Der Weisheit letzter Schluss

by

Seit Tagen streitet die Politik über die Reform des Sozialstaates. FDP-Chef Westerwelle hat jetzt seine Forderungen zu Hartz IV konkretisiert. Jeder, der jung und gesund sei, müsse zumutbare Arbeiten annehmen, sagte Westerwelle – auch wenn es sich um Schneeschippen handelt. Den Staat forderte er auf, die Schwachen vor den Faulen zu schützen.

Die Faulheit ist eine menschliche Schwäche und die Schwachen sind auch deshalb schwach, weil sie dieser Schwäche frönen und man sie frönen lässt. Westerwelle führt eine Geisterdebatte, weil er am Kern des Problems vorbeiredet: HarzIV gehört abgeschafft. Ersatzlos gestrichen und für jene, die dann ohne eigenes Einkommen sind, kann der Staat eine bezahlte Beschäftigung auf freiwilliger Basis anbieten, die allerdings von vornherein weder Sinn haben darf, noch Anspruch auf irgendeine Nützlichkeit erheben sollte, weil sie nur eine einzige Botschaft transportieren muss: Nichts wird einem im Leben geschenkt, weil man für alles was man bekommt, eine Gegenleistung zu erbringen hat. Hinter solchen einfachen Sätzen verbirgt sich die schreiendste Ungerechtigkeit jedes „Sozialstaates“: Alles, was ohne Gegenwert verbraucht wird, muss durch einen „Anderen“ erarbeitet werden, der dadurch um einen stetig wachsenden Anteil der Früchte seiner Mühen gebracht wird. Der Sozialstaat ist längst von einer solidarischen zu einer parasitären Lebensform mutiert.

Wer tagtäglich einen Sandhaufen von einer Stelle zu einer andern schippen muss, um sich sein tägliches Bort zu verdienen, der wird irgendwann selbst die kleinste Chance ergreifen, die ihn von solchen sinnentleerten und stupiden Arbeiten befreit. Und diejenigen, die sich damit zufriedengeben, haben kein anderes Schicksal verdient.

Das ist der Weisheit letzter Schluss: Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss.
Goethe; Faust, Der Tragödie zweiter Teil“, fünfter Akt

Quelle: WELT ONLINE;Reform von Hartz IV: Westerwelle will Schwache vor Faulen schützen

Advertisements

Schlagwörter: , , ,

8 Antworten to “Der Weisheit letzter Schluss”

  1. sinus Says:

    Und was soll ich jetzt machen?

    • Mcp Says:

      Gute Frage. Allerdings können Sie die nur selber beantworten. Was immer sie wollen. Oder auch nicht. Genau das ist der Unterschied zwischen einer dummen Kuh auf der Weide und ihrem Herren, der sie melkt. Frei nach Aristoteles ist dies der Unterschied zwischen einem geborenen Sklaven und einem Aristokraten, dem eine solche Frage nie und nimmer in den Sinn kommen würde. Wahrscheinlich müssen Sie nur anfangen selber darüber nachzudenken.

      • sinus Says:

        Nachdem ich nachgedacht hatte, befragte ich meine Guttempler Therapiegruppe, was man denn machen solle. Die Antwort war, dass der Bürger nichts machen könne. Ich werde aber demnächst nocheinmal nachdenken.

  2. Kassandra Says:

    Lieber MCP, bitte beleidige nicht die Kühe. Die wissen nämlich genau was sie wollen, wenn man sie nur lässt, im Gegensatz zu manchen Menschen.

  3. noreia Says:

    danke! genau meine meinung, nur besser ausgedrückt, als ich es könnte…

  4. noreia Says:

    naja, komm mir ziemlich irdisch vor, sprich, die schnöde realität gewinnt überhand… ich wehre mich mit allen kräften, ich lass sie nicht….

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: