Gefährlicher als die Schweinegrippe

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Heute fühlen sich deutsche Professoren an Schweizer Universitäten unanständig angegriffen, weil ihnen die SVP in einem Inserat vorwarf, sie würden durch Vetternwirtschaft ihre beträchtliche und zunehmende Präsenz an den Fakultäten weiter verstärken. Der Verdacht ist berechtigt. Vor allem der geisteswissenschaftliche Bereich ist eine Sonderzone, die nach eigenen Gesetzen funktioniert. Leistung und Wettbewerb werden als Auswüchse marktwirtschaftlicher Irrlehren gemieden. Man besinnt sich lieber auf die höhere Willkür akademischer Gremien, die dem Gott des Konformismus huldigen. Schon früher beeindruckte die Fähigkeit der Phil.-I-Professoren, sich treffsicher mit Kollegen zu umgeben, die das linke Einheitsklima nicht ins Wanken brachten. Gut möglich, dass sich nach dem Anmarsch vieler Deutscher heute das Harmonieprinzip vor allem territorial ausdrückt. Der hohe Anteil deutscher Universitätsmitarbeiter kann ja nicht allein dadurch zu erklären sein, dass Deutschland die besten Akademiker der Welt produziert. Wahrscheinlicher ist das Gegenteil. Wären die deutschen Unis besser, hätten wir nicht so viele deutsche Professoren in der Schweiz.

Der deutsche Michael Hampe, Ordinarius für Philosophie an der ETH Zürich, sprach mit Blick auf die SVP-These in einem Tagi-Artikel von «Brutalisierung und Dekultivierung». Es werde, schrieb er weiter, von der Volkspartei eine «Nationalisierung» und «Helvetisierung» der Forschung angestrebt, die Hampe mit dem sowjetischen Gulag und der «Arisierung» der Wissenschaft unter den Nationalsozialisten in Verbindung brachte. Der Fehlvergleich offenbart ein Übermass an professoraler Empfindlichkeit. Die Polemik zielt aber auch in der Sache krass an der Realität vorbei. Die Drahtzieher der SVP-Kampagne, unter anderem Nationalrat Christoph Mörgeli, befürworten das Gegenteil dessen, was ihnen Hampe vorwirft. Mörgeli sprach sich wiederholt für das Ideal amerikanischer Eliteuniversitäten aus, die ihre Professoren nach Leistung weltweit auswählen. Hampes Verteidigung der Deutschen ist Schollendenken. Und ein Missverständnis seiner Gegner. Die SVP-Kritik ist kein Plädoyer für Heimatschutz, sondern ein Ruf nach mehr Weltoffenheit und weniger Deutschtümelei an den Schweizer Universitäten.[1]

Treffend formuliert, allerdings ist diese Art „Deutschtümlei“ kein genuin deutsches Phänomen, sondern ein Virus, das in den „Geisteswissenschaften“ weltweit grassiert und das viel gefährlicher als die Schweinegrippe ist. Auch an den „Eliteuniversitäten“ im „Gelobten Land“ – sic!: die USA ist gemeint – ist ein geringer Strömungswiderstandskoeffizient, auch cw-Wert genannt, im Windkanal des Konformismus erste Voraussetzung um im linksliberalen Mainstream mitschwimmen zu dürfen. Denn auch jenseits des Atlantiks werden abweichende Meinungen nicht geherzt sondern dämonisiert; es will mir gar scheinen als wäre diese „gutböse“ Dämonie eine nordamerikanische Pandemie, deren Ausbreitungsgeschwindigkeit mit der „Weltoffenheit“ korreliert. Deutschland fiebert im letzten Stadium und krampft geisteswissenschaftlich gegen rechts, nun infizierten sich auch die abgelegenen Alpentäler qua deutscher Professoren, die als Wirtskörper für weltbürgerliche Ab- und Ansichten fungieren. Die Zeiten, da am deutschen Wesen die Welt noch genesen konnte – die sind, liebe Schweizer, längst vorbei.

[1] http://www.weltwoche.ch; Deutschtümelei

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5 Antworten to “Gefährlicher als die Schweinegrippe”

  1. Bauer Gerhard Says:

    Konservative Aktion besucht Westerwelle in Stuttgart: „Erika Steinbach grüßt herzlich Polens Außenminister!“

    Zum heutigen Dreikönigstreffen der FDP in Stuttgart konfrontierte eine der konservativ subversiven aktion (ksa) nahestehende Gruppe Außenminister Guido Westerwelle mit seiner Parteinahme für polnische Interessen im Streit um die Besetzung des Rates der Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“. Die Konservativen entrollten auf dem politischen Jahresauftakt der FDP ein Transparent: „Erika Steinbach grüßt herzlich Polens Außenminister!“ Westerwelle reagierte persönlich: „Stellen Sie sich bitte an den rechten Rand!“

    Nachdem die Aktivisten das Transparent enthüllt hatten, kam es zu vereinzelten empörten Zwischenrufen seitens der 1400 Zuhörer. Westerwelle selbst meinte, er stehe einer liberalen Partei vor, weshalb Proteste geduldet würden. Gleichzeitig bat er aber die Protestierenden, sich an den „rechten Rand“ zu stellen. Den konservativen Aktivisten gelang es nicht, Fotos von der direkten Konfrontation mit Westerwelle zu schießen. Nach dem Protest habe es aber von einigen Besuchern eine sehr positive Resonanz gegeben, berichteten die konservativen Aktivisten gegenüber BlaueNarzisse.de….
    http://www.blauenarzisse.de/v3/index.php/aktuelles/1224-konservative-aktion-besucht-westerwelle-in-stuttgart-erika-steinbach-gruesst-herzlich-polens-aussenminister

    Ob man in den gleichgerichteten Medien einen Artikel finden wird oder zumindest eine Erwähnung?

  2. Don't care Says:

    Ich argwöhne auch einen Aspekt, der hier wieder mal geflissentlich übesehen wird. Nämlich die Arroganz des „Saupreissntums“. Da hat dieser „progressiv-überlegene“ Menschenschlag nord-main-ischer Provenienz einen Brückenkopf in diesen rückständigen Jodler-Breiten angelegt. Selbstverständlich muss er die Helvetier ebenso mit dem Glanz der Nordlichter-Ketten beglücken und die dortigen Natur-Burschen kolonisieren, wie weiland „Süd-Mainien“ hierzulande. Dass die Müssli-Aborigines dagegen opponieren kann so ein durch und durch edelmütiger und nur genialischer „Preiss“ schon mal garnicht verstehen, gönnt er seinen kleingeistigen Vettern doch grosszügig üppige Portionen seiner unvergleichlichen „Errungenschaften“.

    • Mcp Says:

      Könnte sein. Die Frage wie viele Mitteldeutsche in die Schweiz auswandern ist tatsächlich interessant. Vermutlich hat die gaußsche Allgemeinverteilungskurve tatsächlich eine signifikante östliche Schlagseite. Sei’s drum: Nicht alle Ostdeutsche sind Saupreußen, die Sachsen schon gar nicht. Allesamt Ketzer oder Atheisten ja, aber Preußen mitnichten. Nicht einmal die Brandenburger – sonst würden sie nicht die Roten wählen. Preußen wurde, wie Fernau richtig bemerkt, 1945 auf einen Sandhaufen exekutiert. Mit dem deutschen Osten starb auch der preußische Geist. Gott hab ihn selig. Denn Deutsch war Preußen nie, schon die gräuliche Schreibung des Großen Fritzen verweist auf französische Wurzeln.

  3. Bauer Gerhard Says:

    Preußen ist verboten.

    Die französische Sprache war damals die Sprache der Eliten, sie drückten sich in Wort und Schrift auf französisch aus, das war nicht nur in Preußen so. Viele aus der damaligen konnten sich schriftlich auf Deutsch nicht richtig ausdrücken.
    Preußen ist und war Deutsch, was denn sonst.

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