Die Demokratielüge

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In der WELT von 22. November schreibt Richard Herzinger über die „Notwendigkeit“ des Demokrieexportes durch den Westen:

Doch diese Vorstellung geht am Kernproblem westlicher Interventionspolitik vorbei. Sie kann nämlich gar nicht anders, als militärische Eingriffe an die Perspektive einer nachhaltigen Verbesserung der Lebensverhältnisse in Ländern oder Regionen zu verknüpfen, in deren Geschicke sie eingreift. Was aber an erster Stelle bedeutet, elementare rechtsstaatliche und demokratische Strukturen zu schaffen und zu fördern, die allein einen tragfähigen staatlichen Rahmen für Entwicklung garantieren.
Gäbe der Westen diese Zielsetzung auf, würden seine militärischen Interventionen ihre völkerrechtliche und moralische Legitimation verlieren. Streitkräfte, die in ein fremdes Land mit der einzigen Maßgabe geschickt würden, die Interessen des Westens zu sichern, wären Invasionstruppen im alten imperialistischen Sinne und könnten sich für ihre Mission auf keine universalistische Autorität berufen.
Quelle: WELT ONLINE; Weltpolitik: Warum der Westen Demokratie exportieren muss

Herzinger übersieht allerdings eine Kleinigkeit: Die Begründung für die europäische Kolonialpolitik war keineswegs interventionistisch. In einer Streitschrift gegen die Klagen des Reichstagsabgeordneten Erzberger begründet ein gewisser Dr. Rudolf Obkircher die Kolonialpolitik Deutschlands so:

Die eigentliche Ursache zu dem Aufstande in Südwestafrika lag, wie dies historisch längst nachgewiesen ist, in der freiheitsliebenden Art der eingeborenen Stämme, die sich gegen jede Kolonisation um so entschlossener zu wehren suchten, als sie für die Segnungen deutscher Kolonisation: Friede, Ordnung, persönliche Sicherheit und Arbeitsgelegenheit, kein Verständnis hatten.[1]

Wenn man von der Demokratie absieht, so ist die Begründung vergangener Kolonisation inhaltlich exakt dieselbe, die Herzinger verwendet. Es ging angeblich darum, den Eingeborenen zu einem besseren Leben zu verhelfen: Am deutschen Wesen soll die genesen. Als ob sie krank gewesen wäre oder als ob sie heute immer noch an derselben Krankheit litte. Im Unterschied zu damals versucht man heute nicht mehr eine fremde Oberschicht zu etablieren, sondern installiert einheimische Vasallen, die fremde Interessen exekutieren und die man im Gegenzug mit den „Segnungen“ der westlichen Lebensweise besticht.

Kulturexport als Mittel dauerhafter Knechtschaft haben die Römer erfunden und damit Europa „zivilisiert“. Tacitus brachte es in seinem Buch über Agricolas „Zivilisierung“ Britanniens sinngemäß so auf den Punkt: Die Vornehmen Britanniens pflegen die römische Kultur, tragen römische Kleidung, lassen sich römisch bilden und sprechen Latein, sie lassen sich von römischen Lastern verzaubern und feiern rauschende Feste in Hallen, wie Bädern und geben köstliche Gastmahle. Sie nennen es selber Humanität, obwohl alles nur ein Teil ihrer Knechtschaft ist.[2]

In der politisch korrekten Welt des Westens wäre Tacitus abgemahnt worden. Heute nennt man die Vasallen euphemistisch „Freunde“ oder „Verbündete“, als würde man ihnen eine an nationalen Interessen ausgerichtete Politik auch nur im Ansatz gestatten.

Quellen:
[1] Lügen des Herrn Erzberger; Verlag: Paul Köhler, Berlin; 1907
[2] Tacitus; Agricola; Kap. 21, 2

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8 Antworten to “Die Demokratielüge”

  1. Bauer Gerhard Says:

    Mit diesen Lügengeschichten sollen die Kriege der Neuzeit gerechtfertigt werden.
    Das sind Aufrufe zum Krieg und zur Unterdrückung anderer Völker.
    Welche völkerrechtliche Legitimation denn, ist es neuerdings erlaubt anderen Nationen eine bestimmte Staatsform aufzuzwingen?
    Moralische Legitimation, mit der Moral ist es immer so eine Sache. Moral ist immer eiine Sache des Standortes.

    Es geht weder um Demokratie, noch um Völkerrecht, noch um Moral, es geht um Geld und Macht.
    Die Presse ist die Hure des Geldes und der Macht.

  2. Don't care Says:

    Seit die Gringos, Russkis und Albionesen sich zum quasi-göttlichen Auftrag berufen fühlten die Welt von der diabolischen Nazi-Heimsuchung zu erlösen, glauben vor allem die ersteren die Welt mit ihrer Mc-Donalds-Demokratur beglücken zu müssen. Da die Weltrevolutionsexporteure (Sowjetskis) bekanntlich vorzeitig verendeten, sind die Yankees fast konkurrenzlos in dieser „Exportbranche“.

  3. ultramontanus Says:

    Ein sehr hübscher Artikel und ein sehr hübsches Tazituszitat (wobei Tazitus ja auch nicht sine ira et studio schreibt).

  4. Bauer Gerhard Says:

    Die Briten wurden dann ja auch von den Sachsen ganz locker erobert.
    Die vollgefressene Oberschicht, diejenigen die sich mit dem Feind verbündeten und deshalb während der Besatzungszeit in Saus und Braus leben konnten, wurden ganz locker abserviert. Wer den Widerstand gegen fremde Mächte aufgibt und sich dessen Gewohnheiten zu eigen macht, hat schon verloren.
    Siehe nur die Amerikanisierung unserer Gesellschaft, was ist denn heute noch deutsch?
    Mit der Aufgabe unseres deutschen Lebensstils, unserer Kultur, öffnen wir die Tür für die Landnahme durch andere Völker. Z. B.Hirtenlieder aus dem Orient oder amerikanische Weihnachtslieder sind wunderbar, alte Volkslieder aus dem deutschen Raum werden kaum noch gesungen.
    Alles ist ganz friedlich und zuvorkommend. Gestärkt durch den Irrglauben, dass sich die heutigen eingewanderten Schichten mit dem zufrieden geben würden, was wir ihnen geben und die Ausbeuter der Schaffenskraft des deutschen Volkes sich schon um uns kümmern werden, wenn Not am Manne ist.
    Nein, dies alles wird nicht geschehen. Wir machen uns zum Spielball fremder Mächte, geben die Selbstbestimmung auf und werden die Rechnung dafür bezahlen müssen, ob wir wollen oder nicht.

    Es wird ein schreckliches Erwachen geben.
    Ähnlich, als der deutsche König ein Ausländer, ein Spanier, wurde. Dies war mit eine Voraussetzung für den verheerenden 30-jährigen Krieg und die Geburtstunde der deutsch-französischen Erbfeindschaft. Das Deutsche Reich wurde zum Spielball der Habsburger Hauspolitik.

  5. rotegraefin Says:

    Ach je ach je!
    Mir tut der Fuß so weh!

    Bauer Gerhard, setzen Sie sich für den Frieden ein ein ohne wenn und aber, wenn von Deutschland zwei Weltkriege ausgingen.
    Dann sollten doch jetzt endlich einmal echte Männer aufstehen und Frau und Kinder schützen und Frieden schaffen ohne Waffen!

    Dieses kindische und weibische Stammtischgemaule auf diesem Blog ist doch einfach nur lächerlich.

  6. rotegraefin Says:

    Ach nee, was ist denn hier los?
    Betretenes Schweigen, wenn einmal echte Argumente gebracht werden?

    Oder weil eine „schwache Frau“ auftaucht?

    Dann hat Mann plötzlich nichts mehr zu sagen oder verschlägst es ihm nur die Sprache?

    • Mcp Says:

      Meine liebe Dame. Das ist kein betretenes, sondern ein höfliches Schweigen.

      • rotegraefin Says:

        😀 😀 😀

        Humor ist wenn man trotzdem lacht!

        „Warum schlug der Deibel seine Großmutter?“
        ?????
        „Weil sie keine Ausrede wusste. Dich wird er nicht schlagen, Du weißt immer eine.!“ (Spruch meiner Ma)

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