„Ausgemerkelt“

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Das knüpft an die sogenannte Milieu-Theorie an. Die sagt, dass der Niedergang der Volksparteien aus der Auflösung oder Verfeinerung Ausdifferenzierung sozialer Großgruppen folge. Aber eigentlich ist das eine bloße Tautologie. Sie besagt nur, dass den großen Parteien die Wähler weglaufen, erklärt aber nicht, warum. Und noch weniger, wenn man bedenkt, dass die Parteien ja nichts Statisches sind, sondern Teil der Gesellschaft. Wenn die sich ändert, ändern sie sich mit. Oder?

Quelle: FAZ.NET; Das Arbeitsministerium: Die letzte Chance der Union

Die FAZ sinniert über den Niedergang der Volksparteien und verortet die letzte Chance für die CDU in ihrer – nicht mehr vorhandenen – sozialen Kompetenz.

Es stimmt: Mit Blüm, sechzehn Jahre Arbeitsminister unter Kohl, ist die Herz-Jeus-Fraktion zerfallen und es fehlt jene soziale Kompetenz, die sich aus der katholischen Soziallehre speiste. Blüm blieb bis heute ohne Nachfolger und von der Leyen ist zwar durch ihre Auftritte in den Medien bekannt wie ein bunter Hund, aber Kompetenz als Sozialpolitikerin wird ihr niemand ernsthaft zugestehen wollen. Sie wird wohl das machen, was sie im Familienministerium erfolgreich erprobt hat: In Ermangelung eigener Überzeugungen sozialdemokratische Konzepte eins zu eins umsetzen, also die Partei weiter nach links befördern.

Ob das jedoch reicht, um als Volkspartei zu bestehen, wie die FAZ vermutet, darf getrost bezweifelt werden. Denn der CDU ist nicht nur die Herz-Jesus-Fraktion abhanden gekommen sondern auch jene, die früher zu ihren Markenzeichen gehörten: Mit Martin Hohmann und Henry Nitzsche hat Merkel die Dreggersche „Stahlhelm-Fraktion“ geschreddert und mit Friedrich Merz hat sie den Wirtschaftsflügel der Partei entmannt, also sprichwörtlich „ausgemerkelt.“

Es fehlt der CDU also mehr als nur die soziale Kompetenz, um als Volkspartei zu bestehen. Heute ist die Union ein Haufen stromlinienförmiger Apparatschiks von denen – von wenigen Ausnahmen abgesehen – keiner eine irgendwie geartete politische oder fachliche Kompetenz ausstrahlt, von Charisma ganz zu schweigen. Die Personalie des Finanzministers spricht Bände über den wirtschaftspolitischen Sachverstand der Partei. Merkels herabhängende Mundwinkel ist der ganze Charme den die Union zurzeit verströmt.

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11 Antworten to “„Ausgemerkelt“”

  1. Bauer Gerhard Says:

    Was lange währt, wird nicht immer gut.
    Die Unionsparteien zeigen es. Die SPD zeigte es bereits.

    Den Niedergang der Union darf man natürlich nicht nur Merkel anlasten, die Union ist schon lange im Niedergang sonst hätte eine Merkel nicht diesen Aufstieg hinlegen können. Merkel ist nicht die Ursache, Merkel ist die Folge.

    • Mcp Says:

      Unter Kohl hatte die Union noch 40+. Seitdem geht es abwärts. Und wie gesagt: Unter Kohl gab es noch eine Stahlhelmfraktion.

      Die Ost-CDU, das habe ich vergessen, hätte niemals mit der West-CDU vereinigt werden dürfen. Die Blockpartei hätte aufgelöst werden müssen, denn dort saßen Leute drin die Revolution mit drei „R“ geschrieben haben. Der Ostflügel der CDU macht diese Partei linkslastig und protestantisch.

  2. Bauer Gerhard Says:

    In der Schweiz dürfte der Bau von Minaretten mit deutlichem Mehr verboten werden. Die jüngste Hochrechnung der SRG geht von einem Ja-Stimmen-Anteil von 59 Prozent aus. Auch das Ständemehr dürfte erreicht werden.
    http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/minarett_initiative_hochrechnung_annahme_1.4079737.html

    In diese Kerbe muss nun kräftig geschlagen werden.

  3. Don't care Says:

    Bleibe dabei, auch wenn das hier nicht verstanden oder ignoriert wird. Mit der Ex-Dä-Dä-äR hat der Saupreissen-Koeffizient im Lande massiv zugenommen. FDJ-Apparatschiköse ist eine typischen Exponentin all der Saupreiss-Kotz-Eigenschaften. Die Südstaatler die dereinst an CDU(CSU)-Rudern standen, als da waren Erhard, Kiesinger,FJS, Filby, Kohl (naja), waren geradezu Leuchttürme an Kompetenz, Weitblick, ja geradezu Weishheit, gesundem politischem Instinkt und noch einiges an Rückgrat.

    • Mcp Says:

      Das hatte ich in der Analyse eigentlich mit „Merkel“ verstanden. Auch hier nochmal: die ehemalige Ost-CDU ist das Problem und das war auch Kohls größter Fehler. Letztlich hat Merkel Kohl abserviert, als sie ihren Artikel in der FAZ platzierte und sich vom Ex-Kanzler absetzte. Seitdem dominiert der Osten, auch deshalb weil die Hauptstadt wieder in Berlin ist.

  4. Arminius Says:

    Unsere FDJ-Sekretärin im Range einer Kanzlerin hat es tatsächlich geschafft, den Stimmenanteil der Union von 40+ auf 30+ zu reduzieren. Aber das ist nur eine Momentaufnahme. Die Reise geht noch weiter und das ist gut so.
    Rund um uns herum gibt es erfolgreiche konservative Parteien, nur nicht bei uns. Die CDU hat es bislang immer verstanden, das Aufkommen konservativer Parteien zu verhindern und dabei immer weiter nach links zu rücken. Auch damit dürfte bald Schluß sein. Möge der Glanz, der an diesem Ersten Advent aus der Schweiz herüberstrahlt, möglichst schnell auch unser Vaterland erhellen.

    • Mcp Says:

      Das keine konservative Partei in Deutschland entstehen kann, hat viele Ursachen. Eine davon heißt Hitler, eine andere „Kampf gegen rechts“, an dem sich einige CDU-Granden, wie Merkel, nicht ungern beteiligen. Der „Kampf gegen rechts“ ist übrigens eine platte Neuauflage aus der Zeit der Weimarer Republik. Den hatte das katholische Zentrum nach dem Mord an Rathenau ausgerufen (der Feind steht rechts) und andere Parteien haben sich angeschlossen. Ich glaube Schröder hat mit dem „Aufstand der Anständigen“ den „Kampf gegen rechts“ entfacht. Der sah sich ja in Tradition Brünings.

  5. Bauer Gerhard Says:

    Abwärts ging es mit der Union schon nach Kiesinger. Damals hatten noch reale Chancen auf Alleinregierung bestanden.

    Mit abwärts meine ich auch nicht nur die Prozente bei den Wahlen, die hatten bei der CSU vor kurzem ja auch noch gepasst, die Zersetzung beginnt lange vorher, da kann die Partei noch gute Wahlergebnisse einfahren und trotzdem auf den Hund gekommen sein.

    Eine Partei die Merkel als Vorsitzende gewählt hat, kann nicht in Ordnung gewesen sein. Da war etwas faul.
    Eine Partei die einen Vorsitzenden wie Stoiber absägt ist marode.

  6. Bauer Gerhard Says:

    Unter 40 Prozent war die Union schon nach Kohl.
    Es war eine starke oder zumindest immer stabile CSU die geholfen hat das Ergebnis relativ gut aussehen zu lassen. Die CDU ist seit 98 unter 30 Prozent, mit Stoiber hat sie es noch einmal bis knapp unter 30 geschafft.

    • Mcp Says:

      Die CSU glitt schon unter Beckstein – ein Protestant in Bayern – ins Abseits. Seehofer vollendet die Entwicklung nur, die wohl auch rührt, dass sich viel fremdes Volk, zum Beispiel Ostdeutsche, in Bayern niedergelassen hat.

      In Österreich gibt es zurzeit ein Uni-Streik. An vorderster Front stehen allerdings keine Österreicher, sondern Typen, die die „Ösis“ als „Pifkes“ bezeichnen. Deutsche also, die in Österreich studieren haben diese Unruhen angezettelt. Genauso wird es in Bayern sein.

  7. Bauer Gerhard Says:

    Zur Zuwanderung in Bayern:
    Daher bin ich für die Umsetzung der bayer. Staatsbürgerschaft, die in der Verfassung vorgesehen ist, und nur noch in Gesetzesform gebracht werden muss.

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