Geschlagen, gefilmt, beschimpft

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In Hamburg haben Antisemiten aus dem Umfeld der Linkspartei die Aufführung des Filmes “Warum Israel” von Claude Lanzmann gewaltsam verhindert. Besucher der geplanten Vorführung wurden mit Faustschlägen abgewiesen, als „Judenschweine“ und „Schwuchteln“ verunglimpft, fotografiert und gefilmt. Die Linke hat sich zwischenzeitlich von dieser Aktion distanziert, auf ihrer Netzseite war allerdings tagelang eine Rechtfertigung dieses „Boykotts“ (im Goggle-Catch) zu lesen, in welcher der Film als „zionistischer Propaganda-Film“ bezeichnet wurde. Hamburger Alltag.

In der Selbstdarstellung dieser Gruppe finden sich Sätze wie der hier: „Die Grundpfeiler unserer Politik sind der Kampf gegen Rassismus, Sexismus, Faschismus, Kapitalismus und Imperialismus.“ oder der: „Nicht offen ist unser Laden für Leute, die rassistische, sexistische, faschistische, antisemitische oder zionistische Positionen vertreten.“

Obwohl es sich bei diesem Vorgang offenbar um einen Streit zwischen zwei linksradikalen Splittergruppen handelt, zeigt er exemplarisch die Notwendigkeit der Neujustierung des Kampfes gegen den politischen Extremismus. Allerdings, in Hamburg werden Polizei und Staatsanwaltschaft den Vorfall deshalb nicht bemerken, weil sie angestrengt in die andere Richtung schauen.

Quelle: taz; Hölle Hamburg

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10 Antworten to “Geschlagen, gefilmt, beschimpft”

  1. fnord Says:

    Es ist immer wieder äußerst herausfordernd, die Texte der Linken zu lesen – selten schwurbelt es stumpfer in deutscher Sprache. Über Inhalt und Stil muß man keine weiteren Worte verlieren, bleibt also nur festzustellen: Diese Leute sind hochgefährlich, denn wer so verblendet schreibt, diskutiert nicht mehr.

    Ob sie sich wohl selbstkasteien, wenn sie unreine, sprich: erkenntnisreiche Gedanken haben?

    Gruß,

    fnord

  2. Vinneuil Says:

    Kein Linker sagt „Judenschweine“ oder „Schwuchteln“. Entweder waren das agents provocateurs oder das ist schlicht gelogen.

  3. Bauer Gerhard Says:

    @Vinneuil
    Kommt mir auch so vor.
    Zumindest nicht von denen die sich derzeitig links nennen.

  4. blinkfuer Says:

    Der Fairness halber, hier das Flugblatt der Filmgegner: (Übrigens, wer IsraelkritikerInnen pauschal als Antisemiten bezeichnet, betreibt das Geschäft der Antisemiten)

    Dieser Text wurde anlässlich der Verhinderung des Filmes Warum Israel verteilt. (Filmtitel im Original „Pourquoi Israel“
von Claude Lanzmann, sollte am 25.10.2009 im Hamburger Kino B-Movie in Kooperation mit der Gruppe Kritikmaximierung gezeigt werden).

    WARUM NICHT ISRAEL?

    Was ist den hier los?
    Schon früh gab es Stress mit dem B-Movie. Mal zeigten sie sexistische Filme, wie Deep Throat, dessen „Hauptdarstellerin“ später öffentlich machte, dass sie in dem Film vergewaltigt wurde. Oder sie vermieteten den Laden an Fußball Hooligans, die das Haus mit Nazi-Symbolen beschmierten.
    Nun gibt es ein neues Ereignis im B-Movie: Sie wollen in Zusammenarbeit mit der „antideutschen“ Gruppe „Kritikmaximierung“ einen zionistischen Propaganda-Film zeigen.

    Worum geht’s genau?
    Der Film „Warum Israel“ soll eine Antwort auf die Frage geben, was Israel ist. Dazu hat der Regisseur Claude Lanzmann 50 Stunden Filmmaterial im Jahre 1972 gesammelt und es zu einem Dokumentarfilm zusammen geschnitten. Einiges hat Lanzmann in seiner Betrachtung „vergessen“: Im Staat Israel leben nicht nur Israelis, sondern aus Palästinenser. Fünf Jahre vor den Filmaufnahmen hat Israel in dem Sechstagekrieg ein überlebensfähiges palästinensisches Territorium zerschlagen und besetzt. Heute ist den Palästinensern nur noch ein Fleckenteppich in der Westbank und der kleine Gazastreifen übrig geblieben – dies zusammen wird niemals ein lebensfähiger Staat sein können. Zusätzlich werden in der Westbank vom israelischen Staat und Rechtsradikalen mit Schusserlaubnis weiter Siedlungen aufgebaut. Damit werden Fakten für eventuelle Friedensverhandlungen geschaffen.
    Weiterhin verschweigt der Film die Tatsache, dass der Staat Israel auf den Trümmern von 500 arabischen Städten und Dörfern entstanden ist und ca. 700.000 PalästinenserInnen aus ihrer Heimat vertrieb. Viele andere Gesichtspunkte, wie den Umstand, dass Israel bis heute für sich keine Grenzen akzeptiert, im Gegensatz zu der palästinensischen Seite, die Israel in den Genzen von 1948 anerkennt, bleiben genauso unberücksichtigt.
    Ein Film, der das Thema Israel behandelt und das gesamte Ausmaß der Besatzung und Vertreibung unerwähnt lässt, kann niemals eine Antwort geben, was Israel wirklich ist. Der Film suggeriert, dass Israel nur eine Zufluchtstätte der Juden vor dem Antisemitismus sei, aber verschweigt, dass Israel zugleich die Existenzberechtigung der PalästinenserInnen untergräbt.
    „Die Israelis sind keine Killer. Definitiv nicht. Sie töten, aber sie sind keine Killer, das ist nicht in ihrem Blut.“ So argumentierte der Regisseur des Films Anfang des Jahres in der Berliner Zeitung. Dem ist wirklich nicht viel hinzuzufügen. In Anbetracht des zionistischen Massakers Anfang des Jahres an der Zivilbevölkerung des Gaza-Streifens, dem über 1.500 Menschen, darunter allein 500 Kinder, zum Opfer fielen, wirkt diese Aussage wie reiner Hohn.

    Wer ist das?
    Zu der Gruppe „Kritikmaximierung“ ist zu sagen, dass sie eindeutig aus dem rassistischen Spektrum der sogenannten Antideutschen kommt und ihre Filmauswahl bestätigt dies. Lassen wir sie selbst zu Wort kommen: „Entgegen aller legitimierender und wohlmeinender Behauptungen des deutschen gesellschaftlichen Mainstreams handelt es sich nun auch beim Antizionismus, dem Ressentiment gegen Israel, nicht um einen ehrbare Parteinahme in einem völkerrechtlichen Disput zwischen einem bestehenden Staat und einem Staat in Gründung, sondern hauptsächlich um eine Reproduktion des antisemitischen Furors in den Begriffen und der Sphäre des Politischen.“ (Flugblatt „Paradise No!“ von Kritikmaximierung)
    Was das heißt? Jede Kritik am Zionismus und am Widerstand gegen dessen Vernichtungspolitik gegenüber den PalästinenserInnen wird als Antisemitismus gebrandmarkt.
    Diese Gruppe zeigt den Film im B-Movie, um das Spektrum der B5 zu provozieren. Mit diesem Verhalten bestätigen sie das erklärte Ziel der „Antideutschen“, die Linke zu zerstören.

    Warum sind wir hier?
    Wir sehen es als unsere Aufgabe, der menschenverachtenden Hetze der „Antideutschen“ hier und jetzt entgegenzutreten. Wo wir linke, antifaschistische und alternative Freiräume gegen sie verteidigen können, ist dies unsere Pflicht als emanzipatorische Menschen. Wir können und werden nicht tolerieren, dass Menschen Kriegspropaganda und rassistische und islamophobe Hetze verbreiten. Darum stehen wir heute vor einem inszenierten israelischen Checkpoint, wie es sie in Palästina zu hunderten gibt. Natürlich können wir den Horror nicht in seiner Gänze darstellen, wenn z. B. Krankenwagen nicht durchgelassen werden und darum Menschen verrecken müssen.

    Kein Raum für Antisemiten, Militaristen, Rassisten und Reaktionäre!
    Nicht hier und nirgendwo sonst!

  5. Vinneuil Says:

    Was die Einschätzung des Lanzmann-Films betrifft, haben sie recht…

  6. Vinneuil Says:

    Wobei die Binnen-I’s natürlich durch nichts zu entschuldigen sind… ^^

  7. “Judenschweine” und “Schwuchteln” - homo homini lupus Says:

    […] in welcher der Film als „zionistischer Propaganda-Film“ bezeichnet wurde. Hamburger Alltag. Weiterlesen szu='http%3A%2F%2Fquadraturacirculi.de%2F2009%2F11%2F06%2Fjudenschweine-und-schwuchteln%2F'; […]

  8. Bauer Gerhard Says:

    http://www2.q-x.ch/~michaelw/Pranger/Pranger.html

    Hier einmal was lesenswertes aus deutscher Feder.

  9. Ohhh Mann Says:

    Wenn der Film nicht verboten ist hat niemand, aber auch gar niemand das recht, andere menschen an der Betrachtung des Machwerkes gewaltsam und mit Schimpf und Schande zu hindern.
    Protestieren: OK. Schließlich leben wir in einer Demokratie. nein besser mit Fragezeichen, denn derartige Aktionen lassen mich immer mehr annahmen, dass die demokratischen zeiten vorbei sind. Seit wann darf Links alleine entscheiden, was ein sehenswerter Film ist? Sie dürfen gerne einen kritischen Dialog führen.Sie dürfen protestieren, demonstrieren und ähnliches erlaubtes.
    Aber DAS dürfen sie nicht.
    Leute, werdet wach, der wahre Feind steht nicht nur Rechts. Die Demokratie-Feinde stehen immer häufiger LINKS.

  10. ‘My Favorite Tarantino Movie…’(PIC) | MovieMash.info Says:

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