meinen den gleichen Beweis. Ich habe ihn hier schon mal beschrieben, leider liegt das PDF mit den Formeln auf meinem alten Internet-Server. Mal sehen, ob ich es wiederfinde. Der Gödelsche Beweis – wie eigentlich jeder andere, wenn auch nicht so offensichtlich – beruht auf der axiomatischen Methode. Eben die, die ich oben beschrieben habe.

  2. christina Says:

    Hi, ist das nicht alles etwas hochtrabend. Da werden Anfangs nur so die Fremdwörter dem Leser um die Ohren geschlagen und dann ziemlich platt von „Suff und Drogenrausch“ gesprochen.

    Außerdem gibt es im Buddhismus zwar Götetr, aber die haben bekanntlich mit einem Gott im theologischen Sinne reichlich wenig zu tun.

    • Mcp Says:

      Zunächst: Danke für den Kommentar.

      Der Text wendet sich an mathematisch vorgebildete Leser, da ist die Gratwanderung zwischen allgemeiner Verständlichkeit und halbwegs exakter Formulierung immer recht schwierig. Ich bitte Sie dies nicht als Überheblichkeit oder Arroganz aufzufassen. Mir ist beides fremd.

      Zu der polemischen Zuspitzung: „Suff und Drogen“, finden Sie im Kommentarteil eine weiterführende Erklärung.

  3. LePenseur Says:

    Im Grunde ist damit auch gemeint, das Hochkulturen, die ihrem Ende entgegengehen auch zum Atheismus (Abkehr von den alten Göttern) neigen, in Dekadenz und Völlerei verfallen.

    Zwischen Epikur und dem Ende der Antike liegen mal schlappe 600-800 Jahre. also das mit dem „zu Ende gehen“ von Hochkulturen wird offenbar nicht ganz so heiß gegessen …

    Der Buddhismus ist nicht wirklich atheistisch, auch wenn er einen Schöpfergott ablehnt, so sind ihm Götter nicht unbekannt.

    Götter sind im Buddhismus höhere wesen, die in einer glücklichen höheren Welt leben, sehr lange leben sogar, aber dennoch irgendwann sterben müssen und „ins Rad des Schicksals“ zurücktauchen. Das hat mit „Gott“ im heutigen westlichen Sinne eher nichts zu tun. Den gibt’s im Buddhismus nun wirklich nicht! Und insofern ist auch „atheistisch“ die einzige korrekte Beschreibung des Buddhismus — einen theistisch aufgefassten Gott gibt es in diesem System nicht (noch am ehesten, aber eben auch nicht wirklich im Amida-Buddhismus — dessen Vorherrschaft in Japan auch den christlichen Missionaren bessere Chance eröffneten, als im Rest Ostasiens)

    Mir gefällt der Gottesbeweis von Gödel am besten, weil er durch und durch mathematisch ist. Er enthält kein einziges geschriebenes Wort, sondern nur logische Sätze.

    Den meinte ich eigentlich nicht, sondern eher den Kantianischen.

    • Mcp Says:

      Den meinte ich eigentlich nicht, sondern eher den Kantianischen.
      Kant. Gottesbeweis? Wo? Wann?
      In der „Kritik“ wettert er genau dagegen an. Habe ich da irgendwas verpasst? Ehrlich jetzt und nicht ironisch.

      Buddhismus: Trotzdem Götter, keine Menschen oder natürliche Erklärung. Mithin eine wirkende, außermenschliche Vernunft – ergo kein Atheismus.

      Es gab atheistische Tendenzen in ganz Asien. Genau deshalb wird China so um 2050 die meisten Katholiken stellen. Hochrechnung, ohne Gewähr.

      • LePenseur Says:

        ad Kant:
        Nein, haben Sie nicht — ich habe mich nur etwas unpräzise ausgedrückt! Ich hätte genauer schreiben sollen:
        „Ich meine den von Kant als Form des onthologischen Gottesbeweises bezeichneten »kausalen Gottesbeweis«, d.h. den einer nichtkontingenten ersten Ursache, den Kant zwar als onthologisch bezeichnet und damit ebenfalls widerlegt glaubt, wobei ich der Kant’schen Widerlegung allerdings mit Vorbehalten gegenüberstehe, da mir dieser Beweis dadurch eigentlich nicht widerlegt erscheint“. Uff!

        ad Buddhismus:
        „Götter“ im Buddhismus sind eher „Meditationsobjekte“ (so, wie jemand sich bei uns auf die „Idee des Fortschritts“ oder „der Gerechtigkeit“ beruft) oder (cum grano salis) eher mit „Engeln“ oder „Heiligen“ vergleichbar. Nicht mit „GOtt“ (um diese protestantische Typographie bewußt einzusetzen!).

        ad China:
        Reden wir im Jahr 2050 darüber (wenn ich seeehr alt werde, und noch nicht zu verkalkt bin, komme ich gerne darauf zurück). Meine Prognose ist: nein. Ich lasse mich aber gern korrigieren 😉

  4. LePenseur Says:

    Noch eine Nachbemerkung zu Kardinal Meisner: ich will (und werde) ihm ja die Freude an der Hoffnung nicht rauben — nur bin ich mir da keineswegs so sicher. Ein ägyptischer Priester, der um 1000 v.Chr. meinte, daß der Re-Kult, der schließlich schon seit ca. 3000 Jahren ununterbrochen gedauert hat, deshalb auch weitere 3000 Jahre Bestand haben werde, sähe heute auch etwas betreten aus seiner liturgischen Wäsche …

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