Mutters Hände

by

Kurt Tucholsky

Hast uns Stulln jeschnitten
un Kaffe jekocht
un de Töppe rübajeschohm –
un jewischt und jenäht
un jemacht und jedreht …
alles mit deine Hände.

Hast de Milch zujedeckt,
uns Bonbons zujesteckt
un Zeitungen ausjetragen –
hast die Hemden jezählt
und Kartoffeln jeschält …
alles mit deine Hände.

Hast uns manches Mal
bei jroßen Schkandal
auch n Katzenkopp jejeben.
Hast uns hochjebracht,
Wir wahn Sticker acht,
sechse sind noch am Leben …
alles mit deine Hände.

Heiß warn se un kalt.
Nu sind se alt.
Nu bist du bald am Ende.
Da stehn wa nu hier,
und denn komm wir bei dir
und streicheln deine Hände.

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2 Antworten to “Mutters Hände”

  1. Elsa Says:

    Das bleibt…. Die Hände meiner Oma, als sie über 90 schon, nach vielen Schlaganfällen, über die Bettdecke strichen, als wollten sie ein Leben einsammeln.
    Die Hände meines Vaters, die ich nie vorher so genau betrachtet hatte, mit all ihren Narben, als man ihn in der Intensiv zu einen wiederheraufgeholten vom Tode, einem adrenalingepuschten lebenden Leichnam machte, und ich nichts mehr tun konnte für ihn, als seine Hände zu streicheln und die Flecken, die Narben, die verschnittenen Fingernägel zu betrachten, bevor es Zeit war, ihn gehen zu lassen.
    Verdammt noch mal …Entschuldige.

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