Windzeit

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Dieser Eintrag ist für einen ganz speziellen „Freund“. Das hier ist sein „Lieblingsblog“, auch deshalb, weil sich der Blogbetreiber ab und zu an etwas erfreut, was der eingebildete Stadtpöbel abgrundtief hasst: das Wetter, die Natur oder einfach nur die „Pracht der Sterne“. Der urbane Plebejer zieht den „Bildverlust“ durch reichlichen Genuss von Alkohol vor und schwelgt dabei in pseudointellektuellen Elitetheorien. Carl Schmitt lässt schön grüßen. Ich rede auch übers Wetter.

Draußen tobt der erste Herbsturm und der Wind rüttelt gebieterisch an Fenstern und Türen. Ich liebe Stürme und wo andere eine sichere Bleibe suchen, da zieht es mich hinaus in die tosende Natur. Sie fasziniert mich einfach. Ich werde die Augenblicke im Krähennest eines Schiffes nie vergessen, dass im wütenden Sturm gegen die anbrandeten Wellen stampfte. Wie sich der Bug im gleichmäßigen Takt aus den Wellen hob, um Augenblicke später fast darin zu versinken. Das Wummern der schweren gusseisernen Anker legte Zeugnis von der Urgewalt der hereinkommenden Brecher, deren Gischt mich auch in luftiger Höhe noch erreichte. Die Sturmfahrt war, wie der Sturm gerade, im November eines vergangenen Jahres und brachte mir den gestrengen Tadel des Kapitäns ein, der solcherlei Übermut gar nicht schätze. Ob ich lebensmüde wäre, wollte er von seinem Passagier wissen. Dieser ungeheuerliche Anblick, diese unglaubliche Schönheit die Natur zu entfesseln vermag, so wäre heute meine Antwort, ist das Risiko wert. Kein Menschenwerk vermag diese Kunst zu bannen. Einmal sehen und dann sterben. Ich liebe die Windzeit im Herbst.

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