Leuchtturm der Hoffnung

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Hier zeigte sich eine offene Flanke des Pontifikats, die schon bei der Regensburger Rede und aktuell erst recht in der Mißbrauchsdebatte offenkundig wurde: Der Umgang mit den Medien ist seit dem Ausscheiden des Medienprofis und Laien Navarro Valls, der als Chef des Pressesaals mehr als zwanzig Jahre Johannes Paul II. gedient hatte, ziemlich unterentwickelt.

Es fehlt das Gespür für die Mechanismen und Abläufe in den Medien, auch für die feindselige Stimmung und das Mißtrauen in den liberalistisch und nihilistisch geprägten Redaktionen gegenüber allem, was den Anspruch auf Wahrheit erhebt. Ohne dieses Gespür ist man ständig in der Defensive.[1]

In den Redaktionen der Medien sitzen überwiegend Leute, die sich durch keine noch so gute Pressearbeit des Vatikans beeindrucken ließen. Ihr Geschäft ist nicht die Wahrheit, die sachliche oder objektive Berichterstattung, sondern die Verbreitung ihrer privaten Ansichten.[2] In fast allen großen Medien, von den Kleineren ganz zu schweigen, verwischen die Unterschiede von Bericht und Meinung in dem gleichen Maße, wie die Differenzen von Parteipolitik und Journalismus verschwinden. Moralischer Imperativ, statt beschreibenden Indikativ oder abwägenden Konjunktiv: Der hiesigen Presse scheint ihrer Informationspflicht überdrüssig, sie will nicht nur Beobachter sein, sie gefällt sich in der Rolle eines überkandidelten Oberlehrers mit erhobenen Zeigefinger, der die politische Agenda der Parteien, statt sie zu hinterfragen oder bloß zu beschreiben, selbst bestimmen will. Die Medien sind selbst Partei geworden [3] und eine bessere „Pressearbeit“ bedeutet nichts anderes, als den Kotau vor der herrschenden Sprachreglung, zwingend einhergehend mit der Verleugnung originär christlicher Positionen.

Je entschiedener die Vertreter der katholischen Kirche ihren Glauben vertreten, desto heftiger wird das Medienecho werden – aber, desto mehr Menschen, darunter viele Ungläubige, werden den Blick voller Hoffnung gen Rom heben, weil die einzig wahre Kirche Christi auch der einzige verbliebene Fels des Abendlandes ist, der den wütenden Wellen des Relativismus, Nihilismus und Konsumismus trotzt. Als Benedikt XVI. vor fünf Jahren den Thron bestieg, war noch nicht auszumachen, wohin das schwankende Kirchenschiff steuert. [4] Heute ist wissen wir, das in Rom ein Mann regiert, der für viele zum einsamen Leuchtturm der Hoffnung in den finsteren Nächten des Zweifels geworden ist. Ein guter Hirte, der verlorene Schafe sammelt und der seine kleine Herde mit festem Glauben in einen neuen Morgen führt.

Die katholische Kirche hatte ihre besten Momente immer dann, wenn sie den Zumutungen der Staatsmacht trotzte. So war es im Kulturkampf gegen Bismarck, als Bischöfe und Gläubige ihre Treue zu Rom mit Festungshaft und politischer Verfolgung büßen mussten, so war es in den finstern Zeiten des Kommunismus, als die Kirche ihre Pforten für die Verzweifelten und Suchenden öffnete, ohne zu fragen, ob sie an Gott glauben oder nicht.

Immer wenn der Druck der Verleumdung und öffentlichen Ächtung wächst, fallen einige Schwache vom Glauben ab. Aber seit Saulus weiß die Christenheit, dass immer ein Stärkerer an die Stelle einer gefallenen Seele tritt. Die Kirche Jesu gewann im Kampf immer mehr, als ihr die Feinde zu nehmen vermochten. Sofern und solange sie kämpft und gewillt ist zu kämpfen. Kein Mann dient einem Hasen.

Gott schütze Benedikt XVI.
____________

[1] JUNGE FREIHEIT – Wochenzeitung aus Berlin: Der Glutkern des Glaubens.
[2] Sofern sie noch Anstand haben und sich nicht bloß als billige, im Voraus gehorsame Lohnschreiber des „common sens“ verdingen: wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing. Die Widerlichste, wohl aber die verbreitetste Variante veröffentlichter Meinung, wenn von den „Edelfedern“ des Establishments zu den Niederungen des journalistischen Hungerberufes hinabsteigt. Ein Cent pro Zeile ist da schon exorbitante Überzahlung für das täglich stupide aneinanderreihen industriell vorgefertigter Textbausteine. Der moderne Journalismus gleicht dem Einstellen eines Fertiggerichtes in die Mikrowelle: Man wärmt auf, was andere vorgefertigt haben – mehr gibt der Beruf nicht mehr her.
[3] Wobei nicht auszumachen ist, wer wen beherrscht: Die Medien die Parteien oder umgekehrt die Parteien die Medien. Vielleicht ist dies aber auch bloß eine falsch gestellte Frage und sie leben in sich gegenseitig Vorteile verschaffender Symbiose. Zum Nachteil ihres Wirts. Wobei nicht das Volk gemeint ist.
[4] Johannes Paul II. war der Papst des Kalten Krieges. Mit seinem Tod endete der Burgfrieden den die westlich-atheistischen Eliten mit der katholischen Kirche in Anbetracht der tödlichen Gefahr, vom Kommunismus überwältigt zu werden, geschlossen hatten.

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3 Antworten to “Leuchtturm der Hoffnung”

  1. Elsa Says:

    BRAVO!!!

  2. Don't care Says:

    Gehässigkeit, Häme, Spott lösen bei wahrhaft Grossen das einzig richtige aus, nämlich nichts. Das hundertfach nachgekläffte „Schweigen“ ist eine souveräne Reaktion auf das Geheul der Pinscher-Meute.
    Wer Erklärungen und eine Klarstellung nach der anderen abgeben müsste, wäre schon in der Defensive.
    Was kann einer Institution und ihrem Oberhaupt, die schon 2000 Jahre übelste Anfechtungen übestanden, schon der Irrwitz einer seit ca 60 Jahren paranoid gewordenen Epoche anhaben.

  3. Kassandra Says:

    Dieser Artikel ist gut. Danke!

    Ein Problem sind viele unserer Bischöfe hier in Deutschland. Anstatt sich vor die Priester und Gläubigen zu stellen sind sie abgetaucht oder schwätzen dumm.

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