Litterarische Absurditäten

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Man will eine neue Rechtschreibung in den Schulen einführen. Ich bitte die Behörden, es zu unterlassen.
Man muß Neuerungen überhaupt nur einführen, wenn sie notwendig oder von wesentlichem Nutzen sind, sonst hat das Bestehende die Vorrechte des Natürlichen.
Der Prüfstein alles Neuen ist die Zeit. Erst wenn ein Menschenalter vorübergegangen ist und trotz alles Wechsels der Ansichten das Neue sich erhalten hat, weiß man, daß man eine Verbesserung gemacht und nicht einer Mode gehuldigt hat.
Nirgends ist die Vorsicht gegen Neuerungen so notwendig als in Deutschland, wo man alle zehn Jahre litterarische Absurditäten in Gang setzt, über die man zehn Jahre später wieder lacht.[1]

Die wirklich schlechten Angewohnheiten legen die Deutschen wohl niemals ab. Dasselbe könnte man auch über die jüngste „Rechtschreibreform“ sagen.
_____________
[1] Franz Grillparzer, Neue Rechtschreibung, 1836

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2 Antworten to “Litterarische Absurditäten”

  1. Fehlerleser.de Says:

    Superklasse! 🙂
    Unter welchen Umständen bist Du nur auf dieses Zitat gestoßen?

    Schöne Grüße.

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