Die kurze Geschichte urbaner Einfalt

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Das Ereignis liegt zwar schon etwas länger zurück, aber da gerade die große Zeit der unvermeindlichen Jahresrückblicke angebrochen ist, passt das Thema schon – igendwie. Auf jeden Fall ärgert es mich schon eine geraume Zeit:

Die Köpenickerin, Mutter eines kleinen Kindes, hielt sich die Nase zu, ließ sich drei Meter in die Tiefe fallen, tauchte ins Wasser.

„Sie rief noch so etwas wie ,Yeepee’ und schwamm lachend auf den Mittelfelsen zu. Dort stand Eisbärin Katjuscha.

„Sie reckte den Arm gegen das Tier. Es sah so aus, als wolle sie es streicheln“, erzählt Dagmar Radzick.

Dann passierte es. Die Eisbärenfrau griff die offenbar lebensmüde Frau an, biss ihr in die Schulter. „Sie schrie erbärmlich. Sie wollte weg von dem Eisbären, schwamm wieder zum Gehegerand. Ich habe mich weggedreht, konnte das nicht mit ansehen“, so Dagmar Radzick.

Quelle: B.Z. Berlin; Drama im Zoo: Alles über die Attacke im Zoo

Jeder Stadtmensch verliert die reale Beziehung zur Kreatur und der Natur, auf seine eigene Weise.

Der urbane Naivling will mit einem „niedlichen“ Eisbären kuscheln und hält jede Warnung vor der Gefährlichkeit von Raubtieren für eine schändliche Verschwörungstheorie. Dieser „Typ“ engagiert sich im „Tierschutz“ und hält die unvernünftige Kreatur für einen bessern Menschen.

Für den „knallharten Unternehmer“ hingegen, auch so ein genuin urbaner Typ, ist das Tier nur Objekt zur Befriedung seiner Gier. Nicht die selbständigen Landwirte haben die Gesetze zur industriellen Tierhaltung unterstützt, sondern urbane Politiker, die sich dem „grünen Verbraucher“, der es am liebsten richtig billig mag, genauso verpflichtet fühlen, wie dem gewissenlosen Unternehmer, der es am liebsten richtig billig macht.

Leidtragender der Entfremdung dieser Menschen von der Natur ist der bodenständige Bauer, der von einfältig-eifernden Tierschützern moralisch und von der Profitgier industrieller Tierquäler ökonomisch in die Zange genommen wird.

Ein Mensch, der freudig in einen Käfig springt, um mit einem der imposantesten Raubtiere der Erde zu „kuscheln“, der glaubt natürlich auch daran, dass die Rinder das Klima kaputtfurzen, Fleisch krank macht, das durch Salz der Blutdruck steigt und Eier den Cholesterinspiegel durcheinander bringen. Der glaubt auch, dass Nahrung unbedingt „gesund“ sein müsse: Kurz, der glaubt eigentlich alles, was man ihm sonst noch erzählt.

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2 Antworten to “Die kurze Geschichte urbaner Einfalt”

  1. Bauer Gerhard Says:

    Die wollte doch nur spielen.

  2. Don't care Says:

    Hoffentlich hat die friedliebende, harmonieorientierte, sanftmütige BärIN der ebenso gestrickten MenschIN eine Kostprobe weiblicher Ver-Schwester-lichung der Kreaturen geliefert.

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