Germanomanie

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Der Fanatismus kennt aber keine Grenzen. Er blieb bei der Idee, die Juden seine Geißel fühlen zu lassen, nicht stehen. Kaum war Frankreichs Despotismus gebrochen, so gingen unsere Germanomanen noch weiter. Arndt, Jahn etc. und mehrere Nachbeter derselben wollten nun schon keinen Franzosen mehr in Deutschlands Gauen dulden, sogar die Sprache der Franzosen sollte aus Deutschlands Marken verbannt sein, und bei Verfolgung der fixen Idee der Germanomanie: Alles Fremdartige von Deutschlands Boden entfernt zu sehen, geht endlich der lauteste Germanomane der jetzigen Zeit in seiner neuesten Broschüre so weit, auch gegen England, das von den Germanomanen mit Huld bisher behandelte England, eine vollständige Philippika abzuhalten. [1]

Ich bin gerade darüber gestolpert. Interessant, die Verquickung von 1789 mit dem neueren Judentum. Interessant auch die Argumentationslinie Aschers, die wie ein sehr früher Entwurf der neueren bundesrepublikanischen Staatsdoktrin unter Merkel wirken. Ein Essay, das man lesen muss, um die langen Linien der deutschen Geschichte zu verstehen. Ascher schrieb 1815 ein Essay, mit dem er in die Wirklichkeit des Jahres 2010 eingreifen könnte. Sofern er noch lebte. Aber auch posthum eröffnet dieses Schriftstück erstaunliche Einblicke in die deutsche Geschichte.

[1] Saul Ascher; Die Germanomanie, 1815

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