Jubelperser

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Die junge Frau hatte die Gewalt über ihr eigenes Bild längst verloren. Selbst als die Eltern der getöteten Studentin drei Tage nach dem Zwischenfall authentische Bilder ihrer Tochter veröffentlichten, zirkulierte das Passfoto von Neda Soltani weiter. Bei den folgenden Demonstrationen der iranischen Opposition tauchte es auf Plakaten auf, es wurde auf T-Shirts und Aufkleber gedruckt. „Engel des Iran“ stand darunter. Die lebende Neda und einige ihrer Freunde versuchten verzweifelt weiter, den Irrtum aufzuklären. Aber sie stießen auf eine Mauer der Ablehnung. Regimekritiker witterten ein Propagandamanöver des Mullah-Regimes und beharrten nun erst recht darauf, das kopierte Facebook-Foto sei authentisch.[1]

Ich stand dieser „Neda“-Geschichte von Anfang skeptisch gegenüber. Sie wirkte auf mich wie eine „gestylte“ Werbekampagne von Leuten, die im „richtigen“ Leben ihren Unterhalt mit dem Verkauf von Suppenwürfeln verdienen. In der Geschichte wimmeln so viele Stereotype, wie Würmer auf verwesenden Fleisch.

Schon früh gab es nicht nur an der Person der „Märtyrerin“, sondern auch am Ablauf dieser Geschichte erhebliche Zweifel. Die „Qualitätspresse“ nahm sie damals nicht nur bewusst nicht zur Kenntnis, sondern tat genau das, was sie heute „Eigendynamik“ nennt: Statt gründlich zu recherchieren, schmückte man die Geschichte mit allerlei düsteren und blutrünstigen Kommentaren aus, in denen das „Mullah-Regime“ in die Nähe – wie könnte es auch anders sein – des Nationalsozialismus gerückt wurde und wird. Statt den Mächtigen gründlich auf die Finger zu schauen – angeblich die vornehmste Aufgabe der „vierten Gewalt“ -, übernahmen die etablierten Medien zu wiederholten Male den Part der „Jubelperser“.

Das man den „Zweifeln“ und „Zweiflern“ heute die höheren journalistischen Weihen verleiht ist Teil dieses verlogenen Systems: So kann man die Lügen, die man selbst in die Welt setzte, mit „investigativem“ Journalismus „entlarven“ und eine „unabhängige“ und „objektive“ Berichterstattung vorgaukeln. Seht her, wie lügen zwar: Aber erstens dienen diese Lügen einen guten Zweck und zweitens beweisen wir unsere „Ehrlichkeit“ dadurch, dass wir – zu gegebener Zeit; nämlich dann, wenn es keine Rolle mehr spielt – unsere Lügen „offen und ehrlich“ zugeben. An diesem alten Zopf hat sich schon Baron Münchhausen eigenhändig aus dem Sumpf gezogen.

[1] rp-online.de; Neda: Irans falsche Märtyrerin

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8 Antworten to “Jubelperser”

  1. sinus Says:

    Ja ja, die Arier eben. Viel schmieriger treibts die vierte Gewalt bzw. „Spiegel“ mit Herrn Brunner. Alle sind empört, „Wie kann man nur“. Ich frage mich, wurde Herr Brunner auf Alkohol untersucht? Oder woher hatte der Deutsche plötzlich seinen Mut? Wo wir immer noch beim Thema Frauen sind, uns Angela soll ja auch angeblich eine sein. Und was sie einnimmt um ihre Politik zu betreiben kann man hier lesen:

    Zeitzeuge // Feb 7, 2010 at 17:58

    Das Drehbuch des “Westens” zum Fall Iran wurde auf der Münchner Sicherheitskonferenz auf den Tisch gelegt, es entspricht dem zum Fall Irak.

    Wie Eckart Lohse im FAZ.NET mit Datum vom 6. Februar berichtet, sei der U.S.-Verteidigungsminister Gates nicht davon zu überzeugen, daß der Iran nicht nach Atomwaffen strebe.

    (Auch der Irak sollte seinerzeit “beweisen”, daß er über keine Massenvernichtungswaffen verfügte – ein nicht zu führender Beweis, der den Betroffenen vor ein Dilemma stellt. Der Irak versuchte es dennoch mit der Übergabe einer hohen Zahl von CD – da war der Überfall aber schon beschlossen. Heute sind die irakischen Ölquellen fest in westlicher Hand – im Land allerdings herrscht das Chaos -, das iranische Öl ist offenbar die nächste große Verlockung.)

    Nach Lohse ließ der U.S.-Senator Lieberman (ein Jude) dann die Katze erstmals aus dem Sack, indem er dem Iran unverhohlen mit einem Militärschlag drohte. (U.S.-”Aegis”-Kreuzer, mit Spezialradar ausgestattet und in der Lage, Mittelstrecken-Raketen abzufangen, sind bereits in den Persischen Golf entsandt, “Patriot”-Raketen-Abfangsysteme an Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Kuwait geliefert.)

    Da wollte Guttenberg nicht beiseitestehen: er forderte den Sicherheitsrat auf, nun seiner Verantwortung gerecht zu werden.

    Im Falle des Irak hat der damalige Bundeskanzler Deutschland noch weitgehend heraushalten können, von Merkel*) hingegen ist bekannt, daß sie sich gern in der damaligen “Koalition der Willigen” an der Seite von Bush, Rumsfeld, Blair und Konsorten gesehen hätte.

    Jetzt will Merkel offensichtlich das nachholen, was ihr im Irak noch nicht vergönnt war, eine aktive Beteiligung am kommenden Krieg gegen den Iran.

    Die Zeichen sind unübersehbar:

    Der Persisch-Sprachführer des Bundessprachenamts für die Bundeswehr ist gedruckt, die Ausführungen des Parlamentarischen Staatssekretärs Schmidt im Bundestag zu diesem Sachverhalt sind erhellend (http://www.youtube.com/watch?v=rYC_aSnKezY)!

    Deutsche Flugzeugführer werden im zionistischen Gebilde, in Israel ausgebildet – angeblich für den Einsatz in Afghanistan, in Wahrheit jedoch wohl für den geplanten Überfall auf den Iran.

    Und Merkel liefert die politische Einstimmung der Deutschen auf das Kommende:

    Vor zwei Jahren fragte sie, ob sich Deutschland (sic! Bei ihr, Merkel, steht das ja außer Frage!) der einzigartigen Beziehungen zu Israel bewußt sei, „wenn es darauf ankommt“. Die “Sicherheit Israels ist niemals verhandelbar – und wenn das so ist, dann dürfen das in der Stunde der Bewährung keine leeren Worte bleiben“. Israels Sicherheit „ist Teil der Staatsräson meines (sic!) Landes“ behauptete sie – wer hat ihr dazu das Mandat gegeben?!

    Dann Merkels Auftritt vor einem Jahr bei der Münchner Sicherheitskonferenz: “Es geht darum, die Bewaffnung des Iran mit der Atombombe zu verhindern.” Sollte es keine diplomatische Lösung geben, sei Deutschland auch zu härteren Maßnahmen bereit.

    Was bedeutete das denn?! Nachdem sie ihre Kriegslüsternheit gegen den Irak nicht austoben konnte, zeigte sie auch schon vor einem Jahr in München ihren Willen, für die Juden gegen den Iran ins Feld ziehen (natürlich nicht sie persönlich; ich habe immer noch vor Augen, wie Merkel von Panik gezeichnet sich die Ohren zuhielt, als bei einer Übung [!] der Bundesmarine zwei Marineflieger sie im Tiefflug überraschten – frühere Kanzler, ich denke da an die dreißiger Jahre, waren wesentlich nervenstärker).

    Jetzt wird sie noch massiver: “Die Zeit läuft aus!” Töne, die einem den Atem stocken lassen… Wer hat diese skrupellose Frau ermächtigt, anderen souveränen Staaten ein Ultimatum zu stellen?!

    Merkel läßt sich in ihrem Amoklauf offensichtlich nicht mehr bremsen – es sei denn, durch einen “20 Juli” – die Anwendung des sogen. Grundgesetzes, Artikel 26, Absatz 1 in Verbindung mit Artikel 20, Absatz 4 würde wohl ins Leere laufen!

    (Grundgesetz, Artikel 26, Absatz 1
    Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.
    Artikel 20, Absatz 4

    Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.)

    *) Bemerkung am Rande: Das ist die Frau, die sich permanent ihrem Mobiltelefon widmet und SMS verschickt. Wann wird Merkel endlich ihrer Sucht Herr und stellt das dämliche Gehacke auf ihrer Mobiltelefon-Tastatur ein? Zum einen ist dieses infantile Gehabe hochgradig unhöflich, zum zweiten eines Regierungschefs einfach unwürdig. Zum Telefonieren und Verschicken von Nachrichten ist das Personal da.

    • Mcp Says:

      Die Kriegstrommeln gegen den Iran werden schon seit Jahren geschlagen. Es gab sogar schon manche konkrete Vorhersage für den Kriegsbeginn. Ich bin da eher skeptisch. Zurzeit winkt man wohl mit der großen Moralkeule, weil man die Embargoschrauben fester drehen will.
      Auch im Brunner-Fall war ich von Anfang dezidiert anderer Meinung als die Masse, weil ich das Verhalten von Brunner kritisch hinterfragte. Offensichtlich ist die Situation erst durch das Eingreifen von Brunner eskaliert. Als ich dies äußerte, traf mich die ganze Wucht des Internet-Mobs. Gegenrede zwecklos. Wie so oft in solchen Fällen: Die Medien drücken einen Knopf und alle bellen los. Erschreckend, aber menschlich.

  2. Don't care Says:

    Stimmt, so’ne Story hat alle Ingredienzien, die ein Mythos nach dem Geschmack der Gut/Besser/Best-Menschlingen eben haben muss. Prädikat besonder wertvoll für die Volks(um)-Erziehung. Insbesondere wenn das Zentralsgestirn, um das sämtliche paradigmatischen Planeten und Trabanten zirkeln, eine lichtgestaltige FauIn-OpferIn ist. Empörtes, entrüstetes, betroffenes Beipflichten ist das mindeste, was man solch einer HeiligInnen-Legende schuldig ist.

    • Mcp Says:

      Auch kleine Kinder eignen sich bestens für die politische Propaganda. Pallywood hat das schon eindrucksvoll demonstriert. Kinder machen sich immer gut, egal ob man Shampoo verkaufen will oder für die „Hungerhilfe“ Spenden eintreiben will. Will sagen: Es gibt verschiedene, leicht zu aktivierende Reflexe, mit denen man immer wieder versucht politische Botschaften an unseren Verstand vorbeizuschmuggeln. Leider reagieren die meisten Menschen wie ein gewöhnlicher Pawlowscher Hund.

      • Don't care Says:

        Wobei nicht unerwähnt bleiben sollte, dass die Bundes-Pawlow-Hunde-Meute besonders gründlich konditioniert ist. Durch die Simultandressur mit der Nazi- und der Macho-Keule ist Bundes-Bello so perfekt abgerichtet, dass er jedem „Fass-“ oder „Bei-Fuss“-Kommando sogar freudig winselnd und wedelnd gehorcht.

        Den Dompteuren scheint es übrigens einen Mordsspass zu machen auf der „Reflexklaviatur“ herumzuspielen und das artige Massen-Parieren in unserem „Pawlowistan“ zu verfolgen.

      • Mcp Says:

        Nicht nur die Deutschen sind derart konditioniert. Im Grunde nutzt man Verhaltensmuster, die sich im Laufe der Evolution herausgebildet haben sollen. Kinder, Mütter und Weibchen lösen Schutzreflexe, ganz unabhängig von unserem Wollen aus. Diese Instinkte sind ja nicht schlecht, nur ihr Missbrauch ist anzuprangern.

      • Don't care Says:

        Heisst das, dass man erst ab einem gewissen kognitiven Niveau, oder nur mit einer gewissen ethischen Einstellung den Missbrauch solcher Reflexe überhaupt erkennt, bzw. missbilligt ?.

      • Mcp Says:

        Ja.

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