Für ein gewöhnliches Leben

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Viermal verheiratet. Ihr Leben ist nicht so verlaufen, wie sie dachte. „Ich hab doch alles falsch gemacht! Ich hätte doch zu Hause bleiben sollen und hätte Kinder hervorbringen müssen und das Haus zur geborgenen Stätte des im fremden Leben tätigen Mannes machen müssen! Das wäre doch das Glück gewesen! Und nun habe ich das, verführt durch den emanzipatorischen Feminismus, verspielt.“ Und aus ihrer Sympathie heraus, meine Damen und Herren, mit den vielen Müttern, die im Hause, in den deutschen Häusern, sitzen, tritt sie [1] nun in die Arena und verkündet ihre neue Botschaft, die natürlich banal ist. Aber die elementaren Lebensinhalte sind alle banal!

Sie können als Philosoph nur irren, lieber Herr Seubert, ich meine nicht Sie, sondern rundum, wenn Sie nicht den Mut zur Banalität haben. Sie müssen den Mut haben, auch Banales aussprechen zu können. Ich habe viele Jahre gebraucht, bis ich das gelernt habe. Inzwischen klappt das schon ganz gut.

Das heißt also, der Konservativismus wäre eine hoffnungslose Angelegenheit, wenn man ihn als Postulat dem herrschenden Trend, dem vermeintlichen, entgegensetzen würde. Er wäre hoffnungslos, wenn er sich gar nostalgisch daran orientieren würde, Verlassenes, Traditionelles wieder herzustellen, sondern das, was Weikersheim von der neuen Rechten unterscheiden muß – und, Herr Seubert, Sie haben schon darauf hingewiesen – daß es zwei verschiedene Dinge sind: Entweder das Rechte als Gegenentwurf gegen eine angeblich der Linksliberalität und Verführung verfallenden Gesellschaft entgegenzusetzen und dann mit Herrn Weißmann [2] eine Revolution von rechts mit linken Mitteln zu fordern. Das ist Scheiße![3]

In diesem Punkte hat Rohrmoser recht. Ich will die Welt nicht verändern, sondern einfach nur leben dürfen: Eine Familie gründen, Kinder zeugen, ein Haus bauen, einen Baum pflanzen. Meinen Gott anbeten. Nichts anderes verlange ich, als ein gewöhnliches Leben. Das ist banal, aber eine Tragödie, wenn man darum betrogen wird. Eva Hermann hat den Betrug erkannt und sich öffentlich darüber empört. Sie steht stellvertretend für eine ganze Generation, die um ihre Lebenschancen betrogen wurde, weil sie sich den Einflüsterungen des Zeitgeistes ergab. [4]

Wenn der zeitgenössische Konservatismus einen Sinn haben will, so muss er die Stimme des Klageweibes zum Chor erheben, zu einem anschellenden Bocksgesang, der den kommenden Generationen die Tragödie der heute Lebenden als warnendes Beispiel vor Augen führt. Streitet für euer Recht, so die Botschaft, auf ein einfaches Leben und jagt alle Weltverbesserer, Ohrenbläser und Revolutionäre genau dorthin zurück, woher diese Ratten hervorgekrochen sind: in Dantes Hölle und zum Teufel.
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[1] Gemeint ist Eva Herman
[2] Gemeint ist Karlheinz Weißmann und sein Umfeld
[3] Die Wiederkehr der Geschichte; Prof. Dr. Günter Rohrmoser; Rede im Weikersheim; 2006
[4] Wohl auch deshalb, weil die vorangehenden Generationen durch das Feuer zweier Weltkriege ihrer moralischen Kompetenz scheinbar verlustig gingen. So hatte es der Zeitgeist leicht, die Tradition zu überwältigen.

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3 Antworten to “Für ein gewöhnliches Leben”

  1. Don't care Says:

    Den Horkheimers, Adornos & Co sei Dank, dass sie uns via ihrer „Frankfurter Schule“ von der Familie, als „Keimzelle des Faschismus“ zu „befreien“ begannen. Ihre Saat ging auf und ist weiterhin äusserst fruchtbar.
    Der Feminismus z. B. ist in diesem Kontext ebenfalls als passende „Dekonstruktionskomponente“ zu verstehen. Vielleicht werden künftige Ur-Urenkel, (so es sie noch gibt), die Monströsität des heutigen Wahns erahnen können. Des Wahns einer Generation, die meinte mit der „Abrechnung“ mit ihren „schuldbehafteten Vätern“, alles Tradierte und Bewährte in den Dreck treten zu können. – Die meint, von allem Irrtum und Niederträchtigem fürderhin geläutert zu sein. – Die meint, dass alles aus der inkriminierten Epoche kann nur schlecht, falsch oder dumm gewesen sein, und deshalb dürfe heute nur noch das genaue Gegenteil möglich und erlaubt sein.
    Die Protagonisten dieser ungeheuerlichen Paranoia werden den vollen Preis für ihren Wahnwitz nicht mehr alleine bezahlen müssen, sondern Nachgeborene. Hoffentlich werden letztere diese Ver/Zer-Brecher dereinst wenigstens in ihren Gräbern verfluchen.

  2. Elsa Says:

    Vergesse nie, wie ich eine nicht mehr ganz alleinerziehende (sondern mittlerweile verheiratete) und berufslose deutsche Dame meiner italienischen Nachbarin (Okay, im Rentenalter) präsentierte und Lobeshymnen kamen, die sie so nicht gewohnt war, da man ja als teutsche Frau gefälligst irgendwas „produktives“ vorzuweisen habe, also einen Beruf und ein Studium, whatever … Zum ersten Mal überhaupt musste eine Hausfrau und Mutter sich nicht rechtfertigen, sondern meine ital. Nachbarin pries sie für ihr Dasein. Bemerkenswert. Meine Freundin wusste gar nicht, wie ihr geschah.

    • Don't care sagt Says:

      Jaja, die berufstätige Karriere-Paua-FrauIn ist mittlerweile zu einer der Säulenheiligen unseres kranken Zeitgeists avanciert. –

      Möglicherweise wird in einigen Jahrzehnten ein Paradigmenwechsel eintreten, der das Hausfrauen-Dasein nicht mehr kategorisch als ein patriarchalisches Zwangs-Korsett diffamiert. – Dann werden womöglich Millionen alternde, durchneurotisierte Ex-KarrieristInnen in einem Riesen-Heul-und-Zeter-Oratorium ihr Schicksal beklagen/verteufeln.

      Schlimmstenfalls wird auch dann wieder den Standardsündenböcken (Männern) die Schuld daran in die Schuhe geschoben, dass sie sich nicht gegen das Aufoktroyieren feministischer Wahn-Ideologien gewehrt hatten. Durch diese „Unterlassung“ wurden die FrauInnen durch den Sog dieser „Strömung“ in das perniziöse Berufsleben gelockt und „mental geschädigt“.

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