Was Hänschen nicht lernt …

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Ein Vater gestand seinem Sohne jeden Mutwillen solange zu, bis dieser ihm in allen Stücken über den Kopf gewachsen war und er keine Gewalt mehr über ihn hatte. Der Sohn beging ein schändliches Bubenstück nach dem anderen und wurde endlich außer Landes gejagt. Doch spielte er sich bald darauf in einen Busch unweit der Stadt und ließ seinen Vater zu sich herausrufen; er wolle sich, wie die Botschaft lautete, vor seinem Ende noch einmal an seinem Anblick letzen. Als aber der Alte zu ihm herauskam, empfing er in kalt und forderte in auf, ihm aus dem Stamm einer kräftigen Eiche, die er ihm zeigte, eine Rutenschlinge zu machen. Das sei ihm unmöglich, erwiderte der Alte betroffen, er könne den Baum nicht zwingen, und auch wenn er ihn zwingen könnte, so würde der nur zerbrechen. „So mach mir“, sagte der Sohn, „die Schlinge aus diesem jungen Weidenstrauch hier.“ Dies geschehen, nahm er sie in Hand und sagte: „Mein Vater, sehet, als ich noch ein kleines Bäumlein war, da hättet Ihr mich auch beugen können und ziehen nach Eurem Willen. Aber jetzt bin ich in meiner Bosheit erstarkt, niemand kann mich mehr zwingen, und ich kann mein Herz selber nicht mehr zwingen, denn die Schurkerei ist mir durch alle meine Adern und Blutstropfen gekrochen, ich kann sie nicht mehr lassen, und es ist unausbleiblich, daß ich dem Diebeshenker in die Hände komme. Und darum muß ich Euch zuguterletzt den Lohn geben für Eure Kinderzucht.“ Damit warf er ihm die Schlinge um den Hals, erwürgte ihn und hängte ihn an die Eiche. Nicht lange darauf starb er selber, wie er vorhersagte, von Henkers Hand.[1]

Eine alte Fabel zum „Vatertag“. Etwas zum nachdenken. Für Väter und Bischöfe. Ich komme darauf zurück.
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[1] Aus Herzberges Herzpostille; W. Schulze Verlag; 1853

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