Des Sonntags heidnischer Ursprung

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Mit der Entscheidung gegen die Berliner Ladenöffnungszeiten zeigen die Karlsruher Richter, wie man die christliche Religion schützt – und die Bürger. Der arbeitsfreie Sonntag ist in Deutschland ebenso Teil der Mehrheitskultur wie das Christentum. Kaufen und Verkaufen an diesem Tag ist nicht so wertvoll wie Beisammensein.

Quelle: WELT ONLINE; Kommentar zum Ladenschluss-Urteil: Freier Sonntag hilft Religion mehr als Minarettstopp

321 ordnete Kaiser Konstantin die allgemeine Sonntagsruhe für das gesamte Römische Reich an. Jedwede Arbeit wurde verboten, sogar die Verwaltung und das Gerichtswesen mussten an diesem Tag ruhen. Eine Ausnahme waren Slavenfreilassungen. Der Kaiser, damals noch kein Christ, nahm sich einen heidnischen Brauch zum Vorbild: den feierlichen Tag der Sonne. Bis dahin begingen die Christen, nach dem Vorbild des jüdischen Glaubens, den Sabbat, der von Freitagabend bis Samstagabend reichte, jene Zeit also, als auch der Schöpfer nach getaner Schöpfung ruhte. Christen, die weiterhin den Sabbat feiern wollten, wurden nach dem Dekret Konstantins schweren Verfolgungen ausgesetzt. Es gibt heute immer noch einige christliche Gemeinden, die den Sabbat heiligen und nicht den Sonntag.

Auch der Islam lehnt den Sonntag mit Verweis auf seinen heidnischen Ursprung ab: „Wie kann der Mensch etwas heiligen, was Allah Selbst nicht geheiligt hat, und ein Gebot des Schöpfers durch einen Brauch ersetzen?“ (Rassoul, Sahih al-Buchari)

Der Sonntag hat also keine genuin christlichen Wurzeln sondern ist vielmehr eine soziale Errungenschaft, denn bis dahin kannte man im Römischen Reich weder geregelte Arbeitszeiten, noch arbeitsfreie Tage. Der kaiserliche Ukas galt ausdrücklich auch für die damals noch reichlichen vorhandenen Nichtchristen. Widerstand gegen die Einführung eines arbeitsfreien Wochentages ist nicht bekannt, eher wurde er, besonders bei abhängig Beschäftigten und Sklaven, mit unverhohlener Freude aufgenommen.

Die „modernen“ Angriffe auf den arbeitsfreien Sonntag sind weniger ein Angriff auf die Religion oder den Kirchgang, sondern ein Anschlag auf normative Arbeitszeiten, denn ohne den Sonntag ließe sich ein generell arbeitsfreier Wochentag vor allem in mittleren und kleinen Betrieben gar nicht mehr kontrollieren. Leidtragende dieser Entwicklung wären vor allen die abhängig Beschäftigten. Nicht umsonst stehen die Gewerkschaften in dieser Frage an der Seite der Kirchen.

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Eine Antwort to “Des Sonntags heidnischer Ursprung”

  1. Nikodemus Says:

    Das ist nicht ganz richtig – schon Paulus berichtet von regelmäßigen rituellen Versammlungen am Sonntag, anfangs zusätzlich zum Sabbat. Der Sonntag wurde als Tag der Auferstehung von anfang an geheiligt, die Übertragung der Arbeitsruhe folgte dann aus innere Konsequenz, als die Gesellschaften christlich wurden.
    Ich habe schon den Eindruck, dass die Säkularen sich in der Abwertung des Sonntags in einer Geringschätzung der Kirchen gefallen.

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