LHC: Metaphysische Spekulationen

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If this new collider doesn’t produce groundbreaking discoveries, particle physics will have reached a dead end for a generation or more. The theorists would keep theorizing. But without hard experimental data pouring out of the L.H.C., says Jim Virdee, a Kenyan-born British-Indian physicist with the L.H.C., then “particle physics, the whole thing, becomes metaphysics.”[1]

Quelle: vanityfair.com; January 2010: Kurt Andersen on the Large Hadron Collider

Was Kurt Anders übersieht, ist die schlichte Tatsache, dass große Teile der theoretischen Physik längst in die Metaphysik abgeglitten sind. Gemeint ist jene Physik, die sich mit Grenzzuständen physikalischer Theorien beschäftigt, also dort forscht, wo streng genommen die gesicherte Wissenschaft aufhört und die Spekulation beginnt. Schwarze Löcher sind ein Grenzzustand relativischer Astrophysik: Was innerhalb ihres postulierten Ereignishorizontes vorgeht, darüber gibt die Theorie genauso wenig Aufschluss, wie über die Existenz von Wurmlöchern oder Superstrings.

Die Stringtheorie beispielsweise ist nichts anderes als mathematische Metaphysik, ein kybernetisches Märchen, ein Versuch, die Welt mit Hilfe einer Vorstellung zu erklären, für die es bisher nicht einen einzigen beobachtenden Anhaltspunkt gibt.

Das ist ein weitgehend unbemerkter, aber recht schwerwiegender Paradigmawechsel, der sich in den Naturwissenschaften vollzogen hat. Darwin hat aus einer Vielzahl von Beobachtungen seine Theorie über die Entwicklung der Arten geformt. In der heutigen Physik ist genau umgekehrt, sind die Beobachter nur noch Wasserträger der Theoretiker, die ihre am Schreibtisch formulierten Aussagen empirisch falsifizieren sollen. Das LHC ist das Kind der theoretischen Physik, es wurde gebaut auf der Grundlage metaphysischer Spekulationen, deren Beweise dieser Collider erst noch erbringen soll.

***

[1] „Wenn dieser neue Collider nicht grundlegend neue Entdeckungen bringt, wird die Teilchenphysik für die nächste Generation in einer Sackgasse stecken. Die Theoretiker würden weiter theoretisieren. Aber ohne verlässliche experimentelle Daten, sagt Jim Virdee, ein in Kenia geborener britisch-indischer Physiker am LHC, wird aus der ganzen Teilchenphysik Metaphysik.“

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6 Antworten to “LHC: Metaphysische Spekulationen”

  1. Bauer Gerhard Says:

    Wer von uns ist Physiker genug um die Formeln und Berechnungen der modernen Physik zu verstehen?
    Wir lassen sie uns doch auch nur erläutern und je nach Weltbild neigen wir der einen oder der anderen Auffassung zu.
    Was ist denn von der Wissenschaft überhaupt wirklich bewiesen über kurz oder lang gleitet alles in den Metabreich ab. Den Urgrund können wir Menschen nicht erkennen, jede Wissenschaft geht aber von irgendwelchen Voraussetzungen, die als wahr angenommen werden, aus und baut darauf auf.

    • Mcp Says:

      Zumindest habe ich Mathematik studiert.

      • Don't care Says:

        Zumindest habe ich Physik studiert, aber keine theoretische (zu dumm dazu gewesen). Derohalben hängen mir String-, Super-String- und Superduper-Irgendwas-Theorien auch zu hoch. Schon die Quanten-Chromodynamik war oberhalb der eigenen Hutschnur angesiedelt, die allgemeine Relativitätstheorie auch schon. Für den Laien sind ergo die heutigen „Weltmodelle“ der „Starphysiker“ sicherlich komplette „Böhmische Dörfer“.

      • Bauer Gerhard Says:

        Richtig und für Otto Normalverbraucher ist das ganze genau so wichtig, wie wenn in Peking ein Sack Reis umfällt.
        Was nützt es einem Kapitän auf hoher See, wenn er die chemische Zusammensetzung von Wasser kennt?

      • Mcp Says:

        Ich habe einige Jahre in der Forschung gearbeitet, allerdings nicht in der Mathematik, sondern als Wasserträger für Physiker und Chemiker, denen ich half, ihre Modelvorstellungen zu mathematisieren. Mathematiker sind für gewöhnlich „Allrounder“ deren Dienste in allen – exakten – Wissenschaften benötigt werden. Allerdings werden die meistens schlecht bezahlt, so dass „jeder“ irgendwann in die Versicherungswirtschaft oder das Bankengewerbe abwandert. Na ja, ich scherze. Man kann eigentlich überall mehr Geld verdienen.

      • Mcp Says:

        Mag sein das ein Kapitän der an der Wasseroberfläche herumschippert keine Physik braucht. Geht es aber in die Tiefe, fügt man also eine Dimension hinzu, dann sieht die Sache schon wesentlich anders aus. Ein U-Boot Kapitän, der mit der Physik und den Eigenheiten der chemischen Zusammensetzung des Wassers in den verschiedenen Ozeanen nicht vertraut ist, der ihre Auswirkungen auf Auftrieb und Abtrieb nicht kennt, der die unterschiedlichen Temperaturschichtungen und die sich daraus ergebenden Dichteschwankungen ignoriert, der nicht weiß, welche Auswirkungen solche Phänomene auf die Ausbreitung von Schallwellen haben, der wird sein Boot mit einiger Sicherheit sehr schnell in den Grund Ozeans rammen.

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