Schwarz lackierte Jakobiner

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Kuehnelt-Leddihn plagt, in seiner Schrift „Katholischer Glaube – links oder rechts?“[1] der dringende Verdacht, dass alle nichtkatholischen oder nichtgläubigen Rechten nur deshalb „rechts“ sind, weil sie in „natürlicher“ Opposition zu den abstrusen Ideen des linksliberalen Mainstreams stehen. Indirekt weist Kuehnelt-Leddihn damit dem rechtgläubigen Katholiken – ja, es gibt auch andere – den Platz als „einzig wahre Rechte“ zu. Es macht in der Tat einen Unterschied, ob man sich der Konterrevolution – gegen die „Ideale“ der Französischen Revolution – verschrieben hat oder einen Teil dieser Ideale, wie Demokratie oder Gleichheit, assimiliert: Eine „demokratische Rechte“ steht auf dem Boden der Revolution, sie ist nicht rechts, sondern sitzt – in Parlamenten – eben nur dort. Dass es zwischen diesen Fraktionen blutige Machtkämpfe ausbrechen, liegt in der Natur des politischen Systems: Es geht den agierenden Parteien, wie Davila schon bemerkte, nur um einen Anteil an der Macht und nicht um deren Beseitigung.

Unter diesen Aspekt ist auch die unübliche Einordnung Kuehnelt-Leddihns, der den Nationalsozialismus als originär linksradikale Kraft versteht [2], verständlich: Schließlich waren beide Elemente – Nationalismus und Sozialismus – Resulten der sogenannten „Aufklärung“ und der ihr nachfolgenden blutigen Revolutionsexzesse die seit 1789 periodisch die Welt erschüttern und deren Schockwellen regelmäßig Millionen Opfer verschlingen.

Entweder man betet die Revolution und ihre Ideale an, dann ist man ein Linker, oder man ist ein „Rechter“ oder „Weißer“, weil man solche niederhauen will: „Konservative Revolutionäre“ sind aus dieser Sicht nur schwarz lackierte Jakobiner. Selbst dann, wenn es mit Jenen inhaltliche Mengen gibt, die sich mit konterrevolutionären Ansichten decken.
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[1] Kuehnelt-Leddihn; Katholischer Glaube – links oder rechts?; Critión 14, 1972
[2] Kuehnelt-Leddihn; Der linke Etikettenschwindel – Kein Gegensatz, sondern Konkurrenzkampf

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7 Antworten to “Schwarz lackierte Jakobiner”

  1. Petronius Says:

    So gesehen gibt es seit ca. 150 Jahren keine authentische Rechte mehr.

    • Mcp Says:

      Nein. Der Adel und die Bauern in der Vendeé, die Kulaken und Kosaken in Sowjetrussland und die klerikalen Märtyrer im republikanischen Spanien oder Pinochet in Chile, die Tibetaner in China, waren oder sind schon propere Rechte im Sinne echter Konterrevolution.

  2. Petronius Says:

    Bezeichnenderweise alles die Loser der Weltgeschichte.

    Fragt sich nur, ob die dogmatische Gleichung „je rechter, je guter“ sinnvoll ist, oder ob damit überhaupt politischen Lagen und Problemen beizukommen ist. Die Perücken von 1789ff sind ja auch nicht ohne Grund gerollt…

  3. Mcp Says:

    Loser? Na, nenne mir doch einen Rechten (im weitem Sinne), der kein „Loser“ ist.

    Aus meiner Sicht ist das auch nicht sonderlich verwunderlich: Rechte, Konservative sind Reaktionäre, will heißen, sie reagieren auf Aktion, auf Veränderungen. Einem wirklichen Konservativen sind Veränderungen, gar Revolutionen ein Gräuel: Er ist der geborene „Re – Aktionär“, der überzeugte Konterrevolutionär. Er agiert nicht, er reagiert, allerdings anders als es die Aktionäre erwarten.

    Als Anhänger einer Endzeitreligion erwarte ich vom Leben nur den Tod, ergo keine Erlösung hienieden und für „die Menschheit“, wenn man sie schon als Subjekt begreift – was eine einigermaßen lächerliche Vorstellung ist -, das Ἁρμαγεδών, die Endzeitschlacht. Möge Gott verhüten, dass ich sie noch erlebe.

    Dieser Glaube bestimmt auch meine (heutigen) Erwartungen an das Leben: Ein Kind zeugen, ein Haus bauen, einen Baum pflanzen und zu meinem Gott beten. Mehr, aber auch nicht weniger kann kein Mensch verlangen.

    Ich lebe bestimmt nicht um „die Welt“ zu verändern oder bei ihrer „Entwicklung“ mitzuhelfen. Ich glaube an keine „lichte“ Zukunft „der Menschheit“, an keine irgendwie geartete „Befreiung“ — wovon denn?

    Wenn ich ein Gewehr zur Hand nehme, dann um jene von Haus und Hof zu jagen, die mein Leben oder mein Eigentum bedrohen, die mir vorschreiben wollen, wie ich zu leben habe und an was ich glauben soll, weil sie angeblich ganz genau wüssten, was gut und richtig für mich und meine Nächsten wäre. Die Welt ist voller solcher Idioten, die irgendwelchen abstrusen Theorien zur „Weltverbesserung“ anhängen – auch solche, die sich gern als „Rechte“ oder „Konservative“ begreifen. Ich halte jeden – irgendwie gearteten „Weltverbesserer“ oder „Weltretter“ für ein riesengroßes Arschloch (Gott vergib mir), mich in meinen Jugendjahren nicht ausgenommen. Das gilt im Übrigen auch für die Restaurativen, die Monarchisten oder andere Gewächse, die am liebsten das Mittelalter oder die Antike wiederherstellen wollen. Weltfremde Träumer, die einen, wie die anderen und höchst ärgerlich dann, wenn ihre Ideen beginnen mir mein Leben zu versauen. Das ist, für meinen Teil, der Causa belli, der Selbstverteidigungsfall. Das ist im übrigen die einzige politische Lage oder das einzige Problem, bei der oder dem ich mir vorstellen könnte „politisch aktiv“ zu werden. Das ist, als Vorstufe zum Kriegsfall (oder zum „Ernstfall“ wie es Götz Kubitzek formulieren würde), auch der einzige Grund warum dieses Blog überhaupt existiert. Solange mich „die Welt“ in Frieden lässt, hat sie auch mich nicht zu fürchten: Dies ist bei Linken genau umgekehrt und deshalb sie Nazis beispielsweise weder Rechte, noch Konservative oder gar Reaktionäre.

    Es gibt im Russischen eine sarkastische Redewendung, die auf solche „Weltverbesserer“ anwendbar ist: Das nächste Mal machen wir alles besser – um hinterher festzustellen, dass alles noch viel schlimmer geworden ist, als es beim letzten Mal schon war.

    Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich begreife Veränderungen als unausweichlich, aber nicht als eine noch zu befeuernde Notwendigkeit – was für eine idiotische Vorstellung -, sondern in der Art eines Schicksals: Wir alle sind „Loser“. Ich habe meine Jugend „verloren“, der Nachwuchs die Kindheit. Irgendwann werden wir unsere Zähne verlieren, vielleicht die Haare und mit Sicherheit werden wir zum Schluss unser Leben verlieren. Der Tod ist die einzige Konstante, die wir mit hundertprozentiger Sicherheit vorhersagen können. Dasselbe erwarte ich von „der Menschheit“ und ich betrachte „die Entwicklung“ als Abstieg, als Auflösung zu einem unvermeidlichen Ende hin. Die blutigen Exzesse der Vergangenheit und Gegenwart sind nur die Ouvertüre im Hinblick auf das unvermeidliche Finale. Altertum, Mittelalter, Neuzeit, dies alles nur Akte, bevor der Vorhang endgültig fällt.

    Reaktionäre, Rechte, Konservative sehen „die Welt“ wie sie ist und nicht wie sie – in der Vorstellung von Narren – zu sein hätte.

  4. LePenseur Says:

    Naja, Ihre skeptisch-pessimistische Weltsicht in Ehren (ich teile sie in weiten Bereichen durchaus) — aber Sie sind mir die Beweisführung schuldig geblieben, warum der wahre „Rechte“ (der also eine solche Weltsicht hat), deshalb Anhänger der „Endzeitreligion“ Christentum sein müßte.

    Daß Kuehnelt-Leddihn den Nationalsozialismus als „originär linksradikale Kraft“ versteht, ist nachvollziehbar (man braucht sich den brauen Pöbel und seine Exponenten doch nur anzusehen). Aber was ist daran denn „Frucht der Aufklärung“?

    „Aufklärung“: das ist z.B. Friedrich der Große, Voltaire, Hume — und was hätte das mit einem geifernden Goebbels oder hetzenden Hitler (um hier ein paar „germanische“ Alliterationen anzubringen) zu tun?

    Die realistische Einschätzung, daß es mit der Menschheit wegen ihrer Blödheit und Rücksichtslosigkeit ein schlechtes Ende nehmen dürfte, zwingt noch nicht zur Annahme, daß dann ein gütiger Gott ein jüngstes Gericht hält und die unter die Räder gekommenen Guten belohnt. Das kann man hoffen und wünschen — aber dieses Hoffen und wünschen ist um keinen Deut „realistischer“ als die Hoffnung auf ein irdisches Paradies, das durch ein paar gesellschaftliche Veränderungen herstellbar wäre.

    Daß letzteres nicht funktioniert, ist nachgewiesen (was die Menschen leider nicht daran hindert, es flugs ein weiteres Mal zu versuchen). Daß ersteres funktioniert, ist aus prinzipiellen Gründen unerweisbar — was natürlich auf einer anderen Argumentationsebene liegt, als eine falsifizierte Theorie, aber daraus eben auch nicht mehr als eine unbeweisbare Hypothese macht.

  5. Petronius Says:

    >Loser? Na, nenne mir doch einen Rechten (im weitem Sinne), der kein >“Loser” ist.

    Du verstehst das falsch, Du hast hier einen Dávila-Leser vor Dir. Das ist nicht so gemeint, daß es gegen die Rechte spräche. Es zeigt an, wohin der „Weltgeist“ oder vielmehr „Welt-Ungeist“ unaufhaltsam reitet. Jünger hat in seinen Tagebüchern dazu einen Bemerkung gemacht…

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