Die Guillotine

by

Die Guillotine wurde zum Messer, mit dem man die neue Menschheit aus dem Leib einer Kokotte[1] schnitt.
Hugo Ball; Zur Kritik der deutschen Intelligenz; 1912

Die ganze Weltgeschichte setzte Hegel in Bewegung, um Preußen als Taube daraus hervorzuzaubern. Eine solch abergläubische Wichtigkeit hatte niemand vor ihm dieser Monarchie beigemessen. Die instinktive Ahnung der Absurdität seines Systems war die Ursache von Hegels europäischem Erfolg, die Charlatanerie und Dreistigkeit dieses Systems aber war es, was Schopenhauer rasen machte.
ebenda

________________
[1] Kokotte, hier ist wohl eine Prostituierte gemeint

Schlagwörter:

6 Antworten to “Die Guillotine”

  1. Altpreuße Says:

    Preußen ist entstanden als zivilstaatliche Verlängerung der kurfürstlichen Armee.

    Darin bestand bis zuletzt das preußische Wesen. Darin besteht sein Vorbild für alle Zeiten. Nur Japan und Sparta können sich darin mit Preußen messen.

  2. Altpreuße Says:

    Vielleicht noch in Romantik schwelgen mit dem Folgenden, so platten, aber auch so schlicht und einfach Zutreffenden:

    „Nicht auf Preußens Liberalismus sieht Deutschland, sondern auf seine Macht; Bayern, Württemberg, Baden mögen dem Liberalismus indulgieren, darum wird ihnen doch keiner Preußens Rolle anweisen; Preußen muß seine Kraft zusammenfassen und zusammenhalten auf den günstigen Augenblick, der schon einige Male verpaßt ist; Preußens Grenzen nach den Wiener Verträgen sind zu einem gesunden Staatsleben nicht günstig; nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse werden die großen Fragen der Zeit entschieden – das ist der große Fehler von 1848 und 1849 gewesen –, sondern durch Eisen und Blut.“ (Bismarck, Rede vor der Budget-Kommission des Preußischen Landtages, 1862)

    Dies war eine Beschreibung der Wirklichkeit, die seit Anbegin der Menschheit gegeben ist. Hier haben sich also nicht nur die Liberalen geirrt, sondern auch ihr Stammvater Hegel.

    • Mcp Says:

      Nun ja, mein Freund. Ich bin kein Preußenfeind, das Blog ist ein Beleg dafür. Aber freilich ist mir auch, als Deutscher, die absonderliche Beweihräucherung dieses Staates einigermaßen fremd.

      Mit Preußen verhält es sich so, wie mit Hegel: kein Mathematiker kommt an seiner „Wissenschaft der Logik“ vorbei, der Rest allerdings ist Rauschen. Will sagen, dass es in Preußen einen Kern gab, über den nachzudenken selbst einem Katholen Gewinn bringen kann, aber das ganze Gebäude anstandslos zu herzen, das bringe ich nicht fertig.

      Schon deshalb, weil „der Preuße“ vor der „Evolution“ genau so wenig Bestand hatte, wie der Neandertaler: Beide Archetypen sind ausgestorben, mithin keine Erfolgsmodelle zivilisatorischer Emanzipation und das ewige Herumreiten auf den verblassenden und durch glorreiche Niederlagen angekratzten Glanz von Preußens Gloria, wird keinen einzigen Deutschen –unter denen meine Kinder sind – in die Zukunft helfen.

      Preußen ist Geschichte. Die Deutschen brauchen eine Zukunft, wenn sie überleben wollen. Ich habe, als Deutscher, nicht die Absicht, das Schicksal der Preußen zu teilen.

      Ich hoffe mein Preußenfreund, ich habe Dich jetzt nicht verprellt: Das ist eine aufrichtige und ehrliche Antwort auf deine Texte, mit der ich Dir keinesfalls die Ehre abschneiden will. Achtung verdient der, der mir widerspricht: Vielleicht ist das ja eine preußische Tugend. Oder auch nicht.

  3. Altpreuße Says:

    Nein, Du hast mich keineswegs verprellt.

    Meine thesenartige Reaktion, in leider notwendiger Kürze:

    1. Preußen verkörperte auf seine Weise etwas ewiges, regelmäßig wiederkehrendes.
    2. Der Blick auf die preußische Form, die man nicht mit der Substanz verwechseln darf, hängt natürlich vom Standpunkt des Betrachters ab.
    3. Das preußische ist auch noch im heutigen Deutschland überall zu finden. Nicht zuletzt im Leistungsethos der Oberschicht.
    4. Nirgendwo habe ich soviel Preußenverehrung und Übernahme des Preußischen gefunden, wie in Bayern. Spezifischer: In den militärischen Verbänden in Oberbayern.
    5. Das Preußentum war Vorbild für alle Staaten ab dem 18. Jhdt., nicht nur in der westlichen Welt. Es löste das Französische ab.
    6. Preußen ist der Kern Deutschlands. Ohne Preußen gäbe es uns gar nicht.
    7. Die Wehrhaftigkeit ist Entsteheungsgrund und Überlebensgrund Preußens. Damit war die preußische Wehrhaftigkeit auch der Kern Deutschlands. Dieses Preußentum ging formell erst unter, als sich die ganze Welt dagegen verbündete.
    8. Die heutige fehlende mentale Wehrhaftigkeit ist der Kern des zu erwartenden Untergangs Deutschlands.
    9. Ob im Preußischen, was den historischen Wurzeln gemäß wäre, das mittelbar Preußische (über die Traditionen der süddeutschen Länder) oder völlig neue Grundlagen der Wehrhaftigkeit entstehen: Ohne diese geht es zu Ende.
    10. Und aus dem Nukleus der Deutschen, die wehrhaft bleiben (oder wieder werden) wollen, wird eine neue Art Preußentum hervorgehen. Ob nun mit preußischer Optik oder nicht, ist von minderer Bedeutung. Der Rest geht den Weg der Neandertaler. Nur daß dafür nicht die ganze Welt gebraucht wird, sondern bloß ein paar andere Neandertaler.

    Dein Blick auf Preußen ist eher ein kultureller; meiner eher ein archaischer.

    Meine Freude an „Preußens Gloria“ entspricht also nicht dem der modernen berliner Kultur-Schickeria, sondern ließe sich eher der Hochachtung der Feinde Preußens entnehmen („Lebtest Du noch, ich stünde nicht hier.“), zu denen ich Dich tatsächlich nicht zähle.
    Noch primitiver: Meine Freude an Preußen ist schlicht meiner familiären Herkunft und meiner eigenen (soldatischen) Biographie geschuldet.

    • Mcp Says:

      Also, ich freue mich über Deinen langen Kommentar und muss ihn erst einmal gründlich verdauen, bevor ihn wieder ausscheiden kann. Einige dezidierte Blähungen allerdings sofort: Nicht zu allen Punkten, wohl aber den höchst wichtigen.

      Preußen steht für mich für die kleindeutsche Lösung und es zementierte die konfessionelle Teilung Deutschlands nach der unseligen Reformation. Mit Luther begann das Alldeutsche Verhängnis, was Bismarck zementierte und Hitler vollendete. Bismarks Kirchenkampf gegen die Katholiken ist ein Beleg für diese These. In Preußen hat man frühzeitig den Anspruch aufgegeben, alle Deutschen wieder in einem in einem einzigen europäischen Reich zu vereinen, welches Europa von 900 bis 1806 mehr oder weniger dominierte. Insofern waren die preußischen Junker immer kleinkarierte, wenn auch liebenswerte, Idioten, die zu weltpolitischen Denken à la Habsburg nicht in der Lage waren und die kaum, Bismarck und sämtliche preußischen Könige eingeschlossen, über den Rand ihrer dörflichen Scholle hinausgesehen haben. Das ist sogar einem einfachen Gymnasialprofessor wie Oswald Spengler mehr als einmal bitter aufgestoßen. Ich sage das nicht aus Bosheit oder übe mich in nachfahrender Überheblichkeit: Alle meine Vorfahren stammen aus den verlorenen Ostgebieten. Aber es ist eine Tatsache. Man muss den Briefwechsel zwischen Houston Stewart Chamberlain und Wilhelm II. lesen, um zu verstehen mit welch unglaublicher Naivität dieser – originär preußische – Kaiser in den verheerenden Weltkrieg gestolpert ist. Kein einziger deutscher Politiker, nach der deutschen Reformation, hat Weltpolitik mitgestaltet. Die Deutschen waren, nachdem der Vorhang auf der Weltbühne aufging, allenfalls hilflose Statisten oder – noch schlimmer – nützliche Idioten fremder Weltmächte: siehe die absolut dämliche Hunnenrede von Wilhelm II. Selbst in Waterloo haben nicht die Preußen gesiegt, sondern sie haben lediglich Wellingtons Arsch gerettet. Nichts gegen Blücher, aber er war eben auch nur ein höchst beschränkter Landjunker, der zwar wusste, wie man seine Mannen führt, aber nicht die geringste Ahnung davon hatte, wie Weltpolitik funktioniert. Die Abnablung der Deutschen vom Papsttum nach Luther und der ewige Kulturkampf gegen Rom und den römisch-katholischen Kaiser – eben gegen Weltpolitik – hat eine preußisch-deutsche Provinzialität hervorgebracht, die bis heute nachdauert und die hauptsächlich dafür verantwortlich ist, dass die Deutschen ihrer einstigen Weltgeltung verlustig gingen.
      Oder, um dem „Historiker“ Treitschke ein analoges Wort in den Mund zu legen: Die Preußen sind unser Unglück.

  4. Altpreuße Says:

    Für Japan gilt das zu Preußen Gesagte entsprechend.

    Für Japan brauchte es zwar keine Verbündung vierer Weltreiche, um es zu zerschlagen, dafür aber immerhin drei. Beide Kulturen verkörpern die Vorherrschaft des Selbstbehauptungswillens in Staat und Gesellschaft. In weiterer Historie gilt ähnliches für Sparta. Es lassen sich gewiß noch andere Beispiele finden.

    Für einen braven Katholiken kann man aber auch entsprechendesausmachen:
    Ich verehre den treuen und tapferen Andreas Hofer über alle Maßen. Auch er verkörperte das, was ich im wesentlichen meine. Die Schweizer über viele lange Zeiten auch. Neben Hofer steht die historisch etwas nebulöse, auf jeden Fall aber literarische Gestalt, Wilhelm Tell.

    Im Nebensatz: Schiller ist für mich Männer-, Goethe Frauenliteratur.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: