Ahnungsloser Kulturkämpfer

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Harald Walser, der Bildungssprecher der österreichischen Grünen, behauptet, dass die Menschenrechte vor allem „ein Resultat der Aufklärung“ seien und diese in „mühsamen Kämpfen vornehmlich gegen die katholische Kirche“ durchgesetzt werden mussten.

Quelle: KATH.NET; Katholischer Nachrichtendienst

Walser beweist mit seinen Äußerungen nur seine peinliche historische Ahnungslosigkeit. Zu dem Thema verweise ich auf einen vorzüglichen Artikel aus dem Hause Mater Amata: Kruzifix und Kulturkampf.

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6 Antworten to “Ahnungsloser Kulturkämpfer”

  1. Sir Toby Says:

    Was zeigt eigentlich das hübsche Titelbild? Ist das eine Berliner Schule nach Abschluß der Ausbildung ihrer türkischen Schüler?

    • Mcp Says:

      Ichnehme an Sie meinen den Kopf dieses Blogs: Die Reste der Kirche von Maurepas. Sie wurde im 1. Weltkrieg während der Sommeschlacht zerstört und ist für mich ein Sinnbild für den Untergang der abendländischen Kultur am Beginn des 20. Jahrhunderts.

  2. LePenseur Says:

    Ich bin nun (mein Blog beweist es hinreichend) fürwahr unverdächtig, ein Parteigänger der Grünen zu sein — aber daß die Menschenrechte vor allem ein Resultat der Aufklärung sind und in mühsamen Kämpfen vornehmlich gegen die katholische Kirche durchgesetzt werden mußten, ist schlicht und einfach die historische Wahrheit!

    Wenn Leo XIII noch im Jahre 1885 in „Immortale Dei“ schreibt:
    „Als jedoch im 16. Jahrhundert jene unheilvolle und beklagenswerte Neuerungssucht erregt war, da entstand zuerst eine Verwirrung in Bezug auf die christliche Religion. Als jedoch alles seinen natürlichen Weg weiterging, wurden bald auch die Philosophie und von hier aus alle Ordnungen der bürger­lichen Gesellschaft in Mitleidenschaft gezogen. Hier ist der Ausgangspunkt der neueren, zügellosen Freiheitslehren, welche man unter den heftigsten Stürmen im 18. Jahrhundert ersonnen und proklamiert hat als Grundlehren und Haupt­sätze des „Neuen Rechtes“, das vorher unbekannt war und nicht bloß vom christlichen, sondern auch vom natürlichen Recht in mehr als einer Beziehung abweicht. Oberste Voraussetzung aller dieser Lehren ist folgender Satz: Alle Menschen seien, so wie sie ihrer Natur und Art nach als gleichartig erkannt werden, auch im Vollzug des Lebens wirklich untereinander ganz gleichgestellt. Ein jeder sei darum derart sein eigener Gesetzgeber, daß er in keiner Weise einer fremden Autorität unterworfen sei; es stehe ihm daher frei, über alles zu denken, was er möchte, und zu handeln, wie es, ihm beliebt.
    Niemand habe das Recht, anderen zu befehlen. Auf Grund solcher Prinzipien erkennt die Gesellschaft als Regierung nur den Willen des Volkes an, das allein sein eigener Herr und daher sein einziger Gebieter ist. Deshalb wählt das Volk sich auch seine Vertrauensleute, denen es die Regierung überträgt: und zwar nicht als ein diesen zukommendes Recht, sondern als seinen Bevoll­mächtigten, die dieses Recht im Namen des Volkes ausüben.“

    … dann ist wohl unverkennbar, daß damit das damals wie heute bekannte Konzept von Menschenrechten als „Grund- und Freiheitsrechte aller Menschen, unabhängig von ihrer religiösen oder politischen Überzeugung“ abgelehnt wird, sondern ihm gegenüber ein paternalistisches Konzept eines (unter kirchlicher Deutungshoheit stehenden) „Naturrechts“ vertreten wird.

    Nun mag es schon so sein, daß man zweiteres ungleich sympatischer findet, als ersters — nur sollte man das dann auch sagen, und nicht so tun, als wäre die Kirche je für „Menschenrechte“ eingetreten, wo sie doch nur traditionell bloß für Kirchenrechte und Rechte der in kirchlichem Sinne „Gläubigen“ eingetreten ist, und ihr Rechte von (in ihrem sinne ) „Ungläubigen“ immer herzlich egal waren.

    Das alles hat sich mit und seit den Dekreten des Vaticanum II durchaus geändert (und wird von traditionalistischer Seite auch tränenreich beklagt!) — aber so zu tun, als ob die Kirche immer schon Hüterin der Menschenrechte gewesen wäre, ist entweder geradezu unverfrorene Heuchelei oder zeugt von bemerkenswertem Verdrängungsvermögen.

    • Mcp Says:

      Das tut keiner. Jedenfalls ich nicht. Man tut allerdings so als wären die Menschenrechte 1789 aus dem Nichts entstanden, ein Geniestreich der Aufklärer sozusagen. Das ist einfach unwahr. Diese Idee hat eine lange Geschichte und der Ideenkern ist innerhalb der Kirche entstanden, auch deshalb, weil die Kirche im Mittelalter die einzige Institution war, die Bildung vermitteln konnte.

      Die ersten Humanisten waren Kirchenmänner, viele Wissenschaftler ebenfalls. Die ersten Universitäten waren kirchliche Gründung und eine historische Zäsur, wie sie uns die Aufklärung suggeriert – hier die Guten, dort die Bösen – hat es so nie gegeben.

      Sie ist eine Propagandafigur, der den antiklerikalen Kampf befeuern sollte und bis die bis heute nachwirkt.

      Dass der Kirche die Ungläubigen egal waren, lässt leicht widerlegen. Kurz nach der Entdeckung Amerikas erklärte die Kirche die dortigen Ureinwohner zu Menschen, die man zum christlichen Glauben bekehren wollte. Schauen sie einfach auf die Unterschiede zwischen dem katholischen Südkontinent und evangelikalen Norden: Im Süden herrschen die Mestizen vor, während die Ureinwohner im Norden fast völlig verschwunden sind. Nirgendwo waren der katholischen Kirche die Ureinwohner egal, aber sie war auch schon damals nicht so allmächtig, wie sie aus heutiger Perspektive erscheint. Und ja, es gab auch innerhalb der Kirche immer verschiedene, sich einander bekämpfende Fraktionen, aber sie war in ihrer Gesamtheit nie das Monster für das manche sie heute halten.

      Ich kann jetzt nicht auf alles eingehen, werde aber das Thema im Auge behalten. Mir geht es nicht darum, ein neues schwarzweiß Bild der Vergangenheit zu zeichnen, die heute so ungeheuer beliebt sind, sondern um sachliche Einordnung geistesgeschichtlicher Fakten und die sprechen eine ganz andere Sprache.

      Ich werde das Thema im Auge behalten.

  3. LePenseur Says:

    Ich kann Sie beruhigen: ich sehe „die“ Kirche nicht als „das“ Monster — denn es gibt nicht „die“ Kirche, sondern eine Unzahl von Menschen und Gruppierungen von Menschen in der (oder auch: den) Kirche(n). Schwarz/Weiß-Bilder schätze ich in der Kunstphotographie, sonst eher nicht wirklich.

    Sie haben naütrlich recht, daß die Ideen der aufklärung schon vorgeformt wurden im Humanismus etc. — aber auch hier muß man sagen: größtenteils gegen den Willen der kirchlichen Obrigkeit (oder bestenfalls, geschickt getarnt, an diesem vorbei). Und im 18./19. Jhd. ist die Fronststellung der Kirche gegen alles, was auch nur entfernt nach „Menschenrechten“, insbesondere Meinungsfreiheit riecht, schon recht unübersehbar.

    Aber immerhin: die Kirche hat gelernt. Daß sie mittlerweile schon in die Gegenrichtung ausschlägt, ist bedauerlich und wird von mir auch herzhaft kritisiert! Aber wenn Sie Walser „peinliche historische Ahnungslosigkeit“ attestieren, so bleibt auf meiner Zunge ein schaler Geschmack zurück. Nicht, weil ich Walser für besonders tiefschürfend und objektiv informiert hielte — aber ich weiß einfach, wieviel von unschöner Kirchenpraxis früherer Zeiten heute wegeskamotiert wird. Doch Verdrängung ist noch selten eine wirkliche Lösung gewesen …

  4. Mcp Says:

    Vorweg: Das Sie die Kirche nicht als „Monster“ sehen weiß ich. Nichts was ich schreibe, ist auf ihre Person gemünzt, vielmehr schreibe ich gegen den Zeitgeist an, den sie – nur manchmal – repräsentieren.

    Nein, noch einmal, ich will keine Vergangenheit schönschreiben oder schönreden.

    Dass allerdings 1789 wieder Christenverfolgungen in Frankreich begannen, lässt sich nicht mit dem Widerstand gegen die Ideen der Aufklärung erklären, denn davon betroffen waren in der Masse Gläubige, die einfach ihren Glauben leben wollten und deshalb in großer Zahl jämmerlich ersäuft, erschossen oder erschlagen wurden.

    Es ging dabei nicht um ideologische Fragen, sondern um die Macht, denn natürlich hat die Kirche als Institution die Adelsherrschaft gerechtfertigt und war ihr zu Diensten. Und selbstverständlich waren die freien Bauern natürliche Verbündete der Geistlichkeit und des Adels gegen die Zumutungen des urbanen Plebs. Die Geistlichen bildeten in Frankreich den ersten Stand, der Adel nur den Zweiten. Beide Stände – in der Vendee auch die Bauern – wurden verfolgt und nahezu ausgerottet, aber gewiss nicht der Menschenrechte wegen, sondern allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu eben jener gesellschaftlichen Schicht. Man wollte die Schichten beseitigen, die bis dato die Macht ausgeübt hatten. Dasselbe Schicksal ereilte zusätzlich das Bürgertum während und nach der russischen Revolution. Der „revolutionäre Terror“ hat doch wahrlich nichts mit jenen Ideen zu tun, die man heute unter dem Begriff „Aufklärung“ subsumiert.

    Um diesen Massenmord zu rechtfertigen, mussten propagandistische Lügen her: Sollen sie doch Kuchen essen, wenn sie kein Brot haben. Dass der Sozialismus, ebenfalls Kind der Aufklärung, ein Fehler war, hat die Historie mittlerweile eindrucksvoll nachgewiesen. Dasselbe Schicksal wird auch noch andere Ideologien ereilen.

    Dass es im Grunde auch anders hätte gehen können, haben die Deutschen bewiesen, die in ihrer ganzen Geschichte ohne Königsmord und antichristlichen Furor ausgekommen sind.

    Zum Schluss:
    Mein Studium der europäischen Geistesgeschichte habe ich bei den Griechen begonnen und chronologisch fortgesetzt, ohne das Mittelalter auszublenden. Es war mir wichtig die Ideengeschichte nachzuvollziehen. Als ich bei Kant angekommen war, habe ich festgestellt, dass der deutsche Professor den gesamten Apparat der christlichen Scholastik übernommen und nur eine grundlegende Korrektur vorgenommen hatte: Er hat den Menschen an die Stelle Gottes gesetzt. Mithin war die Wissenschaft keine Magd der Theologie mehr, sondern hatte dem Menschen zu dienen. Heureka, schreit der aufgeklärte Mensch und bedenkt dabei nicht, dass man mit der Metaphysik eben keine Atombomben oder andere Massenvernichtungsmittel bauen kann. Die Büchse der Pandora ward geöffnet, der Fenris von der Fessel, der Geist aus der Flasche und der Mensch nur hilfloser Zauberlehrling – genauso wie es die Alten prophezeiten. Schauen sie auf die Geschichte Europas seit Ausrufung der Menschenrechte und nennen sie mit nur irgendeine vergangene Epoche, die ähnlich viel Leid, Krieg, Massenmord und Vernichtungswillen hervorgebracht hat.

    Ich will es, wieder einmal bewusst überspitzen. Wissen Sie, wer der größte Massenmörder der Geschichte war und wer es immer noch ist? Ich will es ihnen sagen: Es ist nicht der Inquisitor, es ist der Ingenieur.

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