Eine öffentliche Ohrenbeichte

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Der aufmerksame Leser wird sich gewundert haben, warum ich mich in den denkwürdigen Tagen des ökumenischen Kirchentages nicht in die Debatte eingemischt habe: Nun, mit vor Zorn zitternden Händen ist schlecht schreiben und die Wut fließt aus dem Bauch, nicht aus dem Hirn. So wäre alles, was ich mit meiner elektrischen Feder[1] – „damals“ – hätte zu Papier bringen können, nichts weiter als höchst unflätige und wüste Beschimpfung gewesen.

Beileibe, Gott sei mein Zeuge, nicht nur wider der unglaublichen Blasiertheit der Reformierten in diesen Tagen: Man stecke alle „altliberalen“ Bischöfe[2] in einen Sack, hau mit einem großen Knüppel drauf und man kann sicher sein, es trifft keinen Falschen. Von den „Kommissaren“ den ZdK ganz zu schweigen; der dumme Alois kennt nicht einmal mehr die Unterschiede zwischen einem Lutheraner und einem Katholiken. Hol der Teufel das ganze Kommissarsunwesen, wie weiland der Beelzebub Faust.

Luftholen, durchatmen – den Schreibfluss hemmen, noch zerrt der blanke Hans an seinen Ketten. Aber es ist schwerlich ein Gut darin zu finden, wenn die Evangelischen hochmütig wider der Kirche Christi lästern und deren Obere sie nicht furchtlos verteidigen, sondern sich feige wegducken. Barmherziger Gott, man verlangt ja keinen Märtyrertod im siedenden Schwefel, sondern nur ein paar mannhafte und beherzte Widerworte, zur Aufrichtung katholischer Moral, zur Verteidigung des wahren Glaubens, zur höchst fälligen Aufmunterung der eigenen Schar.

Aber da, so mein Verdacht, liegt der Hase im Pfeffer oder der Bischof im siedenden Öl: Es ist nicht, so täuscht mich, die Feigheit vor dem Feind, die den Redefluss der Obrigkeit hemmt, sondern die Angst vor dem eigenen Haufen, dem katholischen Fußvolk, dass man im Geiste, wie weiland Paulus seine Mannen vor Stalingrad, schon verraten hat, weil man im Grunde wie Käßmann denkt, sich aber scheut, so offen zu handeln. Das Schweigen demoralisiert die eigenen Truppen. Auf derart Wehrkraftzersetzung stand früher der Tod – nein, viel schlimmer: die Hölle.

Genug des Verdachts und der Verdächtigung – Gott sei Dank gibt es einen Herrn Alipius und viele andere, die über jedes Misstrauen erhaben, ein katholisches Herz zum jauchzen bringen und die für eine fröhliche, glaubensbejahende und eine herrlich barocke Kirche stehen.

Aber die Qual des Zweifels musste heraus, sie verunreinigt sonst die Seele. Nehmt es als öffentliche Beichte und ein hier öffentlicher Priester soll mir die Strafe aufbrummen, die ich für meine aufrührerischen Gedanken verdiene. Zehn, vielleicht zwanzig Rosenkränze wären genehm. Jaja, ich weiß …

Im übrigen ist, um jetzt endlich wieder auf die andere Seite einzudreschen, Käßmanns Person das wichtigste Argument gegen die Frauenordination.[3] Nicht weil die Dame ein gottverdammtes Lästermaul hat, ich wünschte, sie wär’ aus dem Grund katholisch, sondern weil sie den Glauben banalisiert, herabzieht und verweltlicht. Die Kirche muss sehr wohl übermenschlich sein, weil man zu Gott heraufblicken muss und eben nicht auf ihn herab. Die Blickrichtung verrät, zu wem man in Wahrheit betet: zu dem Herren im Himmel oder dem, der in den Tiefen der Hölle thront.

Gott oder Mammon? Das ist hier die Frage.
___________
[1] Ich habe es an verschiedenen Stellen schon erklärt: Das Blog heißt deshalb „mit elektrischer Feder“, weil ich die Mehrzahl der Einträge auf einem Tablet-PC schreibe, der meine Handschrift erkennt und ich einen sogenannten „Pen“, germanisch „Stift“, nutze. Ich schreibe also und „tippe“ nicht – mit meiner elektrischen Feder eben. Ich bin halt ein hoffnungsloser Konservativer, der auch dem Fortschritt die Tradition abverlangt und der sich diesen Anspruch etwas kosten lässt. Ich kann das nur empfehlen, damit die Handschrift nicht verkümmert.

[2] Jaja, ich weiß, woher der Duktus stammt. Nervt deswegen nicht. Das Blog ist trotzdem nicht xxxxx.net. Aber mir fällt keine, sonst die Tatsachen erhellende Schreibweise ein.

[3] Frauen, nehmt es mir nicht übel. Männer sind Priester, Frauen Mütter. Erst wenn Männer Kinder kriegen, können Frauen Priester werden.

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10 Antworten to “Eine öffentliche Ohrenbeichte”

  1. Arminius Says:

    War das wirklich ein Ökomenischer Kirchentag?

    Oder vielleicht doch eher ein Reichsparteitag des Zeitgeistes?

  2. sinus Says:

    Warum wird immer noch über die Kirche geschrieben?

  3. Anonyma Says:

    Zu Punkt (3): Das sage ich auch immer. Richtig!

  4. nk Says:

    Gut gebrüllt, Löwe !

  5. Eine öffentliche Ohrenbeichte « Anfragen Says:

    […] [mehr] […]

  6. Vinneuil Says:

    Ich bin alles andere als ein braver Katholik, aber wenn ich mir den ökumenischen Kirchentag ansehe, dann bekomme ich immer Lust auf Scheiterhaufen… wo ist die Spanische Inquisition, wenn man sie braucht??

    • Mcp Says:

      Na ja, die spanische Inquisition soll gar nicht so schlimm gewesen sein, wie man ihr nachsagt. Konrad von Marburg wäre da eher die richtige Wahl. Der soll einen Landsknecht beschäftigt haben, der die Ketzer mit einem Blick erkannt haben soll. Der hat sogar Adlige auf den Scheiterhaufen gebracht. Irgendwann hat denen gereicht und sie haben die ganze Bande im Walde ganz jämmerlich erschlagen.

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